Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 14 February 2012


Dienstag, 14. Februar 2012
Guten Morgen,
im Februar des Jahres 2002 hatte sich der damalige Vorstandschefs der Deutschen Bank, Rolf Breuer, in einem Interview mit dem TV-Sender Bloomberg dazu hinreißen lassen, über die Kreditwürdigkeit des Filmhändlers Leo Kirch zu sprechen. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Finanzsektor bereit sei, Kirch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen, sagte er damals. Kirch ging pleite. Breuers Prophezeiung hatte sich erfüllt. Der gedrechselte Breuer-Satz kostet die Bank nun 800 Millionen Euro. Außergerichtlich einigten sich die Kirch-Erben und die Bank nun auf diese Rekordsumme. Zehn Jahre ließ Breuer-Nachfolger Josef Ackermann den Streit eskalieren. Nun, in der Abendsonne seiner Amtszeit, drehte er bei. Getreu dem Satz von Berthold Brecht: "Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war."

Der freiwillige Schuldenverzicht der privaten Banken wird nach Informationen, die wir gestern aus Notenbankkreisen erhielten, nun doch nicht freiwillig. Man erwartet, dass sich nicht genügend Besitzer griechischer Staatsanleihen der Vereinbarung über einen Forderungsverzicht anschließen. Deshalb bereitet die griechische Regierung - mit Billigung von Bundesregierung, EZB und IWF - eine nachträgliche Änderung der Anleihebedingungen vor. Damit würden dann auch Privatinvestoren und Hedge-Fonds zum Verzicht gezwungen. Das hilft Griechenland. Aber dem Vertrauen in die Rettungspolitiker hilft es nicht.

Mit der Schuldenbremse wird alles besser. Sagt Angela Merkel. Und alle hoffen, dass sie Recht hat. Wir haben eigene Berechnungen angestellt, wie sich der Fiskalpakt samt Schuldenbremse auf die 25 EU-Staaten und ihre Etats auswirken würde. Das Ergebnis ist schockierend, denn es zeigt die Lebensferne dieses Paktes. Ein Großteil der 25 EU-Staaten, die sich zu einer Schuldenbremse verpflichten wollen, können diese nur um den Preis einer Großen Depression einhalten. So müsste etwa Frankreich pro Jahr mehr als das Doppelte des Militäretats einsparen. Italien müsste alle Grundschulen schließen; Deutschland die Bundeswehr abschaffen. Alle EU-Staaten hätten dann 235 Milliarden einzusparen - Jahr für Jahr. Auf zwei Doppelseiten finden Sie die Berechnungen für alle Länder Europas in der heutigen Zeitung.

Falls Sie Hochschulprofessor sind, könnte heute ihr Glückstag sein. Das Bundesverfassungsgericht will nachher ein Urteil zur Besoldung von Hochschullehrern verkünden, das die Gehälter aller Jungprofessoren nach oben katapultieren könnte. Ein Chemieprofessor aus Marburg war mit Unterstützung des Deutschen Hochschulverbandes vor Gericht gezogen. 2005 hatte man ihn mit einem Grundgehalt von zunächst 3.890,03 Euro eingestellt. Dazu kamen Leistungsbezüge in Höhe von 23,72 Euro. Dies hält der Mann für nicht angemessen. Hauptsache, die Richter vergessen nachher nicht, auch einen Blick auf die keineswegs kleinlichen Pensionszusagen zu werfen.

In Frankreich gehen die Uhren anders - zumindest wenn es um die Atompolitik geht. Gestern empfahl ein von der Regierung in Auftrag gegebener Kommissionsbericht, die Laufzeit der Kernkraftwerke auf 60 Jahre zu verlängern. In Deutschland beschäftigten sich Regierung und Energiewirtschaft derweil mit der Frage, wie das Versprechen einer atomfreien Energieerzeugung möglichst schnell und zu bezahlbaren Preisen Wirklichkeit werden kann. Wir bereiten dazu - wenige Wochen vor dem Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima - einen großen Schwerpunkt für unsere Wochenendausgabe vor. Die Titelzeile: "Das Leben nach dem Atomzeitalter". Wenn Sie Fragen dazu an unsere Energieexperten Jürgen Flauger und Klaus Stratmann haben, scheuen Sie sich nicht, diese zu stellen: flauger@handelsblatt.com. Für unsere Leser gilt, was auch für uns Journalisten gilt: Dumme Fragen gibt es nicht, dumm bleibt nur, wer nicht fragt.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie auf das Herzlichste Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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BUNDESTAGSPRÄSIDENT WARNT
Griechenland läuft die Zeit davon
Die Rettung Griechenlands bleibt ein Drahtseilakt. Bundestagspräsident Lammert ist skeptisch, ob noch genug Zeit für eine Zustimmung des Bundestags bleibt. Luxemburgs Finanzminister erhöht indes weiter den Druck. Mehr...
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MAN legt in München seine Jahresbilanz vor
Der Lkw- und Motorenhersteller MAN will zum Global Player aufsteigen mit Werken in Indien, China und Brasilien. Ob der Konzern dabei auf gutem Wege ist, darüber geben heute die Bilanzzahlen Auskunft. Strategisch steht erst einmal die Integration in den Volkswagen-Konzern auf der Agenda. VW hält mittlerweile zwei Drittel der Anteile.

