 |
 |
Freitag, 10. Februar
2012
Guten Morgen,
nach einem Rekordgewinn von sechs
Milliarden Euro zeigte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche gestern
selbstbewusst: Bis 2020 soll Mercedes - derzeit auf Platz drei der
Premiumhersteller - wieder die Nummer eins werden. Um dieses ehrgeizige Ziel zu
erreichen, reicht Sparsamkeit allein nicht aus. Mercedes plant eine
Modelloffensive wie es sie bisher noch nie gegeben hat. Unser
Schwerpunktthema trägt die Überschrift "Die Kampfansage".
Wie
geht es heute dem Euro? Die Antwort kann nach dem gestrigen Durchbruch bei
den Gesprächen zur Sparrunde in Athen nur lauten: besser. Nun warten alle
auf eine Einigung zum Schuldenschnitt. Doch auch diese Gespräche, so
berichten uns Bankenkreise, werden in Kürze zu einem positiven Abschluss
kommen. Der Euro wäre damit vorerst gerettet. Griechenland allerdings
ist es nicht. Weniger Schulden sind eine notwendige, aber keine hinreichende
Bedingung für eine Gesundung des Landes.
Der Bundesrat berät
heute in Berlin über die Steuersenkungspläne der schwarz-gelben
Regierungskoalition. Erwartet wird, dass die Länderkammer das Vorhaben mit
den Stimmen von SPD und Grünen blockiert. Union und FDP möchten den
Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer in zwei Stufen erhöhen und damit eine
Steuerentlastung von sechs Milliarden Euro erreichen. Um das Gesetz
jedoch wie geplant zum 1. Januar 2013 in Kraft treten zu lassen, benötigt die
Koalition die Zustimmung des Bundesrates. Es ist nicht auszuschließen, dass die
Steuersenkung für viele durch eine Steuererhöhung für wenige
erkauft wird. Die SPD drängt in diese Richtung. Und die CDU ist williger als
uns recht sein kann.
Die US-Konjunktur läuft gut - oder zumindest
besser als von vielen gedacht. Ihre Zuwächse verdankt sie allerdings nicht einer
gestiegenen Produktivität der Firmen oder nennenswerten Exporterfolgen. Der
Hauptwachstumstreiber ist schon wieder der private Konsum. Die Verschuldung
der Haushalte hat erneut das Vor-Lehman-Niveau erreicht. Das Motto von
Benjamin Franklin - "A penny saved is a penny earned" - ist so tot wie
der Mann selbst. Das ist für die Solidität der gemeldeten Wachstumszahlen kein
gutes Omen.
In unserer heutigen Wochenendausgabe beschreibt
Francis Fukuyama, Ex-Strategieberater im US-Außenministerium und heute
Professor an der Stanford-Universität, die Gründe für den Aufstieg und Fall
der Staaten. Er sagt: "Die griechische Krankheit ist lediglich ein extremer
Auswuchs eines Problems, mit dem sich alle modernen Demokratien konfrontiert
sehen." Wer die Zeit, in der wir leben, besser verstehen will, sollte ihm
zuhören. Fukuyama ist einer der klügsten Köpfe Amerikas.
Sie können das
Wochenende nutzen, um spazieren zu gehen, um zu lesen, oder um Strategien für
die private Geldanlage zu überdenken. Für alle, die Letzteres vorhaben, hat
unser Geldanlageteam Wissenswertes zum kleinen Börsenwunder des Jahres 2012
zusammengetragen. Denn trotz Krisenstimmung haben sich seit Jahresanfang
erstaunliche Dinge an den Finanzmärkten zugetragen: Commerzbank-Aktien
plus 67 Prozent, Daimler plus 37 Prozent, BMW plus 36 Prozent,
Thyssen-Krupp plus 31 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Das Glück ist
mit den Furchtlosen.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Bis zum Montag, herzlichst Ihr
 |
 |
Gabor Steingart Chefredakteur
|
 |
 |