Roberto Abraham Scaruffi

Monday, 13 February 2012


Montag, 13. Februar 2012
Guten Morgen,
Durchbruch in Athen: Begleitet von gewaltsamen Ausschreitungen hat das griechische Parlament am frühen Morgen den von den Helferstaaten geforderten Sparmaßnahmen zugestimmt. Der parteilose Regierungschef Lucas Papademos kündigte außerdem ein neues Steuersystem an. "Der ganze Staat soll neu gegründet werden", rief er aus. Die parlamentarische Mehrheit für einen Bruch mit der Vergangenheit steht damit. Griechenland scheint verstanden zu haben, dass es sich am Ende nur selbst retten kann.

Die Konjunktur lahmt, die Schuldenkrise ist noch nicht ausgestanden und in China kühlt sich das Wachstum spürbar ab. All das konnte nicht verhindern, dass IG Metall, Verdi und die Chemiearbeitergewerkschaft IG BCE Lohnerhöhungen von mehr als sechs Prozent fordern. Gestern mischte sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen via "Bild am Sonntag" in die Debatte ein und forderte ebenfalls "deutlich höhere Löhne". Das macht die Lage für die Betriebe nicht leichter. Aber Frau von der Leyen glaubt, das mache zumindest sie beliebter. Martin Kannegiesser reagierte verschnupft: "Niemand muss uns belehren, was wir unseren Mitarbeitern schulden", sagte der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall unserer Zeitung. Die Titelgeschichte geht der Frage nach: "Was ist ein gerechter Lohn?"

Der Dax boomt, aber die Topmanager verkaufen. Schon im Januar waren sie zurückhaltend - jetzt stoßen sie systematisch Papiere ab: Allein bei Siemens trennten sich in den vergangenen Tagen sieben der zehn Vorstände von einem Teil ihrer Aktien. Auch in den Chefetagen von Beiersdorf und der Deutschen Bank stehen die Zeichen auf Verkauf, wie das aktuelle Insider-Barometer des Handelsblatts zeigt. Entscheiden muss jeder selbst, aber die Analyse unseres Geldanlageteams sollte jeden Kaufwilligen nachdenklich stimmen.

Die Bedrohung aus Iran fördert das Wettrüsten am Golf. Nach Saudi-Arabien denken nun auch die Vereinigten Arabischen Emirate über den Kauf deutscher Panzer nach. Nach Handelsblatt-Informationen sind Rheinmetall und Krauss-Maffei-Wegmann aufgefordert worden, bis Ende März ein Angebot für die Lieferung von 600 Radpanzern abzugeben. Beide Unternehmen lehnten gestern eine Stellungnahme ab. Wir berichten dennoch.

"Zockermentalität" ist nicht für alle ein Schimpfwort. Viele junge Deutsche wollen so sein, wie die Master of the Universe an der Wall Street oder im Londoner Finanzdistrikt. Was treibt sie an, die sogenannten Daytrader? Was steckt hinter dem Angebot von Ausbildungsfirmen, die Anfängern ein Spielgeld von 100.000 Euro für einen Tag anbieten? Unsere Reporterin Claudia Schumacher hat einen Selbstversuch unternommen. Ich hoffe, dass sie nicht dem Lockruf des schnellen Geldes verfallen ist und heute brav an ihren Schreibtisch in der Redaktion zurückkehrt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble treffen in Berlin die Expertenkommission "Neue Finanzmarktarchitektur". Die Expertentruppe unter Leitung des früheren Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, wird gegen 15.30 Uhr mit Merkel und Schäuble im Kanzleramt vor die Presse treten. Issing sollte vor der Kamera das sagen, was er hinter verschlossener Tür schon so oft gesagt hat: Dass er nichts hält von massenhaften Staatsanleiheaufkäufen durch die EZB. Dass diese Politik der wundersamen Geldvermehrung die Probleme nur verschärft, die sie zu lösen vorgibt. Die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hat einmal gesagt: "Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar." Auch Kanzlerin und Finanzminister sind Menschen. Issing sollte sie nicht ohne Not schonen.