McDonald’s präsentiert Jahreszahlen für Deutschland
McDonald's Deutschland legt seine Jahreszahlen vor, gibt eine Prognose ab und erläutert, was dieses Jahr in den Lokalen der US-Kette so auf den Tisch kommt. Für McDonald's ist Deutschland traditionell einer der wichtigsten Märkte, der zudem seit Jahren stetig zulegt.

Koalition berät über Steuervereinfachungen
Weil die Koalition mit ihren Steuersenkungsplänen am Widerstand des Bundesrates scheitert, sollen es nun Steuervereinfachungen richten. Die Fraktionen von Union und FDP wollen entsprechende Konzepte vorstellen. Das wäre dann der allerkleinste gemeinsame Nenner zwischen den Koalitionspartnern. Immerhin ist aber offensichtlich das Thema vom Tisch, die Steuern für Besserverdienende zu erhöhen, um Spielraum für die Reduzierung der "kalten Progression" zu gewinnen.

Karlsruhe entscheidet über Professorengehälter
Es könnte ein Grundsatzurteil für alle Beamten werden: Das Bundesverfassungsgericht verkündet sein Urteil zur Besoldung von Hochschullehrern. Ein Chemieprofessor aus Marburg war mit Unterstützung des Deutschen Hochschulverbandes vor Gericht gezogen, weil er sein Grundgehalt und die Leistungszulage angesichts seiner Aufgaben für nicht angemessen hält. Seit 2005 werden alle neu eingestellten Professoren nach Besoldungsgruppen bezahlt, die zum Teil deutlich unter den alten Sätzen liegen.
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BIOTECH-FIRMA
Actelion will trotz Verlust Dividende zahlen
Der starke Franken, eine abgeblasene Übernahme, Rückstellungen für einen Lizenzstreit - außergewöhnliche Belastungen haben Europas größtem Biotech-Unternehmen einen Fehlbetrag im dreistelligen Millionenbereich beschert. Mehr...
TERMINE DES TAGES
EDF präsentiert Jahresbilanz
In Paris legt der französischer Energiekonzern Eléctricité de France (EDF) seine Bilanz für 2011 vor. Erst gestern hatten die Aktien des Stromversorgers kräftig zugelegt. Der Grund: EDF profitierte von einem von der Regierung in Auftrag gegebenen Bericht, der empfahl, die Laufzeit der Kernkraftwerke auf 60 Jahre zu verlängern. Alle 58 Atomreaktoren im Nachbarland werden von EDF betrieben.
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BRASILIEN
Westerwelle zu Besuch im "Kraftzentrum Südamerikas"
Außenminister Guido Westerwelle ist zum zweiten Mal in seiner Amtszeit in Brasilien. Er will Türöffner für die deutsche Wirtschaft sein, muss aber auch die Schuldenkrise in Europa erklären. Mehr...
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Ohne Waffenstillstand keine Blauhelme für Syrien
Eine Uno-Friedensmission für das vom Bürgerkrieg erschütterte Syrien - dieser Vorschlag der Arabischen Liga ist weltweit auf Skepsis gestoßen. Vor allem in Deutschland überwiegt die Ablehnung. Mehr...
TERMINE DES TAGES
Wie widerstandsfähig sind die amerikanischen Konsumenten?
In den USA erwarten Volkswirte mit Spannung die Einzelhandelsumsätze für Januar und damit Aufschluss über die weitere Wachtumsentwicklung. In ihren Prognosen rechnen die Experten mit einem Plus von 0,9 Prozent nach zuvor plus 0,1 Prozent. Da der private Konsum in den USA für rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung verantwortlich ist, sind die Einzelhandelsumsätze eine wichtiger Wachstumsindikator.

Chinas Vizepräsident bereist die USA
Heute trifft der chinesische Vizepräsident Xi Jinping in den USA ein. Xi soll bis Anfang 2013 Präsident Chinas und Nachfolger von Hu Jintao werden. Er trifft sich mit Präsident Barack Obama, Vizepräsident Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panetta. Der Besuch findet vor einem spannungsreichen Hintergrund statt: In China wird das Investitionsumfeld in den USA als unfreundlich angesehen, weil es durch die anhaltenden Debatten über Wechselkurs, Copyright-Verletzungen und Handelsbilanzschieflage geprägt ist.
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WORTE DES TAGES

"Die EU steht an der Seite des griechischen Volkes."
Olli Rehn,
EU-Währungskommissar

"Wir bewundern das Reformtempo der Regierung Monti, wir bewundern die Entschlossenheit des Parlaments."
Christian Wulff,
Bundespräsident, über die Politik in Italien
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