Roberto Abraham Scaruffi

Thursday, 19 January 2012


DONNERSTAG, 19. JANUAR 2012
Guten Morgen,
es steht nicht gut um Griechenland. Das Land ist ohne auswärtige Hilfe zahlungsunfähig. Ende März, wenn eine 14-Milliarden-Euro-Anleihe zurückbezahlt werden muss, würde das bisher sorgsam Kaschierte für alle Welt sichtbar. In Amerika ist man in Sorge, dass den Europäern trotz aller Bemühungen die Griechenlandrettung genauso misslingt wie dem US-Finanzminister einst die versuchte Rettung von Lehman Brothers.

Deshalb schaltete sich gestern der Internationale Währungsfonds ein. Man sei bereit, neues Geld zur Stabilisierung des europäischen Patienten nachzuschießen, erfuhr unser Korrespondent in Washington. Im Gespräch ist eine Aufstockung der IWF-Reserven um 500 Milliarden Dollar. In einer internen Mail an die Geldgeber des Fonds, die uns vorliegt, spricht IWF-Chefin Christine Lagarde von "der Notwendigkeit und Dringlichkeit gemeinsamen Handelns." Die Stunde der Wahrheit rückt erkennbar näher. Man kann das Ticken der Bombe regelrecht hören. "IWF fordert: Rettet Europa!" haben wir unsere Titelgeschichte überschrieben.

Manroland wird zerschlagen. Der Einzelverkauf der drei Werke soll die Rettung bringen, kostet aber rund 4.000 der 6.500 Jobs des Druckmaschinen-Herstellers. Das ist - gemessen daran, wie weltweit derzeit die marodesten Banken mit Notenbankgeld durchgefüttert werden - eine grobe Ungerechtigkeit. Aber es ist zugleich eine notwendige Normalität. Risiko und Verantwortung müssen in der Marktwirtschaft gekoppelt bleiben - am Ende auch bei den Banken.

Pro Sieben Sat 1 goes Hollywood: Der TV-Konzern sticht seinen Konkurrenten RTL aus und schließt einen Liefervertrag mit Warner Bros., dem größten Hollywood-Studio. Damit sichern sich die Münchener den Zugriff auf zahlreiche Kinofilme wie etwa die Fortsetzung von "Superman", eine Neuverfilmung von "Batman", aber auch die Trilogie "Herr der Ringe" sowie "Harry-Potter"-Teile. Pro Sieben Sat 1-Chef Thomas Ebeling hat den Titel des "Medienmanagers des Jahres", der ihm erst vorgestern von der Zeitschrift "Horizont" verliehen wurde, offenbar zu Recht bekommen. Er ist der neue Helmut Thoma.

Die Berichtssaison in den USA geht weiter: Der Software-Riese Microsoft berichtet heute nach US-Börsenschluss über den Verlauf des zweiten Quartals seines laufenden Geschäftsjahres. Experten erwarten einen um 2,2 Prozent niedrigeren Nettogewinn von knapp 6,5 Milliarden Dollar, obwohl der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 20,9 Milliarden Dollar gestiegen sein dürfte. Das ist eine gute Nachricht - zumindest für die Kundschaft. Die Zeit der Monopolgewinne läuft in Seattle endlich ab.

Ein neues De-facto-Monopolunternehmen allerdings ist weiter südlich an der Westküste Amerikas entstanden. Der Suchmaschinen- und Werbegigant Google dürfte bei gleichbleibendem Umsatz den Nettogewinn um 36 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Dollar gesteigert haben. Diese durch keine Leistungssteigerung erreichte Gewinnsteigerung ist ein in Zahlen ausgedrückter Schrei nach Konkurrenz.

