Roberto Abraham Scaruffi

Monday, 13 February 2012


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Neubeginn im Athener Chaos
Begleitet von gewaltsamen Ausschreitungen hat das griechische Parlament am frühen Montagmorgen den von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank geforderten weiteren Sparmaßnahmen zugestimmt. Das Gesetz sieht drastische weitere Ausgabenkürzungen vor » (HB » WSJ). "Wir sind nur einen Atemzug von Ground Zero entfernt", hatte Griechenlands Regierungschef Lucas Papademos vor der Abstimmung des Parlaments einen dramatischen Vergleich gewählt » (FTD). Parallel zu den Protesten auf Athens Straßen hat Anonymous laut » Forbes die Webseiten des griechischen Premierministers, der Polizei und es Parlaments gehackt. Auch die CIA und Interpol mussten dran glauben. Die » FTD schlägt vor, einen Gerhard Schröder nach Griechenland (oder Brüssel) zu schicken, statt eine überforderte Abbruch-Troika. Im » Spiegel greift der amerikanische Multimilliardär George Soros das Krisenmanagement der Bundeskanzlerin an: "Ich bewundere Kanzlerin Merkel für ihre Führungsstärke. Aber leider führt sie Europa in die falsche Richtung". In der » Handelszeitung wundert sich Joseph E. Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, über die Haltung der EZB bei der Umstrukturierung der griechischen Staatsschuld. Die » Financial Times warnt die europäischen Politiker davor, sich in der Krise allein auf die Rettung des Euro zu konzentrieren. Die aktuelle Lage habe viele Ähnlichkeiten mit der Situation in den 1930ern, als die Krise des Finanzmarktes nach und nach auch für den durchschnittlichen Bürger Folgen hatte, eifrig nach Sündenböcken gesucht wurde und der Glaube - wie heute - herrschte, die Reichen könnten die Schulden zahlen.
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NEWS
HVB bleibt an Bord
Die italienische Großbank Unicredit hat Gerüchte dementiert, sie wolle sich wegen ihrer Finanzsorgen von der Münchener Tochter Hypo-Vereinsbank trennen. Die Gerüchte seien falsch, sagte Unicredit-Chef Federico Ghizzoni der » Wirtschaftswoche. Wegen der niedrigen Refinanzierungskosten, der guten Kapitalausstattung und des Wachstums in Deutschland sei die HVB für Unicredit "noch wichtiger als bisher". Auch am Namen "HypoVereinsbank" für das Filialgeschäft werde festgehalten, die Pläne für eine Umbenennung seien gestoppt worden.
Goldmänner glanzlos
Nach der Talsohle 2010 hat sich der deutsche M&A-Markt im vergangenen Jahr erholt. Nach Analysen der » Börsen-Zeitung wuchs die Zahl der Transaktionen um 15 Prozent. Doch nicht alle Institute konnten davon profitieren. So büßte der bisherige Primus Goldman Sachs beim Marktanteil fast acht Prozentpunkte (auf 9,5 Prozent) ein und musste so die bisherige Nummer zwei Deutsche Bank passieren lassen.
Nachbeben im Steuerstreit
In der Schweiz bleibt der US-Steuerstreit oben auf der Agenda. Weil Repräsentanten der Schweizer Privatbank Wegelin einen Anhörungstermin versäumt haben, hat die US-Justiz das Unternehmen zum Flüchtling erklärt, meldet das » Handelsblatt. Der Schweizer » Sonntag weiß, dass es bei der vor zwei Wochen durch die Raiffeisen-Bankengruppe übernommenen und in Notenstein umgetauften Privatbank zu erheblichen Geldabflüssen kam. » Finenews wertet den plötzlichen Abschied von Alexandre Zeller als CEO der HSBC Private Bank (Suisse) dahingehend, dass Zeller möglicherweise ein weiteres Opfer des US-Steuerstreits sei (s. auch "Menschen und Meinungen"). In der » NZZ plädiert Martin Senn, Konzernchef der Zurich-Versicherung, für eine schnelle Lösung im Steuerstreit. "Sonst besteht die Gefahr, dass wir plötzlich alle unter Gegenmaßnahmen der USA leiden."
Barclays: "Diamant" ist matt geworden
Die Euro-Schuldenkrise hat das Investmentbanking des britischen Geldhauses Barclays am Jahresende ausgebremst und dem Institut das schwächste Quartal seit drei Jahren eingebrockt, meldet die » FTD. Barclays "Diamant" sei matt geworden, meint das » Wall Street Journal in einem Wortspiel, bezogen auf Bankchef Bob Diamond, der nun einräumen musste, dass Barclays das Renditeziel von 13 Prozent für das eingesetzte Kapital (Return on Equity) nicht bis 2013 schafft. "Die Frage ist nun, ob sein neu gefundener Realismus auch weit genug geht."
