Roberto Abraham Scaruffi

Thursday, 24 May 2012


Donnerstag, 24. Mai 2012
Guten Morgen,
Bund und Länder pokern um die Zuständigkeiten in der Energiepolitik. Der Energiegipfel, zu dem die Kanzlerin die Ministerpräsidenten geladen hatte, offenbarte schwere Differenzen. Deutlich wurde: Die Länder wollen keineswegs auf ihre verbrieften Rechte etwa für die Planung beim Netzausbau verzichten, um dem Bund eine zügigere Umsetzung zu ermöglichen. Auch vom Recht, eine autarke Energieversorgung zu organisieren - was die CSU in Bayern anstrebt - will man nicht lassen. Der künftige RWE-Chef Peter Terium verfolgt das politische Pokerspiel mit wachsendem Unbehagen: Im Handelsblatt-Interview, das wir gestern Nachmittag mit ihm führten, sagt er: "Einiges läuft nicht ganz rund, manches könnte scheitern." Unsere heutige Titelgeschichte "Bund und Länder pokern um die Energiepolitik" analysiert die unterschiedlichen Interessen.

Die Euro-Länder bereiten sich auf einen möglichen Austritt Griechenlands vor. Das Gerücht, dass hohe Beamte der Euro-Staaten verabredet haben, jeder Mitgliedsstaat hätte einen nationalen Notfallplan zu entwickeln, wurde gestern offiziell bestätigt und über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet. Unsere Zeitung hatte bereits am vergangenen Freitag vom "Plan B" berichtet, den Finanzministerium und Bundesbank ausarbeiten.

Doch dieser Plan B - das darf nicht verschwiegen werden - ist ein Plan, der nach Ansicht derer, die ihn ausarbeiten lassen, nie zum Einsatz kommen soll. Man will den Griechen drohen - und so die Wahlen am 17. Juni im Sinne der Sparpolitik beeinflussen. Es ist wohl der erste gesamteuropäische Wahlkampf, der da geführt wird. Angela Merkel steht nicht auf dem Wahlzettel. Und trotzdem wird vor allem über ihre Politik dort abgestimmt. Die Griechen haben - zugespitzt gesagt - die Wahl zwischen Merkel und Sarrazin.

Die privaten Anteilseigner der Commerzbank haben die Hauptversammlung für harsche Kritik genutzt: Sie beanstandeten den Ausfall der Dividende und die drastische Erhöhung der Vorstandsgehälter. Da die zweitgrößte deutsche Bank den Großteil ihrer Staatshilfen zurückgezahlt hat, erhält Vorstandschef Martin Blessing nun 1,3 Millionen Euro Gehalt im Jahr. Blessing konnte die im Saal Anwesenden mit seinem Auftritt nicht so recht überzeugen, war aber dank des 25-Prozent-Staatsanteils nie in Gefahr, niedergestimmt zu werden. Der neue Staatskapitalismus hat auch seine Vorteile - zumindest für das Management.

Ein anderer Dax-Konzern hält heute seine Hauptversammlung ab: Die Deutsche Telekom lädt zum Aktionärstreffen nach Köln. Konzernchef René Obermann wird den Aktionären Rede und Antwort stehen, nachdem die Telekom mit einem Gewinnrückgang ins Geschäftsjahr 2012 gestartet ist. Bereits im Gesamtjahr 2011 war der Gewinn massiv um zwei Drittel auf 557 Millionen Euro eingebrochen. Handelsblatt Online wird live berichten.

André Kostolany empfahl, Aktien zu kaufen und abzuwarten bis sie steigen. Der moderne Anleger klagt direkt, wenn es anders läuft als erhofft. Kein Wunder also, dass die ersten Facebook-Aktionäre Klage eingereicht haben. Das soziale Netzwerk verlor seit der Emission gut 16 Milliarden Dollar an Wert. Es ist zulässig, die deutschen Käufer dieser Aktien daran zu erinnern, dass in dieser Zeitung gründlich und rechtzeitig vor einem Engagement gewarnt wurde. 2,40 Euro für ein Handelsblatt waren das bessere Investment.

Der US-Schmuckkonzern Tiffany & Co. berichtet heute über den Erfolg im ersten Quartal 2012 und hat nach Einschätzung von Analysten seinen Nettogewinn um gut zehn Prozent auf knapp 90 Millionen Dollar gesteigert. Auch beim Umsatz des Konzerns erwarten sie ein Plus von 7,6 Prozent auf 819 Millionen Dollar. Das sind gute Nachrichten für alle Optimisten. Die Welt geht nicht unter - und falls doch, dann trägt sie Edelsteine.

Ich wünsche Ihnen einen kraftvollen Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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EURO-KRISE
Hollande sucht die Konfrontation mit Merkel
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Das große Stühlerücken hat begonnen
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TERMINE DES TAGES
Dämpfer beim Wirtschaftsklima erwartet
Das Ifo-Geschäftsklima steht Experten zufolge vor seiner ersten Eintrübung seit einem halben Jahr. Das Münchner Ifo-Institut veröffentlicht die Umfrage-Ergebnisse heute. Analysten rechnen für das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft mit einem leichten Rückgang auf 109,5 Zähler. Die Entwicklung in Griechenland und die Not der Banken in Spanien hat die Euro-Schuldenkrise wieder angefacht und dürfte die Geschäftserwartungen der Unternehmen bremsen. Seit November war der Ifo-Index stets gestiegen.

