Roberto Abraham Scaruffi

Thursday, 17 November 2011


Donnerstag, 17. November 2011 vorherige Ausgabe » anmelden »
occupy.jpeg
Räumung verhilft Occupisten zu Rückenwind
Nach der Räumung des New Yorker Zuccotti-Parks haben auch die Protestler im Londoner Occupy-Lager den Befehl erhalten, den Platz vor der St. Paul's Kathedrale zu verlassen. Zuvor hatten die Besetzer ein Angebot der Stadt abgelehnt (» HB ). » n-tv.de glaubt, dass sich die Stadt New York mit der Räumung des Parks einen Bärendienst erwiesen habe. Auch Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman schreibt in seinem » Blog , dass Bürgermeister Michael Bloomberg mit seinem "miesen Verhalten" zu erkennen gegeben habe, "wer nicht ehrlich ist und keinen offenen Diskus führen kann". In der » Welt behauptet der Kommunikationsberater und FDP-Mann Hasso Mansfeld, dass sich die Proteste sowohl in den USA als auch in Deutschland in erster Linie aus Ressentiments gegen Markt und Kapital speisten. "Es sind Neidproteste." » Bloomberg fordert von den Protestlern, endlich eine Agenda zur Reform der Gesellschaft aufzustellen. Die » Zeit sieht in der Zersplitterung der Bewegung das zentrale Problem. Hinzu komme, dass der bitterkalte New Yorker Winter vor der Tür stehe, weshalb es schwerer werde, die Massen zu mobilisieren.
FK_111117_.jpg
NEWS
EZB am Scheideweg
Die Europäische Zentralbank gerät in der Schuldenkrise immer stärker in die Rolle der Krisenfeuerwehr. Nach Aussage von Händlern hat sie am Mittwoch erneut Anleihen von Italien und Spanien aufgekauft. Doch auch die Franzosen wollen etwas abhaben (» HB ). Das » Handelsblatt berichtet, dass viele Kleinanleger nach dem Schuldenschnitt für Griechenland auf den ganz großen Gewinn spekulierten, doch die Risiken seien riesig. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz hat in den Alarmmodus geschaltet: Die "Monetarisierung von Staatsschulden" gehöre zu den "Todsünden einer Zentralbank" (» HB ). Allianz-Finanzvorstand Oliver Bäte regt an, die Anleihen hoch verschuldeter Staaten in unterschiedliche Risikoklassen einzuteilen (» Wb ). Laut » SZ will EU-Kommissions-Chef Manuel Barroso am Mittwoch kommender Woche ein Vorschlagspapier mit Optionen für Eurobonds präsentieren - die Deutschland und Frankreich ablehnen. Das » Wall Street Journal rechnet damit, dass die EZB stärker intervenieren werde. Dies ändere aber nichts an der Misere, dass es Ungleichgewichte innerhalb der europäischen Wirtschaften gebe. » Les Echos vermutet, dass die EZB entweder aufgerüstet werde, oder aber man erschaffe den Euro neu, als gemeinsame Währung, die neben den nationalen Währungen stehe und für den bilateralen und internationalen Handel genutzt werde.
Ebenfalls zu diesem Thema: "Umfrage der Woche"
Großbank auf Titanic-Spuren
Die Blicke der Finanzwelt richten sich heute auf New York, wo die UBS im Waldorf Astoria im Herzen Manhattans Investoren einlädt. Im Fokus steht Sergio Pietro Ermotti, der erstmals als neuer UBS-Chef ins Rampenlicht tritt. Die » Handelszeitung findet ein schlechtes Omen: 1912 habe die Untersuchung zum Untergang der "Titanic" in jenem Waldorf Astoria stattgefunden.
Kontinuierlicher Kahlschlag
Die durch die Schuldenkrise stark gebeutelte größte französische Bank BNP Paribas baut laut » Handelszeitung insgesamt knapp 1400 Stellen ab, davon mehr als 1000 im Ausland. Damit befinden sich die Franzosen in schlechter Gesellschaft: Nach einem Bericht der » New York Times plant die Citigroup, rund 3000 Jobs zu streichen, dies sei ein Prozent der weltweiten Belegschaft. Mit dem Stellenabbau reihten sich die Institute in die Schlange der Kahlschlag-Banken Goldman Sachs, Bank of America, UBS, Credit Suisse und Nomura ein. Allein in der Securities-Branche von New York drohe die Zahl der seit 2008 abgebauten Stellen bis 2012 auf 32.000 zu steigen.