Dass Konkurrenz zuweilen auch tödlich endet, musste jetzt der legendäre US-Fotokonzern Kodak erfahren. Das Unternehmen aus New York meldete heute Morgen Insolvenz an. Die Firma hat den Wechsel von der analogen Fotografie zum Digitalbild nicht geschafft. Nostalgische Gefühle kommen auf, wissend, dass Nostalgie die Sehnsucht nach der guten alten Zeit ist - in der man nicht mehr leben möchte.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

Gabor Steingart
Chefredakteur

P.S. Gestern Abend ehrte das Handelsblatt verdiente Familienunternehmer, die in die Hall-of-Fame aufgenommen wurden. Online-Chefredakteur Oliver Stock hat noch vom Ort des Geschehens, dem Münchener Charles Hotel, einen ersten Bericht verfasst. Nur so viel: Es war ein bewegender Abend, der das Beste in den Mittelpunkt stellte, was die deutsche Volkswirtschaft zu bieten hat: die familiengeführten Unternehmen und ihre weltweit erfolgreichen Mitarbeiter. Neben mir saß der Präsident der deutsch-amerikanischen Handelskammer, Fred Irwin. Er murmelte mehrfach "impressive".
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IWF fordert: Rettet Europa!
Der Internationale Währungsfonds übernimmt eine stärkere Rolle bei der Bewältigung der Euro-Krise. IWF-Chefin Christine Lagarde will die Mitgliedsländer überzeugen, dem Fonds mehr Mittel zu geben. Im Gespräch sind 500 Milliarden Dollar.

Brüssel kommt Commerzbank entgegen
Die Wettbewerbskommission will die Integration der Eurohypo gegen Auflagen genehmigen. Die dürften allerdings nicht allzu scharf ausfallen. Die Wettbewerbshüter würden von der Commerzbank nicht verlangen, eine der zwei Ertragsperlen - die Direktbank-Tochter Comdirect und die polnische BRE Bank - zu verkaufen.

Manroland wird zerschlagen
Der Einzelverkauf der drei Werke soll die Rettung bringen, kostet aber rund 4.000 der 6.500 Jobs des Druckmaschinen-Herstellers. Allein in Deutschland gehen nach Angaben des Insolvenzverwalters rund 2.200 von 4.700 Arbeitsplätzen verloren.

Sarkozy schminkt Frankreich ab
Der Präsident verlangt von seinen Landsleuten große Anstrengungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Der größte Laden der Welt
Hunderte Onlineshops buhlen um die Gunst der Käufer, doch welche sind die besten - und vor allem warum? Antworten liefert das Kölner Institut für Handelsforschung (IfH).

Pro Sieben Sat 1 goes Hollywood
Der TV-Konzern sticht seinen Konkurrenten RTL aus und schließt einen Liefervertrag mit Warner Bros., dem größten Hollywood-Studio. Damit sichern sich die Münchener den Zugriff auf zahlreiche Kinofilme.

Investmentbanken in der Krise
Goldman Sachs kann die Aktionäre nur mit Kürzungen der Boni für die Partner zufriedenstellen.

US-Firmen sammeln Aktien ein
Damit die Kurse steigen, kaufen die Konzerne immer mehr Aktien zurück - und geben weniger neue aus.

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Kodak stellt Insolvenzantrag
Nun ist es amtlich: Kodak ist pleite. Der traditionsreiche Fotokonzern hat Insolvenz angemeldet. Die analoge Fotografie hat Kodak noch entscheidend geprägt, verlor im digitalen Zeitalter dann aber den Anschluss.
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Europa rutscht in die Rezession
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Was die Euro-Retter verschweigen
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Dax strebt weiter nach oben
Schuldenkrise und sinkende Ratings können den Börsen zurzeit nichts anhaben. Die Anleger schauen lieber auf positive Nachrichten aus den USA und kaufen Aktien. Den Dax treibt das auf den höchsten Stand seit dem Sommer.
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Gutes Jahr für Aurubis
Europas größte Kupferhütte, die über das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten ihren Vorsteuergewinn um 80 Prozent auf 290 Millionen Euro gesteigert. Für das Vorjahr hatte Aurubis auf vergleichbarer Basis einen Vorsteuergewinn von 159 Millionen Euro ausgewiesen. Der Konzern hat seine Bilanzierungsmethode geändert und bewertet seine Kupferbestände nun nach der Durchschnittswertmethode. Nach dem bisherigen Verfahren hatte Aurubis 2009/2010 vor Steuern 258 Millionen Euro verdient.

