Roberto Abraham Scaruffi

Wednesday, 16 February 2011



  Jüdische.Info Wöchentliches Magazin
Adar I 12, 5771 · February 16, 2011
Ki Tisa - Fehler sind menschlich

Sehr geehrte Leserschaft, Einem Juden, der jede Bindung an Tora und Mizwot aufgegeben hat, weil er als ein "voll akzeptiertes Mitglied" in der Gesellschaft aufgehen möchte, kann manchmal die Frage vorgelegt werden, ob er das jüdische Volk als sein Volk betrachtet. Gewöhnlich lautet die Antwort darauf: "Ja". Dann mag er sogar den Fragesteller in sein Geschäftsbüro führen, und auf ein Bild zeigen, das oben an der Wand hängt; Es ist das Porträt eines alten Mannnes mit langem weißen, Bart und weisen, ernsten Augen; und daneben hängt dann vielfach noch ein weiteres Bild, und zwar von einer Frau von gütigem und edlem Aussehen, einer Frau, deren Haar vollständig mit einem Tuche bedeckt ist.
"Sehen Sie", wird der Betreffende dann sagen, "das sind meine Großeltern." Und vielleicht fährt er dann noch fort, mit stolzer Stimme: "Glauben Sie bitte nicht, dass mein Großvater ein gewöhnlicher Mensch war. Oh nein, mein Herr! Er war ein großer Tora-Gelehrter, der ein sehr intensives jüdisches Leben führte und alle Gebote mit Wärme und Hingabe ausübte. Mein alter Vater ist ebenfalls ein guter, frommer Jude; und ich kümmere mich, darum, dass ihm in seinem Alter nichts fehlt. Ich habe ihn im besten Altersheim untergebracht, und ich besuche ihn von Zeit zu Zeit. Also, bitte fragen Sie mich nicht, ob die Juden mein Volk sind. Natürlich sind sie dies; und ich bin sehr stolz auf mein jüdisches Erbe."
Nur mit Trauer kann man solche (oder ähnliche) Bemerkungen aufnehmen. Wenn wir so etwas hören, dann lässt uns oft ein bestimmter Gedanke nicht los: "Dieser Mann hat in einer gewissen Weise seinem Großvater das angetan, was Haman – in der Purimgeschichte – dem Mordechai zugedacht hatte; er hat ihn 'fünfzig Ellen hoch aufgehängt'". Da also hängt das Porträt, oben hoch an der Wand, weit entfernt und abgesondert von seinem eigenen Lebensstil in der heutigen Welt.
Schabbat Schalom

Der Themenschwerpunkt der Woche Druckbares Magazin
Wochenabschnitt
Unser Potenzial richtig nutzen
Warum ist Wahrheit ein Attribut der Gnade? Mitgefühl und Güte passen dazu – aber Wahrheit? Die Wahrheit ist ein strenger und gerechter Richter, der nicht bereit ist, Missetaten zu übersehen.

von Shlomo Yaffe
Es gibt eine zweite, dritte Chance
Es ist zu spät. Ich bin zu weit gegangen. Es wird nie mehr sein, wie es war. Wie oft haben wir solche Worte gehört oder, schlimmer noch, selbst gesprochen?

von Yossy Goldman
Leitgedanke der Woche
Ex. 32:15
Unser Leitgedanke zu Ki Tisa

Mizwa Minute
Falsches korrigieren!
Wir können nicht sagen, wie es sich anfühlt, zu bereuen oder zu bedauern. Das ist etwas, was in uns geschieht. Aber wir können ein paar Tipps geben ...

Essay der Woche
Erst reinigen, dann Eintreten
Die jüdische Vorstellung von „Hölle“ ist ganz anders als das was man sich im allgemeinen als totes Ende vorstellt – eine ewig schmerzvolle Konsequenz aus einem spirituell bankrotten Leben.

von DovBer Pinson
Geschichte der Woche
G-ttes Fügungen
Einmal saß ich mit dem Baal Schem Tow zusammen, als zwei Fremde eintraten. Der würdevollere der beiden ging zum Bescht und sagte: „Wir brauchen den Rat eines Zadik. ...“

Scheidung
Ein Überblick dieser Thematik
Ein Überblick der vielen involvierten Gesetze, die für das Schreiben eines Gets berücksichtigt werden müssen.

von Naftali Silberberg