Weitere Links: » Financial Times » New York Times » Wall Street Journal
Ad-hoc verschwiegen
Im Rechtsstreit mit der Deutschen Bank haben die Kirch-Anwälte laut » Handelsblatt die Bankenaufsicht Bafin eingeschaltet. Hintergrund: Die Juristen meinen, das Institut hätte eine Börsen-Pflichtmitteilung absetzen müssen, nachdem sie in einem Befangenheitsantrag beim Münchener Oberlandesgericht bemängelt habe, dass sich der Richter bereits gegen die Deutsche Bank festgelegt habe.
Russen stürmen nach vorne
Die Sberbank profitiert von der Schuldenkrise in Europa. Anfang dieser Woche ist die staatliche Bank aus Russland gemessen an der Kapitalisierung zum drittgrößten Kreditinstitut Europas aufgestiegen, mit einem Börsenwert von etwa 60 Milliarden Dollar, berichtet » Vedomosti Damit habe sie Branchengrößten wie UBS und Deutsche Bank hinter sich gelassen, ganz vorne liege die HSBC mit 123,6 Milliarden Dollar Kapitalisierung. Ziel bis 2014: in der Top-10 der Banken weltweit vorstoßen.
Shortcuts aus der Finanzbranche
Die US-Ratingagentur Moody's hat mehrere deutsche Landesbanken herabgestuft, um zwei- und teilweise sogar drei Stufen » HB Steuerfahnder aus Nordrhein-Westfalen verhandeln über den Ankauf einer weiteren CD mit Bankdaten » FTD Der Versicherungskonzern Bâloise warnt vor einem Gewinneinbruch im laufenden Jahr » NZZ Nach der hohen Bankenabgabe sorgt das osteuropäische Land nun mit dem umstrittenen Fremdwährungsgesetz für rote Zahlen bei Deutschlands zweitgrößter Landesbank BayernLB » HB Die Finanzaufsicht Bafin untersucht per Sonderprüfung das Risikomanagement der Hamburger Berenberg Bank » MM Die Ratingagentur Moody's hat nach massiven Verlusten der italienischen Großbank Unicredit eine Prüfung ihrer langfristigen Kreditwürdigkeit angekündigt » HB
Fiat_Lancia_Thema_600x200.jpg
FB_FT.jpg
FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Griechenland verhaftet Steuersünder
Die neue griechische Regierung meint es mit der Bekämpfung der Steuerhinterziehung ernst. Steuerfahnder haben am Dienstag einen der bekanntesten griechischen Industriellen festgenommen. Der 47 Jahre alte Unternehmer schulde dem Staat 2,3 Millionen Euro, berichtete die griechische Presse. Weitere Festnahmen stünden bevor, hieß es aus Kreisen der Steuerfahndung.
» FTD

» Handelsblatt (kostenloses Probeabo)
 Facebook
HEUTE IM HANDELSBLATT
Titel: Das einsame Land
Politik: Gemeinsam auf Rohstoffsuche
Unternehmen: Gefahr für den Standort
Finanzen: Schmerzliche Schrumpfkur
» Handelsblatt vierwöchiges Miniabo » Hier können Sie die aktuelle Ausgabe für 1,59 € direkt downloaden
UMFRAGE DER WOCHE
EZB soll sich um stabile Preise kümmern
Eindeutige Mehrheit: 85 Prozent der FinanceToday-Leser wollen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) sich ausschließlich um stabile Preis kümmert. Nur 15 Prozent sind der Meinung, dass die EZB angesichts der aktuellen Lage Finanzfeuerwehr spielen muss, um den Euro zu retten. An der Umfrage teilgenommen haben mehr als 750 FinanceToday-Leser. Vielen Dank für Ihre Stimme.