CDU und SPD entscheiden über Koalitionsverhandlungen an der Saar
CDU und SPD wollen heute über die Fortsetzung ihrer Gespräche über eine schwarz-rote Koalition an der Saar entscheiden. Dazu treffen sich Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und SPD-Landeschef Heiko Maas am Nachmittag zu einem Vier-Augen-Gespräch.

Merkel trifft drei EU-Regierungschefs
Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft mit den Regierungschefs von Portugal, Schweden und Österreich zu einem informellen Gedankenaustausch zusammen. Im Mittelpunkt der Unterredungen im Gästehaus der Bundesregierung, Schloss Meseberg bei Berlin, sollen nach Angaben der Bundesregierung Fragen zur Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion stehen. Auch die Verhandlungen über den notwendigen freiwilligen Schuldenschnitt zugunsten Griechenlands dürften angesprochen werden.

Grüne Woche wird eröffnet
Die 77. Internationale Grüne Woche wird am Abend in Berlin eröffnet. An der weltgrößten Schau der Agrar- und Ernährungswirtschaft beteiligen sich mehr als 1.600 Aussteller. Die Messe Berlin erwartet vom 20. bis 29. Januar mehr als 400.000 Besucher.

Röttgen berät über Kürzung von Solarförderung
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) berät mit der Solarbranche über weitere Förderkürzungen. Röttgen hatte im Vorfeld betont, man brauche eine deutliche Reduzierung des Zubaus.
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EU-Parlament stimmt über Elektroschrott-Standards ab
Das EU-Parlament stimmt heute über neue Standards für die Sammlung und Verwertung von Elektroschrott ab. Wenn Kühlschränke oder Mobiltelefone ausgemustert werden, sollen teure Rohstoffe wie Gold, Kupfer oder Silber wiederverwendet werden. In Zukunft soll der Handel verpflichtet werden, kleine Altgeräte zurückzunehmen.

Carrefour schwächelt
Der französische Einzelhändler will über die Umsatzentwicklung zum Jahresende berichten. Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen im zweiten Halbjahr mit 42,6 Milliarden Euro sieben Prozent weniger erlöst hat als ein Jahr zuvor. Allerdings rechnen sie damit, dass Carrefour den Nettogewinn auf 895 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat.
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Ebay macht mehr Schotter mit Paypal
Paypal zahlt sich für Ebay aus: Das Internet-Handelsunternehmen hat für das vierte Quartal glänzende Zahlen vorgelegt. Gewinn und Umsatz sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kräftig gestiegen.
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S&P-Chef verteidigt Ratings
S&P war die erste der großen Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit der USA herabstufte. Kurz darauf wurde Doug Peterson Chef des Unternehmens. In seinem ersten Interview wehrt er sich gegen Kritik.
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Obama-Regierung sägt Pipeline aus Kanada ab
Darf eine kanadische Ölfirma eine Pipeline von Alberta nach Texas verlegen? Bei der Entscheidung über das Milliardenprojekt haben die Republikaner der US-Regierung Dampf gemacht. Jetzt passt ihnen das Ergebnis nicht.
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"Falscher Rockefeller" vor Gericht in den USA
Der Deutsche Christian Karl Gerhartsreiter steht in Los Angeles wegen Mordes vor Gericht. Der 50-Jährige soll vor 26 Jahren ein Ehepaar getötet haben. Bekannt wurde Gerhartsreiter als "falscher Rockefeller".
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Wall Street legt bis zum Schluss kräftig zu
Die US-Anleger hofften offenbar, dass der Internationale Währungsfonds die zusätzlichen Milliarden im Kampf gegen die Euro-Krise einsammeln kann. Außerdem trieben die Zahlen von Goldman Sachs die Wall Street an.
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Microsoft verdient weniger
Der Software-Riese berichtet nach US-Börsenschluss über den Verlauf des zweiten Quartals seines laufenden Geschäftsjahres. Experten erwarten einen 2,2 Prozent niedrigeren Nettogewinn von knapp 6,5 Milliarden Dollar, obwohl der Umsatz um knapp fünf Prozent auf 20,9 Milliarden Dollar gestiegen sein dürfte.

