Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 17 January 2012


DIENSTAG, 17. JANUAR 2012
Guten Morgen,
der Kernsatz des Jahreswirtschaftsberichts lautet: "Die Wachstumskräfte in Deutschland sind intakt". Die Folgen für den Arbeitsmarkt in Deutschland: Das Jobwunder geht weiter. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr einen neuen Beschäftigungsrekord. Das 137 Seiten starke Gutachten, die traditionell fundierteste Jahresprognose 2012, wird Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler morgen der Öffentlichkeit vorstellen. Wir erhielten bereits ein Exemplar vorab, das wir Ihnen heute im Detail vorstellen.

Der menschlichen Tragödie folgt der Absturz der Aktie: Das Wertpapier des Kreuzfahrtschiffkonzerns Carnival, zu dem auch die Aida-Flotte gehört, verlor gestern bis zu 29 Prozent. Angesichts der sehr geringen Auswirkungen früherer Katastrophen zu Wasser, zu Lande und in der Luft auf das Kundenverhalten, kann man nur sagen: Die Börse übertreibt mal wieder.

Die Politik wehrt sich. Nach der Herabstufung von neun Euro-Ländern durch Standard & Poor’s will die EU die Ratingagenturen strenger regulieren. Sie erwägt sogar ein Benotungsverbot für Staatsanleihen. Die Wut ist verständlich, aber nicht vernünftig. Die Ratingagenturen sind nur die Überbringer schlechter Nachrichten, nicht ihre Verursacher.

Umweltminister Norbert Röttgen wehrt sich gegen den Vorstoß seines Kabinettskollegen Rösler, die Förderung der erneuerbaren Energien zu reformieren. Dem Wirtschaftsminister sind je 13 Milliarden Euro Förderung zu viel, die auf die Stromrechnung der Verbraucher aufgeschlagen werden. Der Umweltminister hingegen findet das von Rot-Grün erlassene Gesetz "grundsätzlich vernünftig". Rösler denkt an die Wirtschaft, Röttgen an den Wahltag. Er wirbt seit Längerem für eine schwarz-grüne Koalition.

Die Metro veröffentlicht nachher erste Zahlen zum Geschäftsverlauf 2011. Unsere Recherchen ergaben: Der Konzernumsatz könnte leicht unter dem Vorjahresniveau von 67,3 Milliarden Euro liegen. Nach dem Wechsel an Konzern- und Aufsichtsratsspitze muss die neue Metro-Führung nun zeigen, was in ihr steckt.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Herzlichst Ihr

Gabor Steingart
Chefredakteur
Heute_im_Handelsblatt.jpg
17012012_HB_Titel.jpg
"Die Wachstumskräfte in Deutschland sind intakt"
Das Jobwunder geht weiter. Die Bundesregierung erwartet in diesem Jahr einen Beschäftigungsrekord. Und auch die Neuverschuldung wird 2012 bei nur einem Prozent liegen. Die Kluft zwischen Deutschland und dem übrigen Europa wächst.

Havarie lässt Carnival-Kurs einbrechen
Die Aktie verliert bis zu 29 Prozent. Die Schadensschätzungen gehen weit auseinander.

Die Politik sagt S&P den Kampf an
Nach der Herabstufung von neun Euro-Ländern hat Standard & Poor’s gestern Abend auch dem Rettungsfonds EFSF eine schlechtere Bewertung verpasst. Jetzt will die EU die Ratingagenturen strenger regulieren und erwägt ein Benotungsverbot für Staatsanleihen.

Ökostrom entzweit die Bundesregierung
Umweltminister Norbert Röttgen wehrt sich gegen den Vorstoß von Wirtschaftsminister Philipp Rösler, die Förderung der erneuerbaren Energien zu reformieren.

Bahn: Gezerre um Milliardenauftrag
Sachsen-Anhalt hat der Bahn einen Auftrag im Nahverkehr zugeschanzt. Über die Rechtmäßigkeit dieses Vorgangs muss nun ein Gericht entscheiden.

"Für die Kern-Inhalte verlangen wir Geld"
Der Chefredakteur des "Wall Street Journal", Robert Thomson, über zahlende Leser im Internet. Ein Interview.

Lufthansa testet Elektroantriebe
Um Sprit zu sparen, sollen Flugzeuge in Zukunft mit dem Schub von Elektromotoren zum Start rollen.

China kratzt am Status des Dollars
Der chinesische Yuan soll künftig auch in London gehandelt werden. Mit dieser und einer Reihe weiterer Vereinbarungen will Peking die Dominanz des Dollars schwächen.