» Hier geht es zum Umfrageergebnis
MENSCHEN UND MEINUNGEN
Neues deutsches Machtzentrum
Paul Achleitner, früherer Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs und derzeitiger Finanzvorstand der Allianz-Versicherung, soll neuer Aufsichtsratschef der Deutschen Bank werden (FinanceToday berichtete). Das » Handelsblatt zeigt, wo frühere Mitarbeiter von "Government Sachs" in Europa in Schlüsselpositionen sitzen. Die » Süddeutsche Zeitung sieht Achleitner und Anshu Jain als neues Machtzentrum der deutschen Wirtschaft. Aufgabenteilung: Jain solle sich ums Geld kümmern und Achleitner um die Geltung. Der neue designierte Chefkontrolleur genieße, anders als Josef Ackermann, in Berlin hohes Ansehen, konstatiert die » Zeit Der » Economist rätselt, welchen Kurs "Deutschlands einzig erfolgreiche Großbank" künftig zwischen dem aufregenden, aber volatilen Investmentbanking und langweiligen Privatkundengeschäft einschlagen werde.
achleitner.jpeg
Antritt der technokratischen Sanierer
Corrado Passera, Chef der Bank Intesa Sanpaolo, soll neuer Minister für Infrastruktur, Industrie und Transport in Italien werden. Der künftige italienische Ministerpräsident Mario Monti will das Ressort des Wirtschafts- und Finanzministers übernehmen (» HB ). Der » Standard porträtiert den Ex-McKinsey-Mann Passera als zielstrebigen Sanierer mit Netzwerker-Qualitäten. Regierungen in Italien hätten eine kurze Halbwertszeit, eine technokratische wohl erst recht, meldet die » Financial Times Deutschland Zweifel an. Die » SZ meint dagegen, Monti habe eine "respektable Mannschaft" um sich versammelt.
Großbritannien gegen Kauder
Volker Kauder, CDU-Fraktionschef, hat mit seinem Frontalangriff auf die Verweigerungshaltung Londons bei der Finanztransaktionsteuer für ein großes Medienecho auf der Insel gesorgt. "Jetzt heißt es: Großbritannien gegen Deutschland", titelte der » New Statesman ausgerechnet kurz vor dem Besuch des Premierministers David Cameron in Berlin. Und die » Daily Mail brachte in großen Lettern auf Seite 1 ein abgewandeltes Zitat Kauders: "Europa spricht jetzt deutsch!".
» Handelsblatt » Financial Times
Goldene Zeiten vorbei?
John Paulson, bislang als Gold-Fan bekannter Hedge-Fonds-Manager, hat im dritten Quartal über ein Drittel seiner Anteile am weltgrößten börsengehandelten Goldfonds SPDR Gold Trust verkauft. Dies ist Wasser auf den Mühlen derjenigen, die hinter dem jüngsten Goldanstieg eine Blase vermuten, die jederzeit platzen könnte.
» Financial Times Deutschland » Spiegel
Abschied mitten im Sturm
Antonio Borges, Leiter der Europaabteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF), verlässt mitten in den Rettungsbemühungen für überschuldete Staaten in der Euro-Zone den IWF. Der 63-jährige Portugiese lege seinen Posten "aus persönlichen Gründen" mit sofortiger Wirkung nieder. IWF-Chefin Christine Lagarde kürte Reza Moghadam als Nachfolger, ranghoher Mitarbeiter britisch-iranischer Herkunft.
» Handelsblatt
Unternehmer werden wegreguliert
Michael Theurillat beendete 2004 seine Karriere im Asset Management der UBS und wurden erfolgreicher Krimiautor. In seinem neuen Roman "Rütlischwur" führt der frühere Managing Director ein in die Zürcher Finanzszene - und warnt heute vor Überregulierung: "Wir sind dabei, das wegzuregulieren was die Bankbranche stark gemacht hat - nämlich das Unternehmertum. Dafür zieht man sich Jasager heran", sagt Theurillat bei » Finenews Das klassische Banking drohe zur Verwaltung zu mutieren.
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Banken-Seite bei Google gekapert
Die ohnehin schon gebeutelte Bank of America hat den Schaden und den Spott im Social Web. Ein Unbekannter hat für die Bank im Netzwerk Google+ eine Unternehmensseite angelegt, die für die US-Firma alles andere als vorteilhaft aussieht. Wie » Meedia berichtet, zeigt etwa eine Fotogalerie CEO Ken Lewis in verbissener Pose. Außerdem werde der Bankenchef auf der Pinnwand verhöhnt ("Heute Abend große Firmenparty im zwangsversteigerten Haus") und das Unternehmensmotto abgewandelt: "Wir haben Eure Steuergelder für den Rettungsschirm bekommen, während Eure Hypotheken steigen."