Roberto Abraham Scaruffi

Wednesday, 25 January 2012


MITTWOCH, 25. JANUAR 2012
Guten Morgen,
jahrzehntelang hat die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt uns mit TV-Geräten, Kameras, Autos und dem Walkman versorgt. Heute wird die Regierung in Tokio zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsbilanzdefizit verkünden. Hatte Japans Exportkraft Mitte der 90er-Jahre einen Handelsbilanzüberschuss von umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro hervorgebracht, so wird dort jetzt ein Minus von 23 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Experten, mit denen unser Tokio-Korrespondent Martin Kölling für seine Titelgeschichte "Ende eines Exportwunders" sprach, werten das Defizit als Wendepunkt in der japanischen Geschichte. "Wir werden ab jetzt kontinuierlich ein Handelsbilanzminus erleben", sagt Hiromichi Shirakawa, Chefvolkswirt der Bank Credit Suisse in Tokio. So grausam kann Geschichte sein: Das neue Japan heißt China.

Lohndumping ist kein Kavaliersdelikt: 450 Zollfahnder durchsuchten gestern in fünf Bundesländern 60 Standorte der Lebensmittelhändler Netto und Kaufland. Der Verdacht: Die Unternehmen sollen Tarifverträge und Mindestlöhne umgangen haben, indem sie Lagerarbeiter und Gabelstaplerfahrer über illegale Werkverträge einsetzten.

Die Partnerschaft von Konzernchefs und Gewerkschaften funktioniert weiterhin: Das Management von Eon und die Gewerkschaften Verdi und IG BCE haben ihren monatelangen Streit um den geplanten radikalen Stellenabbau bei Eon beigelegt. Die Parteien einigten sich gestern auf einen Tarifvertrag, der die Reduzierung der Belegschaft von derzeit 85.000 um 11.000 Stellen sozialverträglich regeln soll. Das ist bitter für die Betroffenen, aber im Interesse der Gesamtunternehmung notwendig. Konzernchef Johannes Teyssen ist nicht der gefühllose Vollstrecker, zu dem er erklärt wurde. Die ihm vererbte Doppelstruktur in der Konzernführung und Merkels Energiewende haben ihn zum Handeln gezwungen.

Guido Westerwelle schaltet sich in die Debatte um die Zukunft Europas ein: In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt fordert der Außenminister, die bisherige Griechenlandpolitik der Kanzlerin, die einseitig auf Sparen und Verzichten setzt, zu überdenken. Im Kampf gegen eine weitere Zuspitzung der Krise, so Westerwelle, sei die Konsolidierung der Haushalte nur die halbe Miete. Die Rückkehr auf einen nachhaltigen Wachstumspfad könne so nicht gelingen. "Unsere Strategie muss intelligente Impulse für ein gutes, nachhaltiges Wachstum setzen." Ich wünsche diesem Beitrag die Aufmerksamkeit, die er verdient. Der Grundgedanke ist nicht deshalb falsch, weil er von Westerwelle kommt.

Mit einer Rede von Bundeskanzlerin Merkel wird heute das 42. Weltwirtschaftsforum im Schweizer Kurort Davos eröffnet. Bis zum 29. Januar suchen 2.600 führende Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft nach Lösungen, etwa für die Schulden- und Konjunkturkrise. Zusammen mit drei Handelsblatt-Kollegen habe ich mich in Davos einquartiert. Wir sind gespannt, welche Schlussfolgerungen Politiker und Wirtschaftsführer aus der Dauerkrise, die auch eine Sinnkrise unserer Marktwirtschaft bedeutet, für ihr Verhalten ziehen werden. Auch das Wort "Elite" muss stets aufs Neue verdient werden.

Das hätten sich die Easy-Rider Peter Fonda, Dennis Hopper und Jack Nicholson Ende der 60er wohl nicht träumen lassen. Harley-Davidson baut mittlerweile auch Dreiräder, die den reiferen Fahrer sicher nach Hause bringen. Die Strategie wirkt: Gestern meldete der Hersteller der Kultmotorräder für 2011 ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn belief sich auf knapp 600 Millionen Dollar - viermal so viel wie noch ein Jahr zuvor. Der einzige Wermutstropfen: Die Dreirad-Harleyfahrer werden von den Traditionsbikern nicht mit dem traditionellen Harleygruß gegrüßt. Sie gelten als Verräter. Vielleicht sollten wir Autofahrer die Light-Rocker künftig mit Lichthupe grüßen. Wir sind ihre neue Ersatzfamilie.

