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Montag, 13. Februar
2012
Guten Morgen,
Durchbruch in Athen: Begleitet von
gewaltsamen Ausschreitungen hat das griechische Parlament am frühen Morgen den
von den Helferstaaten geforderten Sparmaßnahmen zugestimmt. Der
parteilose Regierungschef Lucas Papademos kündigte außerdem ein neues
Steuersystem an. "Der ganze Staat soll neu gegründet werden", rief er aus.
Die parlamentarische Mehrheit für einen Bruch mit der Vergangenheit steht
damit. Griechenland scheint verstanden zu haben, dass es sich am Ende nur selbst
retten kann.
Die Konjunktur lahmt, die Schuldenkrise ist noch nicht
ausgestanden und in China kühlt sich das Wachstum spürbar ab. All das konnte
nicht verhindern, dass IG Metall, Verdi und die
Chemiearbeitergewerkschaft IG BCE Lohnerhöhungen von mehr als sechs
Prozent fordern. Gestern mischte sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen
via "Bild am Sonntag" in die Debatte ein und forderte ebenfalls "deutlich
höhere Löhne". Das macht die Lage für die Betriebe nicht leichter. Aber Frau von
der Leyen glaubt, das mache zumindest sie beliebter. Martin Kannegiesser
reagierte verschnupft: "Niemand muss uns belehren, was wir unseren
Mitarbeitern schulden", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall
unserer Zeitung. Die Titelgeschichte geht der Frage nach: "Was ist ein
gerechter Lohn?"
Der Dax boomt, aber die Topmanager
verkaufen. Schon im Januar waren sie zurückhaltend - jetzt stoßen sie
systematisch Papiere ab: Allein bei Siemens trennten sich in den
vergangenen Tagen sieben der zehn Vorstände von einem Teil ihrer Aktien. Auch in
den Chefetagen von Beiersdorf und der Deutschen Bank stehen die
Zeichen auf Verkauf, wie das aktuelle Insider-Barometer des Handelsblatts zeigt.
Entscheiden muss jeder selbst, aber die Analyse unseres Geldanlageteams sollte
jeden Kaufwilligen nachdenklich stimmen.
Die Bedrohung aus Iran
fördert das Wettrüsten am Golf. Nach Saudi-Arabien denken nun auch
die Vereinigten Arabischen Emirate über den Kauf deutscher Panzer
nach. Nach Handelsblatt-Informationen sind Rheinmetall und
Krauss-Maffei-Wegmann aufgefordert worden, bis Ende März ein Angebot für
die Lieferung von 600 Radpanzern abzugeben. Beide Unternehmen lehnten gestern
eine Stellungnahme ab. Wir berichten dennoch.
"Zockermentalität" ist
nicht für alle ein Schimpfwort. Viele junge Deutsche wollen so sein, wie die
Master of the Universe an der Wall Street oder im Londoner
Finanzdistrikt. Was treibt sie an, die sogenannten Daytrader? Was steckt
hinter dem Angebot von Ausbildungsfirmen, die Anfängern ein Spielgeld
von 100.000 Euro für einen Tag anbieten? Unsere Reporterin Claudia
Schumacher hat einen Selbstversuch unternommen. Ich hoffe, dass sie nicht
dem Lockruf des schnellen Geldes verfallen ist und heute brav an ihren
Schreibtisch in der Redaktion zurückkehrt.
Bundeskanzlerin Angela
Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble treffen in Berlin die
Expertenkommission "Neue Finanzmarktarchitektur". Die Expertentruppe unter
Leitung des früheren Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank, Otmar
Issing, wird gegen 15.30 Uhr mit Merkel und Schäuble im Kanzleramt vor die
Presse treten. Issing sollte vor der Kamera das sagen, was er hinter
verschlossener Tür schon so oft gesagt hat: Dass er nichts hält von
massenhaften Staatsanleiheaufkäufen durch die EZB. Dass diese Politik der
wundersamen Geldvermehrung die Probleme nur verschärft, die sie zu lösen
vorgibt. Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hat einmal gesagt: "Die Wahrheit
ist den Menschen zumutbar." Auch Kanzlerin und Finanzminister sind Menschen.
Issing sollte sie nicht ohne Not schonen.
Ich wünsche Ihnen einen
heiteren Start in die neue Woche. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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Gabor Steingart Chefredakteur
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