Hier können Sie die aktuelle Ausgabe für 1,59 Euro direkt downloaden

Sind Sie Abonnent? Dann lesen Sie die gesamte Ausgabe hier
Jetzt-auf-HBcom-OR.jpg
Europäischer Rettungsschirm kann Abstufung abfedern
Nach Europas besten Schuldnerländern und Banken hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch dem europäischen Rettungsschirm die Bestnote entzogen. Doch damit kann der EFSF ganz gut leben.
 Facebook
weiter zum Artikel
Die Favoriten unserer Leser
Rezension Mnookin
So verhandeln Sie richtig
 Facebook
Renditecheck
Sparplan schlägt Lebensversicherung
 Facebook
Nach dem Downgrade
Banken blicken in den Abgrund
 Facebook
Interview mit Max Otte
"Ich bin nicht investiert, um Spaß zu haben"
 Facebook
Top-Bonität in Gefahr
Rettungsschirm in Turbulenzen
 Facebook
Heute-in-Deutschland-110218.jpg
Dax im Bann der Schuldenkrise
Die Schuldenkrise schreitet voran. Trotz erfolgreicher Anleiheemissionen machen die Ratingagenturen weiter gegen die Euro-Zone mobil. Bislang reagieren die Börsen besonnen, aber das könnte sich ändern.
 Facebook
weiter zum Artikel
Airbus und EADS präsentieren Jahresausblick
Nach einem Rekordjahr bei den Bestellungen geht der europäische Flugzeughersteller Airbus mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins neue Jahr. Heute will er bei einer gemeinsamen Neujahrskonferenz mit dem Mutterkonzern EADS im Hamburger Airbus-Werk seine Pläne für 2012 präsentieren. Turbulenzen könnten dem europäischen Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen sowie seiner erfolgreichen Flugzeugtochter durch ein umfangreiches Stühlerücken im Top-Management drohen.

Metro veröffentlicht erste Zahlen zum Geschäftsverlauf 2011
Deutschlands größter Handelskonzern Metro gibt am Morgen erste Zahlen zum Geschäftsverlauf 2011 bekannt. Dabei geht es um den Umsatz des Düsseldorfer Konzerns sowie die Umsätze der einzelnen Konzerntöchter. Der Konzernumsatz könnte 2011 leicht unter dem Vorjahresniveau von 67,3 Milliarden Euro liegen.

Sprachforscher geben "Unwort des Jahres" bekannt
Das "Unwort des Jahres 2011" wird in Darmstadt bekanntgegeben. Unter den Einsendungen liegt der Ausdruck "Döner-Morde" zahlenmäßig klar an der Spitze, gefolgt von "Stresstest" und "Rettungsschirm". Die Bezeichnung "Döner-Morde" wird als eine Verharmlosung für eine Mord-Serie an ausländischen Kleinunternehmern in Deutschland betrachtet. "Unwort des Jahres 2010" war der Begriff "alternativlos".
GB_HB_bnr.gif
europa.jpg
EU-Parlament wählt Präsidenten
Das Europaparlament wählt einen neuen Präsidenten. Unangefochtener Favorit ist der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz (56). Er soll die Nachfolge des konservativen Polen Jerzy Buzek antreten. Schulz bekleidet für die nächsten zweieinhalb Jahre bis zur Europawahl 2014 diesen Posten. Das Amt des Präsidenten wird traditionell zwischen den zwei größten Fraktionen aufgeteilt. Schulz ist seit 1994 Mitglied des Parlaments.

EU-Kommission will juristisch gegen Ungarn vorgehen
Nach wochenlangen Auseinandersetzungen entscheidet die EU-Kommission am Mittag über ein Verfahren gegen Ungarn wegen Verletzung von EU-Recht. Die Kommission wird voraussichtlich drei Verfahren eröffnen. Dabei geht es um die Unabhängigkeit der ungarischen Zentralbank und der Justiz sowie um Fragen des Datenschutzes. Die rechtskonservative ungarische Regierung unter Premier Viktor Orban steht international in der Kritik, unter anderem wegen Beschränkungen der Medienfreiheit. In letzter Konsequenz droht dem Land ein Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof und möglicherweise eine Geldstrafe.

Inflation in der Euro-Zone lag im Dezember bei 2,8 Prozent
Heute wird die endgültige Zahl für die Preissteigerung in der Euro-Zone im vergangenen Dezember veröffentlicht. Alle Erwartungen gehen in die Richtung, dass es bei den bisher vorläufig errechneten 2,8 Prozent bleibt.
amerika.jpg
Wells Fargo legt im vierten Quartal zu
Die US-Großbank legt heute Zahlen für das vierte Quartal vor. Analysten gehen davon aus, dass der Umsatz zwar um rund acht Prozent auf knapp 20 Milliarden Dollar gefallen sein dürfte. Beim Nettogewinn erwarten sie allerdings ein Plus von 13 Prozent auf gut 3,8 Milliarden Dollar.