Ich wünsche Ihnen einen heiteren Tagesbeginn. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

Gabor Steingart
Chefredakteur
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Ende eines Exportwunders
Japan galt bislang als große Exportnation. Doch heute wird die Regierung in Tokio zum ersten Mal seit 31 Jahren ein Handelsbilanzdefizit verkünden. Ist der Niedergang des einstigen Superstars unaufhaltsam?

Groß-Razzia bei Netto und Kaufland
Verdacht auf Lohndumping: 450 Zollfahnder durchsuchten gestern in fünf Bundesländern 60 Standorte der Lebensmittelhändler.

Eon streicht 11.000 Jobs
Der Energiekonzern einigt sich mit den Gewerkschaften und will betriebsbedingte Kündigungen - wenn möglich - vermeiden.

Harley Davidson fährt aus der Flaute
Garagenpartys nur für Frauen: Mit ungewöhnlichen Aktionen spricht der Motorradhersteller neue Käuferschichten an und lässt so die Krise hinter sich.

Bosch kauft in den USA zu
Der Autozulieferer Bosch verstärkt sich mit einer Milliardenübernahme in den USA im Geschäft mit Autowerkstätten.

Neue Bonds sind heiß begehrt
Großunternehmen nutzen die gute Stimmung bei Investoren, um frische Anleihen auszugeben. Sie locken Anleger mit hohen Renditen.

Europa muss die Fesseln abstreifen
Guido Westerwelle fordert eine Agenda für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Wirtschaftsforum im Zeichen der Krise
Die Euro-Krise ist nicht das einzige Thema beim Weltwirtschaftsforum: Was Regierungschefs und Topmanager in Davos diskutieren, lesen Sie im Handelsblatt-Topic zum World Economic Forum.

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SAP nimmt sich den nächsten Rekord vor
Auch wenn SAP ein Softwarekonzern ist und keine Bank - da wird ein Josef Ackermann neidisch: SAP nimmt sich ein Renditeziel von 35 Prozent vor. Die Erlöse sollen um zwölf Prozent wachsen. Die Jagd auf Oracle hat begonnen.
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Deutsche-Bank-Volkswirt warnt vor Kollaps des Geldsystems
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Dax vor Fed-Entscheidung höher erwartet
Unternehmen liefern den Anlegern kaum Gründe, bei Aktien zuzugreifen: Die Quartalsergebnisse enttäuschen. Hoffnung auf steigende Kurse gibt heute der Zinsentscheid der amerikanischen Notenbank.
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Metaller fordern 6,5 bis 7 Prozent mehr Lohn
Die Große Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg will heute als bundesweit erste entscheiden, welche Tarifforderung sie empfiehlt. Im Schlüsselbezirk Baden-Württemberg hat die IG Metall Stuttgart eine erste Forderung für die Lohnrunde 2012 formuliert. Der Tarifkommission werde man eine Forderung von 6,5 bis 7 Prozent empfehlen, teilte die Stuttgarter Verwaltungsstelle gestern mit. Die IG Metall Stuttgart ist besonders einflussreich, da sie unter anderem für Daimler und Porsche zuständig ist.

Harte Zeiten für Beiersdorf
Der Nivea-Hersteller, der über den Verlauf des zurückliegenden Geschäftsjahres berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten mit 216 Millionen Euro unter dem Strich fast ein Drittel weniger verdient als im Jahr zuvor. Der Umsatz dürfte mit gut 5,6 Milliarden Euro lediglich gut ein Prozent höher ausfallen. Verantwortlich für den deutlich schwächeren Gewinn dürften vor allem hohe Abschreibungen auf den Firmenwert der bereits 2007 übernommenen chinesischen Haarpflegemarke C-Bons sein.

Geht es beim Ifo-Geschäftsklima weiter aufwärts?
Das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung gibt den Geschäftsklimaindex für den Monat Januar bekannt. Nach zwei Anstiegen in Folge wird mit Spannung erwartet, ob sich die Stimmung unter den befragten Firmen erneut verbessert hat. 2011 war der Index monatelang gesunken und im November
überraschend gestiegen. Als sich dieser Trend auch im Dezember fortsetzte, wertete Ifo-Chef Hans-Werner Sinn dies als Zeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft dem Abschwung Westeuropas erfolgreich trotzt. Analysten rechnen mit einem weiteren leichten Anstieg von zuletzt 107,2 auf 107,5 Punkte.