American Express hält sich wacker
Der US-Finanzkonzern, der ebenfalls nach Börsenschluss Zahlen für das vierte Quartal vorlegt, hat nach Einschätzung von Analysten Umsatz und Nettogewinn um acht Prozent gesteigert. Bei Erlösen von 7,9 Milliarden Dollar dürfte Amex 1,15 Milliarden Dollar verdient haben.

Harte Zeiten für Morgan Stanley
Nachdem Goldman Sachs gestern etwas besser als erwartete Zahlen vorgelegt hat, ist heute Morgan Stanley an der Reihe. Das Institut, so sehen es Beobachter, dürfte unter dem Strich einen Verlust von gut einer Milliarde Dollar ausweisen. Die Erlöse sehen sie mit 5,5 Milliarden Dollar rund 30 Prozent niedriger.

Das Geschäft läuft im Internet
Der Suchmaschinen- und Werbegigant Google legt Zahlen für das vierte Quartal vor. Während die Erlöse des Konzerns nach Einschätzung von Analysten mit gut 8,4 Milliarden Dollar praktisch unverändert zum Vorjahreszeitraum geblieben sind, dürfte der Nettogewinn um 36 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Dollar zugelegt haben.

Wenig Wachstum bei Big Blue
Der IT-Riese, der über den Verlauf des Schlussquartals 2011 berichtet, hat nach Expertenschätzung mit 29,7 Milliarden Dollar lediglich 2,4 Prozent mehr erlöst als ein Jahr zuvor. Auch beim Nettogewinn hält sich das Plus von 4,6 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar in Grenzen.
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IWF katapultiert Nikkei auf Fünf-Wochen-Hoch
Die japanischen Anleger freuen sich über die Ankündigung des IWF, seine Finanzmittel aufzustocken zu wollen. An den Börsen in Tokio ging es deshalb besonders für Aktien exportorientierter Unternehmen steil bergauf.
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FÜR SIE GELESEN - HANDELSBLATT PRESSESCHAU
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Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Protest von Internetunternehmen gegen den "Stop Online Piracy Act".

Die Onlineindustrie habe mit ihrem Blackout-Protest einen taktischen Erfolg erzielt, schreibt die Financial Times und verweist auf die Entscheidung des Weißen Hauses, sich gegen Teile des geplanten Anti-Piraterie-Gesetzes zu stellen. Auf lange Sicht allerdings schade sich Silicon Valley mit seiner Panikmache vor jedem Versuch gegen Onlinepiraterie vorzugehen, selbst und untergrabe die eigene Glaubwürdigkeit.

Die britische Zeitung Guardian nennt die Aktion, während der etwa die Website der englischsprachigen Wikipedia 24 Stunden nicht zu erreichen gewesen sei, den größten Protest in der Geschichte des Internets. Der Widerstand gegen die beiden Gesetzesinitiativen, kurz Sopa und Pipa genannt, habe die Macht des freien Internets demonstriert.

Das Wall Street Journal dagegen sieht die Situation als Teil eines verdeckten Lobby-Krieges, der nun ans Tageslicht gekommen sei. Online-Piraterie sei längst ein Milliardengeschäft geworden. Auch wenn Internet-Unternehmen angeblich dagegen vorgehen wollten, bezeichneten sie trotzdem jeden nennenswerten Vorstoß in dieser Richtung als "Zensur im Internet".
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