Ich wünsche Ihnen einen heiteren Start in die neue Woche. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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SPARGESETZ VERABSCHIEDET
Griechenlands Neuanfang beginnt in Flammen
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TERMINE DES TAGES
Merkel und Schäuble diskutieren über Finanzmärkte
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble treffen in Berlin die Expertenkommission "Neue Finanzmarktarchitektur". Die Kommission unter Leitung des früheren Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, hat zwischen Ende 2008 und Ende 2010 bereits fünf Berichte vorgelegt.

Wulff bricht zu Italienreise auf
Bundespräsident Christian Wulff reist zum ersten Mal seit dem Beginn der Affäre um seine engen Beziehungen zur Wirtschaft ins Ausland. Beim Besuch in Italien wird die Euro-Schuldenkrise im Vordergrund stehen. Er trifft heute sowohl den Staatspräsidenten Giorgio Napolitano als auch den Ministerpräsidenten Mario Monti.

Westerwelle fliegt nach Lateinamerika
Bundesaußenminister Guido Westerwelle beginnt eine mehrtägige Lateinamerikareise mit Gesprächen unter anderem in Brasilien, Peru und Mexiko. Dabei wird es auch um eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen.

Chemie-Gewerkschaft berät über Forderungen
Die IG BCE berät heute und Morgen in Düsseldorf, mit welcher Lohnforderung und welchen sonstigen Forderungen sie in die anstehende Tarifrunde gehen will. Obwohl sie im vergangenen Jahr mit 4,1 Prozent die höchste Tariferhöhung aller Branchen durchsetzte, sieht sie 2012 keinen Grund für Bescheidenheit.

Großhandelspreise für Deutschland werden veröffentlicht
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am morgen die Entwicklung der Großhandelspreise in Deutschland im Januar. Ökonomen werden darauf achten, ob der Preisdruck auch auf dieser Ebene nachlässt.

Die Deutsche Börse zieht Bilanz
Wenn am Nachmittag der Aufsichtsrat der Deutsche Börsen zusammenkommt, wird es vor allem um eine Frage gehen: Wer ist verantwortlich für die gescheiterte Fusion mit dem New Yorker Börsenbetreiber Nyse Euronext? Im Fokus der Diskussionen dürfte Reto Francioni stehen, der Chef des Dax-Konzerns. In den vergangenen Tagen hatten Vertreter der Arbeitnehmerseite den Schweizer heftig kritisiert und ihm die Schuld für das Platzen der Fusionsträume gegeben. Da sind die Zahlen für das vierte Quartal 2011 Nebensache.
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TERMINE DES TAGES
Wie geht es weiter in Europa?
Nach der nächtlichen Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket berät Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend mit den Regierungschefs von Dänemark, den Niederlanden und Estlands die Lage zur Euro-Schuldenkrise.

EU präsentiert Strategie zur Biotechnologie
Die für Forschung, Innovation und Wissenschaft zuständige EU-Kommissarin Máire Geoghegan-Quinn präsentiert EU-Pläne für die Entwicklung der Biotechnologie. Es geht um den Übergang von einer auf fossilen Energien basierenden Wirtschaft hin zu einer nachhaltigen Bio-Ökonomie - mit Forschung und Innovation als Kernbereichen.

Quartalszahlen von L’Oreal
Der führende Kosmetik-Hersteller L’Oreal legt heute seine Quartalszahlen vor. Das französische Unternehmen könnte nach Einschätzung von Analysten seine Dividende um elf Prozent auf zwei Euro je Aktie anheben.
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Bertelsmann-Chef, will beim Ertrag unabhängiger vom Fernsehgeschäft werden

"Es wäre Verschwendung, unsere Reaktoren nach 40 Jahren zu stoppen."
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französischer Industrieminister, zur Kernenergie