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Guten Morgen,
es steht nicht gut um Griechenland. Das
Land ist ohne auswärtige Hilfe zahlungsunfähig. Ende März, wenn eine
14-Milliarden-Euro-Anleihe zurückbezahlt werden muss, würde das bisher
sorgsam Kaschierte für alle Welt sichtbar. In Amerika ist man in Sorge, dass den
Europäern trotz aller Bemühungen die Griechenlandrettung genauso misslingt wie
dem US-Finanzminister einst die versuchte Rettung von Lehman
Brothers.
Deshalb schaltete sich gestern der Internationale
Währungsfonds ein. Man sei bereit, neues Geld zur Stabilisierung des
europäischen Patienten nachzuschießen, erfuhr unser Korrespondent in Washington.
Im Gespräch ist eine Aufstockung der IWF-Reserven um 500 Milliarden
Dollar. In einer internen Mail an die Geldgeber des Fonds, die uns vorliegt,
spricht IWF-Chefin Christine Lagarde von "der Notwendigkeit und
Dringlichkeit gemeinsamen Handelns." Die Stunde der Wahrheit rückt erkennbar
näher. Man kann das Ticken der Bombe regelrecht hören. "IWF fordert: Rettet
Europa!" haben wir unsere Titelgeschichte überschrieben.
Manroland
wird zerschlagen. Der Einzelverkauf der drei Werke soll die Rettung bringen,
kostet aber rund 4.000 der 6.500 Jobs des Druckmaschinen-Herstellers. Das
ist - gemessen daran, wie weltweit derzeit die marodesten Banken mit
Notenbankgeld durchgefüttert werden - eine grobe Ungerechtigkeit. Aber es
ist zugleich eine notwendige Normalität. Risiko und Verantwortung müssen
in der Marktwirtschaft gekoppelt bleiben - am Ende auch bei den Banken.
Pro Sieben Sat 1 goes Hollywood: Der TV-Konzern sticht seinen
Konkurrenten RTL aus und schließt einen Liefervertrag mit Warner Bros.,
dem größten Hollywood-Studio. Damit sichern sich die Münchener den Zugriff
auf zahlreiche Kinofilme wie etwa die Fortsetzung von "Superman", eine
Neuverfilmung von "Batman", aber auch die Trilogie "Herr der Ringe" sowie
"Harry-Potter"-Teile. Pro Sieben Sat 1-Chef Thomas Ebeling hat den Titel
des "Medienmanagers des Jahres", der ihm erst vorgestern von der Zeitschrift
"Horizont" verliehen wurde, offenbar zu Recht bekommen. Er ist der neue
Helmut Thoma.
Die Berichtssaison in den USA geht weiter: Der
Software-Riese Microsoft berichtet heute nach US-Börsenschluss über den
Verlauf des zweiten Quartals seines laufenden Geschäftsjahres. Experten erwarten
einen um 2,2 Prozent niedrigeren Nettogewinn von knapp 6,5 Milliarden
Dollar, obwohl der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 20,9 Milliarden Dollar
gestiegen sein dürfte. Das ist eine gute Nachricht - zumindest für die
Kundschaft. Die Zeit der Monopolgewinne läuft in Seattle endlich ab.
Ein neues De-facto-Monopolunternehmen allerdings ist weiter
südlich an der Westküste Amerikas entstanden. Der Suchmaschinen- und Werbegigant
Google dürfte bei gleichbleibendem Umsatz den Nettogewinn um 36
Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Dollar gesteigert haben. Diese durch keine
Leistungssteigerung erreichte Gewinnsteigerung ist ein in Zahlen ausgedrückter
Schrei nach Konkurrenz.
Dass Konkurrenz zuweilen auch tödlich endet,
musste jetzt der legendäre US-Fotokonzern Kodak erfahren. Das Unternehmen
aus New York meldete heute Morgen Insolvenz an. Die Firma hat den
Wechsel von der analogen Fotografie zum Digitalbild nicht geschafft.
Nostalgische Gefühle kommen auf, wissend, dass Nostalgie die Sehnsucht nach der
guten alten Zeit ist - in der man nicht mehr leben möchte.
Ich wünsche
Ihnen einen erfolgreichen Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
Gabor Steingart Chefredakteur
P.S. Gestern Abend ehrte das
Handelsblatt verdiente Familienunternehmer, die in die Hall-of-Fame aufgenommen
wurden. Online-Chefredakteur Oliver Stock hat noch vom Ort des Geschehens, dem
Münchener Charles Hotel, einen ersten Bericht verfasst. Nur so
viel: Es war ein bewegender Abend, der das Beste in den Mittelpunkt stellte, was
die deutsche Volkswirtschaft zu bieten hat: die familiengeführten Unternehmen
und ihre weltweit erfolgreichen Mitarbeiter. Neben mir saß der Präsident der
deutsch-amerikanischen Handelskammer, Fred Irwin. Er murmelte mehrfach
"impressive".
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