Anleger-Prozess gegen Telekom geht weiter
Nach über einem Jahr Pause geht heute der Schadensersatzprozess enttäuschter Privatanleger gegen die Deutsche Telekom weiter. Zum 17. Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main ist es den Anwälten des Musterklägers erneut gelungen, die Beweisaufnahme zu erweitern. Mit einem Urteil wird daher noch nicht gerechnet. Der Senat hatte unter der Vorsitzenden Birgitta Schier-Ammann letztmals im Dezember 2010 mündlich über die Sache verhandelt. Vor dem OLG geht es in einem Musterprozess um die Klagen von rund 17.000 Anlegern, die für erlittene Kursverluste etwa 80 Millionen Euro Schadensersatz verlangen. Sie werfen der Telekom vor, in ihrem Börsenprospekt zum sogenannten dritten Börsengang im Jahr 2000 wissentlich falsche Angaben gemacht zu haben. Beide Seiten gehen unabhängig vom Frankfurter Urteil davon aus, dass der Rechtsstreit vor dem Bundesgerichtshof weitergeführt wird. Die ersten Klagen um den Börsengang stammen aus dem Jahr 2001.
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Kanzlerin Merkel eröffnet 42. Weltwirtschaftsforum in Davos
Das heute beginnende 42. Weltwirtschaftsforum in Davos wird Angela Merkel eröffnen. Bei dem Treffen suchen 2.600 führende Personen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft bis zum 29. Januar nach Lösungen, etwa für die Schulden- und Konjunkturkrise. Das Motto lautet in diesem Jahr: "Die große Transformation - neue Modelle gestalten."

Abschreibungen belasten Novartis
Der Schweizer Arzneikonzern, der Zahlen für das zurückliegende Jahr vorlegt, dürfte auf bereinigter Basis ein leicht zweistelliges Umsatz- und Ertragswachstum ausweisen, das heißt soweit man Währungseffekte und Sonderbelastungen ausklammert. Allerdings schlagen im vierten Quartal Belastungen von mehr als einer Milliarde Dollar für Abschreibungen auf ein Herzmittel und Restrukturierungen zu Buche. Unter dem Strich dürfte das Jahresergebnis daher eher sinken und der Gewinn im Schlussquartal auf jeden Fall deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr. Auch wird der Konzern wohl mit einem eher vorsichtigen Ausblick ins Jahr 2012 gehen. Denn er muss den Patentablauf bei seinem bisherigen Top-Produkt verkraften, während die Neuentwicklungen nicht alle Hoffnungen erfüllen.

Britische Wirtschaftsleistung wächst im vierten Quartal um 0,8 Prozent
In London werden erste Schätzungen zur Entwicklung des britischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) veröffentlicht. Experten gehen davon aus, dass die britische Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,8 Prozent gewachsen ist. Im Vergleich zum dritten Quartal rechnen sie mit einem leichten Minus von 0,1 Prozent.

EU-Kommission will Datenschutz stärken
Persönliche Daten europäischer Bürger sollen künftig besser geschützt sein. Die EU-Kommission legt in Brüssel Vorschläge zur Reform der EU-Datenschutzregeln vor. Unternehmen, aber auch Polizei und Justiz sollen zu größerer Sorgfalt beim Umgang mit Personendaten verpflichtet werden. In der Debatte geht es auch um Unternehmen wie Google oder Facebook. Von der Bundesregierung und aus der Wirtschaft kommt Kritik an dem Entwurf. Dieser sei zu bürokratisch und verlagere zu viel Macht auf EU-Ebene, heißt es. Damit der Vorschlag Gesetz wird, müssen Europaparlament und EU-Ministerrat zustimmen.
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Apples Erfolg macht Analysten sprachlos
Hat Tim Cook sich bei Apple bereits bewiesen? Die herausragenden Quartalszahlen sprechen dafür, dass Apple auch ohne Steve Jobs eine Macht ist. Konkurrenten wie Microsoft und Amazon scheinen keine Chance zu haben.
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AMD rechnet mit Verlusten
Von Lieferengpässen bis zur allgemeinen Wirtschaftslage: Der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) findet gute Gründe für eine Umsatzwarnung. Dabei hätte das Unternehmen im letzten Quartal fast ein Plus gemacht.
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Yahoo bleibt weiterhin auf Talfahrt
Früher war alles besser: Das Internet-Urgestein Yahoo kommt gegen Google und Facebook nicht an. Rückgänge in der Bannerwerbung sind ein Grund dafür, warum die Quartalszahlen wie erwartet mau ausfallen.
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Obama läutet neuen Kurs in der Energiepolitik ein
Barack Obama spricht in seiner Rede zur Lage der Nation auch über Erdgas. Dahinter steckt eine Revolution im amerikanischen Energiesektor, die bei Umweltschützern großes Unbehagen hervorruft.
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Sorge um Griechenland drückt Wall Street
Die US-Anleger ließen Quartalszahlen links liegen. Bis zum Handelsschluss dominierte die Sorge um das Scheitern der Gespräche über eine Beteiligung der privaten Gläubiger Griechenlands. Darunter litten die Bankentitel.
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Boeing schwächelt im Schlussquartal
Der Flugzeughersteller, der über das zurückliegende Geschäftsjahr berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten seinen Umsatz um gut sechs Prozent auf 68,5 Milliarden Dollar und seinen Nettogewinn um 2,5 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden Dollar gesteigert. Im vierten Quartal allerdings rechnen sie mit einem Einbruch des Nettogewinns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 35 Prozent auf 750 Millionen Dollar.