Citigroup wird deutlich profitabler
Auch die Citigroup berichtet über den Verlauf des vierten Quartals. Hier rechnen Experten mit einem zum Vorjahreszeitraum praktisch unveränderten Umsatz. Ebenso wie bei Wells Fargo dürfte auch Citi unter dem Strich deutlich mehr verdient haben. Erwartet werden 1,5 Milliarden Dollar - 15 Prozent mehr als im Schlussquartal des Vorjahres.
Wall Street bleibt geschlossen
Wegen des gestrigen Martin Luther King Days fand kein Handel an den Börsen in den USA statt.
Der-Tag-in-Asien-110218.jpg
Japanische Großbank will Leasinggeschäft der RBS kaufen
Die japanische Großbank Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) steht vor einer Milliarden-Akquisition. Es könnte die größte Übernahme in Europa durch eine japanische Bank seit Beginn der Euro-Krise werden.
weiter zum Artikel
Chinas Wachstum stößt an seine Grenzen
2011 konnte das Schwellenland sein Wachstum erneut über neun Prozent retten, doch für die kommenden Monate gilt ein weiterer Rückgang als unvermeidlich. Und auch bei der Teuerung droht Gefahr für die Wirtschaftsmacht.
weiter zum Artikel
Samsung investiert wie noch nie
Samsung macht keine halben Sachen: In diesem Jahr will der südkoreanische Mischkonzern satte 33 Milliarden Euro ausgeben und über 25.000 Menschen neu einstellen. Und das trotz so mancher Unsicherheit.
weiter zum Artikel
Nikkei erholt sich von S&P-Abstufung in Europa
Die Herabstufung von neun Euro-Ländern und des Euro-Rettungsschirms EFSF hat gestern an der Börse Tokio eingeschlagen. Heute erholt sich der Nikkei-Index wieder.
weiter zum Artikel
FÜR SIE GELESEN - HANDELSBLATT PRESSESCHAU
Presseschau.JPG
Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Folgen der Herabstufungen der Euro-Länder und des Rettungsfonds EFSF. Auch wenn die Märkte vorbereitet waren, könnte ein politisches Erdbeben die Euro-Zone nachhaltig erschüttern.

Das Wall Street Journal glaubt, dass es nicht so einfach werde, die höchste Bonitätswertung beim Rettungsschirm EFSF wiederzuerlangen. Eine Möglichkeit sei, die Kreditkapazität zu verkleinern. Ein Ausscheiden von Frankreich und Österreich würde das Volumen, das von einer AAA-Wertung gedeckt sei, von 440 auf 271 Milliarden Euro senken. Allerdings sei bereits die alte Summe viel zu gering, um die EFSF zu einem effektiven Rettungsmechanismus zu machen.

Der Business Spectator aus Australien meint, dass die Herabstufung des Rettungsfonds EFSF durch Standard and Poor’s keine Auswirkungen haben wird. Ähnlich sei es bereits in den Fällen von Frankreich und den USA gewesen, für die die Zinsen sogar gesunken seien.

Zu einem anderen Schluss kommt das Wirtschaftsblatt aus Österreich. Hier sieht man die Europäische Zentralbank bereits in der Rolle des Retters, dem es bisher zu verdanken gewesen sei, dass die Märkte dermaßen entspannt auf die Herabstufungen reagiert hätten.

Die britische Zeitung Guardian glaubt, dass die Herabstufung vor allem Politiker unter Druck setze und die Solidarität in Europa bedrohe. Genau diese brauche es jedoch, um der Krise in Europa zu entkommen. Wenn die Nationen gemeinsame Verpflichtungen gegenüber Gläubigern eingehen und Verantwortung übernehmen könnten, dann wäre der Notstand vorüber.

Die Süddeutsche Zeitung befürchtet, dass durch die Herabstufung die Verhandlungsposition Frankreichs nun nachhaltig geschwächt ist. Bisher habe das Land seine wirtschaftliche Schwäche durch viel Verhandlungsgeschick wettmachen können. Dies habe Sarkozy nur erreicht, weil er auf Augenhöhe mit der Kanzlerin verhandelt habe. Doch dieses Verhältnis sei nicht mehr gegeben, auch wenn ein Trugbild der Harmonie erhalten bleiben werde.

weiter zur Presseschau