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Guten Morgen,
noch keine drei Wochen im Amt, zieht
Metro-Chef Olaf Koch einen Schlussstrich unter die Ära seines Vorgängers
Eckhard Cordes: Gestern stoppte er dessen wichtigstes Projekt, den
Verkauf der Konzerntochter Kaufhof. Die Zweifel an den möglichen
Investoren waren wohl auch im Aufsichtsrat zu groß. Neue Besen kehren gut, heißt
es immer. Richtiger wäre es in diesem Fall zu sagen: Der neue Besen kehrt
anders. Ob Kochs Entscheidung, Kaufhof in seiner alten, lethargischen
Position zu belassen, klug war, wird man erst später beurteilen können. Unsere
Titelgeschichte "Der Rückzieher" analysiert die Gründe für die
Entscheidung.
Großmann bleibt Großmann: Zum Auftakt der
Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft in Berlin hat der scheidende
RWE-Vorstandschef seine Anhänger nicht enttäuscht - und die Energiewende der
Kanzlerin scharf kritisiert. Die Politik habe keinen schlüssigen Gesamtplan,
sondern nur eine Vision. Er erlebe die Energiewende als "Rückfall in
national geprägtes Handeln, ohne Rücksicht auf Nachbarn, Partner, Märkte und
ohne Rücksicht auf Verluste". Für seine Freunde ist er ein Mann mit Mut.
Für seine Gegner ein spätpubertierender Poltergeist.
Kann ein
Lexikon streiken? Es kann. Aus Protest gegen ein Antipiratengesetz in
den USA haben tausende Webseiten für heute einen stundenlangen Internetstreik
angekündigt - darunter bekannte Seiten wie das Onlinelexikon
Wikipedia.
Was haben Kriegsgefahr und Konjunkturzyklus
miteinander zu tun? Im Amerika des Vorwahlkampfs eine ganze Menge. Heute
werden in Washington die Daten für die Industrieproduktion im Dezember
veröffentlicht. Experten gehen davon aus, dass die Branche 0,5 Prozent mehr
produziert hat als im November. Zudem melden Ebay und Intel wohl
überraschend gute Quartalszahlen.
Im hitziger werdenden Wahlkampf
bedeutet das: Vorteil für Obama. Und es bedeutet auch: Konkurrent Mitt Romney
wechselt das Spielfeld, bezichtigt den Präsidenten seit Tagen einer zu
großen Nachgiebigkeit im Umgang mit Iran. "Wenn Obama Präsident bleibt,
hat der Iran in Kürze seine erste Atombombe", sagte er jetzt. Im Weißen Haus
werden, derart bedrängt, erste Planspiele für eine härtere Gangart im
Konflikt mit dem Mullah-Regime durchgespielt, berichtete gestern die
"International Herald Tribune".
Unser Griechenland-Korrespondent Gerd
Höhler ist ein Freund seines Gastlandes. Aber ein unbestechlicher
Fehlergucker ist er auch: In unserer heutigen Ausgabe berichtet er von einem
Land, das die Renten kürzt, die Staatsbediensteten entlässt, den
Schulen die Schulbücher streicht und in dessen Kliniken die Mullbinden
ausgehen. Dennoch will das kurz vor der Staatspleite stehende Griechenland
jetzt 400 ausrangierte US-Panzer übernehmen und modernisieren. Einen
größeren zweistelligen Millionenbetrag soll das kosten. Dabei hat Griechenland
schon heute die größte Panzerdichte gemessen an der Bevölkerung. Und schon heute
fehlt für 350 moderne Leopard-Panzer made in Germany die nötige Munition. Höhler
sagt: "Es fällt zunehmend schwer, die Politik dieses Landes zu verstehen."
Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in den Tag. Es grüßt Sie
herzlichst Ihr
Gabor Steingart Chefredakteur
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