Shortcuts aus der Finanzbranche
Die Eigentümer der von der Abwicklung bedrohten Westdeutschen Immobilienbank (Westimmo) prüfen, ob sie die Mainzer auch als Ganzes unter die bestehende Abwicklungsanstalt der Mutter WestLB hängen können. » FTD Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Bonität von sage und schreibe 34 italienischen Banken herabgestuft. » Wibla Der börsennotierte Finanzdienstleister MLP sagt der Provisionsberatung Adieu und vergütet die Vermögensberatung künftig mit einem jährlichen Entgelt von 1,2 Prozent des Depotvolumens plus Mehrwertsteuer. » BZ Die staatlich gerettete belgisch-französische Bank Dexia verkauft für 380 Millionen Euro die Kontrollmehrheit über sein Kommunalfinanzierungsgeschäft Dexma. » NZZ Zwischen den Vermögenswerten der Pleite-Firma MF Global und Forderungen von Kunden klafft ein noch größeres Loch als bisher angenommen. » HB In der Londoner City müssen sich Banker darauf einstellen, dass die Boni bis 2013 um ein Viertel gekürzt werden. » FT Die US-Börsenaufsicht SEC will sich mit einer detaillierten Untersuchung dem Private-Equity-Geschäft widmen, es geht um den Verdacht, dass einige Firmen den Wert ihres Portfolios zu hoch ansetzen. » NYT Die EU-Versicherungsaufsicht EIOPA setzt sich dafür ein, die neuen Aufsichts- und Kapitalregeln für Versicherer schnell einzuführen. » FTD Nomura hat von Regulierern grünes Licht erhalten, um die China-Tochter von GE Capital zu übernehmen. » FT Die in Russland führende Investmentbank im Konsortialgeschäft mit Anleihen und Aktien VTB Capital will 2012 rund 200 Banker einstellen. » Bloomberg
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FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Banken im Eigenkapital-Rausch
Die EU-Bankenaufsicht hat die Kapitalbeschaffungspläne der großen Geldhäuser analysiert. Das Kapital werde um insgesamt 115 Milliarden Euro erhöht. Mit dabei: die Commerzbank. Auch einen weiteren Stresstest wird es geben.
» Handelsblatt
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HEUTE IM HANDELSBLATT
Titel: Was ist der gerechte Lohn?
Politik: Weltwirtschaft im Ungleichgewicht
Unternehmen: Araber wollen deutsche Panzer
Finanzen: Die Masse kauft - die Chefs verkaufen
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MENSCHEN UND MEINUNGEN
Diener zweier Herren
Thorsten Strauß, zuletzt Bereichsvorstand Kommunikation der Bertelsmann AG, tritt zum 1. Juni 2012 als neuer Kommunikationschef der Deutschen Bank an. Strauß folgt Stefan Baron, der wie sein Chef Josef Ackermann Ende Mai die Bank verlässt » (FTD » Kress). Als Diener zweier Herren werde es Strauß nicht leicht haben, meint das » Handelsblatt.
Pause im Schmiergeld-Prozess
Gerhard Gribkowsky, Ex-BayernLB-Vorstand, ist gesundheitlich angeschlagen. Weswegen der Schmiergeld-Prozess für gut zwei Wochen unterbrochen wurde. Eine Sprecherin des Landgerichts München sagte, gesundheitliche Probleme hätten zu einer erheblichen seelischen Belastung geführt.
» Handelsblatt » Süddeutsche Zeitung » Spiegel
Sorgenkind demonstriert Stärke
Rodrigo Rato, Präsident des spanischen Kreditgiganten Bankia, musste sich in Madrid bei der Bilanz-PK eindringlichen Fragen über die Stabilität seines Instituts stellen - kein leichter Termin für den Ex-IWF-Chef. Der Ex-Wirtschaftsminister trat energisch Gerüchten entgegen, die nach Bilanzsumme drittgrößte Bank Spaniens werde nur mit weiteren milliardenschweren Kapitalhilfen oder mit Hilfe einer rettenden Übernahme die neuen Auflagen der Regierung für den Finanzsektor erfüllen können, meldet das » Handelsblatt.
Der Rächer von Mallorca
Georg Funke, Ex-Chef der Krisenbank Hypo Real Estate, musste im Nachgang des Beinahe-Zusammenbruchs der HRE viel Medien-Schelte einstecken - "Ziehen Sie aus Ihrer Villa aus und büßen Sie", so Bild-Edelfeder Franz Josef Wagner 2010. Stattdessen hat sich Funke laut » Süddeutscher Zeitung auf Luxusvillen auf Mallorca spezialisiert. Von der Ferieninsel aus ziehe er gegen Peer Steinbrück und andere Spitzenleute aus Politik und Finanzbranche zu Felde, weil er sich ungerecht behandelt fühle.
Weitere Links: » Mallorca Zeitung » A1 Villas Mallorca (Firmenwebseite)
Innerschweizer Wechsel
Franco Morra, Ex-CEO der UBS Schweiz und seit Oktober 2010 bei der HSBC-Gruppe, wird neuer Chef der HSBC Private Bank Suisse. Morra folgt Alexandre Zeller, der die Bank abrupt verlassen hat. Morra übernimmt außerdem die Leitung der Region Europa. » (Handelszeitung) » Finenews meldet ebenfalls aus der Schweiz, dass sich der Ex-US-Senator und bisherige Vice Chairman im Investmentbanking der UBS Phil Gramm peu à peu von seinen "Rainmaker"-Aufgaben trennt.
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Der Oscar für die Hasardeure
Die Allianz-Tochter FFIC (Fireman’s Fund Insurance Company) gilt als unbestrittene Nummer eins im US-amerikanischen Versicherungsmarkt der Unterhaltungsbranche. Als Filmversicherer, der bei drei von vier Produktionen involviert ist, weiß das Unternehmen, welche Produktionen besonders riskant sind - beispielsweise weil der Hauptdarsteller alle Stunts selbst macht. In diesem Jahr hat die FFIC die Buchverfilmung "The Girl With the Dragon Tattoo" (Foto, nach Stieg Larsson) zum riskantesten Film des Jahres gekürt. Verfolgungsjagden auf dem Motorrad, Explosionen, Skateboard-Stunts und monatelanges Filmen in Schweden haben laut » Wall Street Journal den Ausschlag für die "Auszeichnung" gegeben. Verletzt sich einer der Stars, rechnet der Versicherer vor, könnten die Einbußen pro Tag bei 250.000 Dollar liegen.