Merkel berät mit Oppositionsspitzen über Fiskalpakt
Bundeskanzlerin Angela Merkel berät in Berlin mit den Partei- und Fraktionschefs von Koalition und Opposition das weitere Vorgehen beim europäischen Fiskalpakt. Der Vertrag von 25 der 27 EU-Staaten für mehr Haushaltsdisziplin sieht einen rascheren Defizitabbau sowie nationale Schuldenbremsen vor.

Telekom lädt nach schwachem Jahresstart zum Aktionärstreffen
Die Deutsche Telekom lädt zur Hauptversammlung nach Köln. Konzernchef René Obermann muss den Aktionären erklären, warum die Telekom mit einem Gewinnrückgang ins Geschäftsjahr 2012 gestartet ist. Bereits im Gesamtjahr 2011 war der Gewinn massiv um zwei Drittel auf 557 Millionen Euro eingebrochen. Ursache waren vor allem Probleme in den USA und Südosteuropa.

NRW-CDU will Kandidatenfrage für Parteivorsitz klären
Die nordrhein-westfälische CDU will auf der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Landeschef Norbert Röttgen einen wichtigen Schritt vorankommen. Der Kandidat für das Spitzenamt soll heute Abend in einer Vorstandssitzung offiziell seinen Hut in den Ring werfen. Laut Medienberichten fiel am Mittwoch die Entscheidung zugunsten von Armin Laschet, bisher Vize der nordrhein-westfälischen CDU. Neben ihm galt Fraktionschef Karl-Josef Laumann als aussichtsreicher Anwärter. Beide haben sich noch nicht erklärt. Offen ist, ob künftig Partei- und Fraktionsvorsitz in einer Hand gebündelt werden sollen.
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EURO-KRISE
EU-Gipfel fordert von Griechenland Vertragstreue
Die Neuwahlen in Griechenland sorgen für Unruhe. Der EU-Gipfel fordert: Alle Beteiligten müssen sich an ihre Zusagen halten. Angela Merkel kann beruhigt nach Hause fahren - bei den Euro-Bonds sind keine Schnellschüsse geplant. Mehr...
TERMIN DES TAGES
SAB Miller verdient dank Bierdurst kräftig
Der britische Brauereikonzern hat in seinem Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 deutlich mehr verdient als im Jahr zuvor. Analysten rechnen mit einem knapp 40 Prozent höheren Nettogewinn von 3,34 Milliarden Dollar. Der Umsatz, so die Schätzungen, dürfte mit 16,7 Milliarden Dollar gut zehn Prozent höher ausfallen. SAB Miller profitiert vor allem von der stetig steigenden Nachfrage auf den Märkten Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Heute legt der Konzern seine Zahlen vor.
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IT-BRANCHE IM UMBRUCH
Hewlett-Packard will 27.000 Angestellte entlassen
Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Beim weltgrößten Computerhersteller Hewlett-Packard sollen 27.000 Leute gehen. Die Mitarbeiter müssen auch für die Fehler des Managements büßen. Mehr...
US-GERICHT
Google hat Oracle-Patente nicht verletzt
Freispruch für Google: Der Internetriese ist im Patentstreit mit dem Softwarekonzern Oracle von einem US-Gericht freigesprochen worden. Damit muss Oracle die Milliardenforderung begraben. Mehr...
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Nyse will Nasdaq das Facebook-Listing abluchsen
Die Technologiebörse Nasdaq hat den Börsengang von Facebook verpatzt. Das bringt den Konkurrenten Nyse auf den Plan, der die Schwäche der Technologiebörse nutzen will. Auch der US-Senat zeigt verstärkt Interesse an dem Pannen-IPO. Mehr...
TERMIN DES TAGES
Schmuck kennt weiterhin keine Krise
Der US-Schmuckkonzern Tiffany & Co. hat nach Einschätzung von Analysten seinen Nettogewinn im ersten Quartal um gut zehn Prozent auf knapp 90 Millionen Dollar gesteigert. Auch beim Umsatz des Konzern, der heute über den Verlauf der ersten drei Monate berichtet, erwarten sie ein Plus von 7,6 Prozent auf 819 Millionen Dollar.
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WORTE DES TAGES

"Die Gegenanträge zur Hauptversammlung sind Volkes Stimme. Und Sie, Herr Blessing, sollten Volkes Stimme sehr ernst nehmen."
Klaus Nieding,
Aktionärsschützer von der DSW, bei der Commerzbank-Hauptversammlung

"Die von Sarrazin vertretenen Ansichten sind nicht neu. Und wenn doch, dann werden krude Zusammenhänge hergestellt."
Peter Bofinger,
Wirtschaftsweiser