Delta Airlines legt kräftig zu
Während sich American Airlines unter Chapter 11 zu restrukturieren versucht, wird Konkurrent Delta heute wohl gute Zahlen für 2011 präsentieren. Experten rechnen mit einem im Vergleich zum Vorjahr um 85 Prozent höheren Nettogewinn von 1,1 Milliarden Dollar. Die Erlöse dürften um zehn Prozent auf gut 35 Milliarden Dollar gestiegen sein.

US-Notenbank legt erstmals Zinsprognosen vor
Erstmals in ihrer beinahe 100-jährigen Geschichte veröffentlicht die US-Notenbank in Washington konkrete Zinsprognosen. Zum Abschluss ihrer zweitägigen Sitzung legen alle 17 Mitglieder des Offenmarktausschusses ihre jeweiligen Projektionen vor, wo sie die Zinsen im letzten Quartal 2012, über die nächsten Jahre und auf lange Sicht sehen. Der Schritt ist Teil der Bemühungen von Notenbankchef Ben Bernanke um mehr Offenheit.
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Apple bringt Kurse auf Dreimonatshoch
Anders als in den USA lassen sich die Anleger in Japan von Quartalszahlen beflügeln: Rekordwerte bei Apple sorgen für gute Stimmung in Tokio. Die Indizes legen deutlich zu.
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FÜR SIE GELESEN - HANDELSBLATT PRESSESCHAU
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Die internationale Wirtschaftspresse blickt auf das heute beginnende Weltwirschaftsforum in Davos.

Das Wirtschaftsblatt untersucht die in Davos kultivierten Endzeitfantasien. Dass der aktuelle WEF-Risikoreport den wohlig-gruseligen Titel "Seeds of Dystopia" trage und darin vom Fall Westeuropas die Rede sei, werten die Österreicher als "klammheimliche Sehnsucht" nach der Endzeit. "Für Europa würde der Niedergang - politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial - keine Katharsis auslösen, an deren Schlusspunkt ein frischer, erstarkter Kontinent steht", hält das Blatt dagegen. Zurück bliebe ein "ausgelaugter, ausgebluteter Flecken Erde", der für Generationen im Schatten anderer, dynamischerer Regionen stehen würde.

Selten hätten sich Politiker und Wirtschaftsführer vor solch einer traurigen Kulisse getroffen, meint der britische Guardian und verweist ebenfalls auf den "Global Risks 2012 Report" des WEF. Als Ausweg skizziert das Blatt die Perspektive eines "neuen Zeitalters der finanziellen Transparenz und Verantwortlichkeit". Konkret schlägt der Guardian vor, dass die Steuerbehörden der Länder automatisch Daten austauschen, um illegal gehaltenes Offshore-Geld aufzuspüren.

Die Neue Zürcher Zeitung glaubt, dass in Davos mitunter "ein klein wenig Weltgeschichte" gemacht werden könne. Auch sei das World Economic Forum zu einer einzigartigen Diskussions- und Networking-Plattform geworden, die längst weit über das Jahrestreffen hinausreiche. Gleichwohl seien die Ängste von Globalisierungsgegnern und Hoffnungen von Weltverbesserern völlig überhöht: "In Davos wird die Welt nicht neu erfunden und kaum verändert."

Die Tageszeitung vergleicht die unterschiedlichen Stimmungen in Davos - wo die Systemkrise der Industriestaaten bemerkbar sei -, und beim Weltsozialforum im sonnigen Porto Alegre, wo von Krise allenfalls abstrakt die Rede sei, da sich der globale Süden im Aufwind sehe. Einerseits die Länder Lateinamerikas, Indien und selbst Afrikas, die sich zu Motoren der Weltwirtschaft gemausert häten, andererseits die einstigen Kolonialmächte, die nun die Bittsteller seien. Angesichts des Rollentauschs würde dem reicheren Norden "mehr Demut und Bescheidenheit" nicht schaden, lautet das Fazit der Berliner.
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