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Donnerstag, 24. Mai
2012
Guten Morgen,
Bund und Länder pokern um die
Zuständigkeiten in der Energiepolitik. Der Energiegipfel, zu dem die
Kanzlerin die Ministerpräsidenten geladen hatte, offenbarte schwere
Differenzen. Deutlich wurde: Die Länder wollen keineswegs auf ihre
verbrieften Rechte etwa für die Planung beim Netzausbau verzichten, um dem Bund
eine zügigere Umsetzung zu ermöglichen. Auch vom Recht, eine autarke
Energieversorgung zu organisieren - was die CSU in Bayern anstrebt - will man
nicht lassen. Der künftige RWE-Chef Peter Terium verfolgt das
politische Pokerspiel mit wachsendem Unbehagen: Im
Handelsblatt-Interview, das wir gestern Nachmittag mit ihm führten, sagt er:
"Einiges läuft nicht ganz rund, manches könnte scheitern." Unsere heutige
Titelgeschichte "Bund und Länder pokern um die Energiepolitik" analysiert
die unterschiedlichen Interessen.
Die Euro-Länder bereiten sich
auf einen möglichen Austritt Griechenlands vor. Das Gerücht, dass hohe
Beamte der Euro-Staaten verabredet haben, jeder Mitgliedsstaat hätte einen
nationalen Notfallplan zu entwickeln, wurde gestern offiziell bestätigt
und über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet. Unsere Zeitung hatte bereits
am vergangenen Freitag vom "Plan B" berichtet, den Finanzministerium und
Bundesbank ausarbeiten.
Doch dieser Plan B - das darf nicht
verschwiegen werden - ist ein Plan, der nach Ansicht derer, die ihn ausarbeiten
lassen, nie zum Einsatz kommen soll. Man will den Griechen drohen - und
so die Wahlen am 17. Juni im Sinne der Sparpolitik beeinflussen. Es ist wohl
der erste gesamteuropäische Wahlkampf, der da geführt wird. Angela
Merkel steht nicht auf dem Wahlzettel. Und trotzdem wird vor allem über ihre
Politik dort abgestimmt. Die Griechen haben - zugespitzt gesagt - die Wahl
zwischen Merkel und Sarrazin.
Die privaten Anteilseigner der
Commerzbank haben die Hauptversammlung für harsche Kritik
genutzt: Sie beanstandeten den Ausfall der Dividende und die drastische
Erhöhung der Vorstandsgehälter. Da die zweitgrößte deutsche Bank den Großteil
ihrer Staatshilfen zurückgezahlt hat, erhält Vorstandschef Martin Blessing
nun 1,3 Millionen Euro Gehalt im Jahr. Blessing konnte die im Saal
Anwesenden mit seinem Auftritt nicht so recht überzeugen, war aber dank des
25-Prozent-Staatsanteils nie in Gefahr, niedergestimmt zu werden. Der neue
Staatskapitalismus hat auch seine Vorteile - zumindest für das Management.
Ein anderer Dax-Konzern hält heute seine Hauptversammlung ab: Die
Deutsche Telekom lädt zum Aktionärstreffen nach Köln. Konzernchef René
Obermann wird den Aktionären Rede und Antwort stehen, nachdem die Telekom
mit einem Gewinnrückgang ins Geschäftsjahr 2012 gestartet ist. Bereits im
Gesamtjahr 2011 war der Gewinn massiv um zwei Drittel auf 557 Millionen Euro
eingebrochen. Handelsblatt Online wird live
berichten.
André Kostolany empfahl, Aktien zu kaufen und
abzuwarten bis sie steigen. Der moderne Anleger klagt direkt, wenn es
anders läuft als erhofft. Kein Wunder also, dass die ersten
Facebook-Aktionäre Klage eingereicht haben. Das soziale Netzwerk verlor
seit der Emission gut 16 Milliarden Dollar an Wert. Es ist zulässig, die
deutschen Käufer dieser Aktien daran zu erinnern, dass in dieser Zeitung
gründlich und rechtzeitig vor einem Engagement gewarnt wurde. 2,40 Euro für
ein Handelsblatt waren das bessere Investment.
Der
US-Schmuckkonzern Tiffany & Co. berichtet heute über den Erfolg im
ersten Quartal 2012 und hat nach Einschätzung von Analysten seinen
Nettogewinn um gut zehn Prozent auf knapp 90 Millionen Dollar gesteigert. Auch
beim Umsatz des Konzerns erwarten sie ein Plus von 7,6 Prozent auf 819 Millionen
Dollar. Das sind gute Nachrichten für alle Optimisten. Die Welt geht
nicht unter - und falls doch, dann trägt sie Edelsteine.
Ich
wünsche Ihnen einen kraftvollen Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie herzlichst
Ihr
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Gabor Steingart Chefredakteur
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