Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 6 March 2012


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Banken kaufen Schulden zurück
Die Commerzbank hat bei der Stärkung ihrer Kapitaldecke einen weiteren Schritt nach vorne gemacht - und offenbar die Anleger vergrätzt. Der Tausch von nachrangigen Anleihen in Aktien brachte dem Geldhaus 776 Millionen Euro ein, verwässerte aber die Anteile bisheriger Aktionäre. » (Handelsblatt » Spiegel) Weil Hybridanleihen künftig nicht mehr als Kernkapital gelten, kaufen Europas Banken diese Papiere kräftig zurück, erläutert die » Financial Times Deutschland. Letztlich musste sich die Commerzbank aber mit deutlich weniger zufriedengeben. "Das ist kein Geniestreich, aber auch kein Weltuntergang", sagte Analyst Ingo Frommen von der Landesbank Baden-Württemberg dem » Wall Street Journal Deutschland. Aus seiner Sicht ist das Thema für die Commerzbank damit abgeschlossen. Einen weiteren Tausch von Anleihen in Aktien dürfte es nicht mehr geben. Die Stärkung des Eigenkapitals beschäftigt auch andere Banken: Mit Erster Bank, der Raiffeisen Bank International und der Hypo Alpe Adria wollen drei österreichische Institute Papiere im Volumen von insgesamt gut 1,7 Milliarden Euro zurückholen. In Großbritannien machte die Royal Bank of Scotland ein Rückkaufangebot, in Deutschland zuletzt die HSH Nordbank.Gestern gab auch die Schweizer Großbank Credit Suisse bekannt, nachrangiges Kapital zurücknehmen zu wollen. Dabei geht es um eine Summe in Höhe von vier rund Milliarden Euro. » (Wall Street Journal)
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NEWS
Mitmachen beim Schuldenerlass
Zwölf Banken und Versicherungen erlassen Griechenland einen Teil seiner Schulden. Dazu gehören unter anderem die Allianz, die Commerzbank und die Deutsche Bank. Mit im Boot sei auch die Münchner FMS Wertmanagement, in der die Milliardenrisiken der verstaatlichten Hypo Real Estate gebündelt sind. Experten gehen davon aus, dass sich auch die übrigen Landesbanken wie die bislang nicht erwähnte Landesbank Baden-Württemberg beteiligen. » (Handelsblatt » Wall Street Journal » Manager Magazin » Spiegel) Für das österreichische » Wirtschaftsblatt ist die Teilnahme der Banken "so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition". Der Schuldenschnitt Griechenlands wird laut » Handelsblatt beim verstaatlichten österreichischen Gemeindefinanzierer Kommunalkredit ein dickes Loch in die Finanzierung reißen. Experten rechnen mit Hilfsbedarf von einer Milliarde Euro. » Bloomberg Businessweek beschäftigt sich mit der geheimen Goldman-Sachs-Anleihe für Griechenland aus vergangenen Jahren: "Es war von Anfang an ein teurer Fehler"
"Mangelhaft" für Anlegerschutz-Pläne
Die Regierung will den Anlegerschutz verbessern. Nicht mit einem Finanz-Tüv und auch nicht mit einer strengeren Finanzaufsicht. Stattdessen soll es die Stiftung Warentest richten. Sie bekommt 1,5 Millionen Euro für neue Tests. Doch selbst Verbraucherschützer sehen das anders. Um die Anleger vor schlechten Finanzprodukten zu schützen, reiche die Ausweitung der Tests nicht aus, findet Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen » (Tagesspiegel). Laut » Welt gibt Billen der Bundesregierung für diese Pläne sogar die Note "Mangelhaft". "Etwas verkürzt dürfte dies auf eine Art Ampelsystem für den Risikogehalt von Anlageprodukten hinauslaufen, das Verbraucherschützer so sehr wünschen", kommentiert die » Börsen-Zeitung. "Wie alle Simplifizierungen schafft es aber nur vermeintlich Klarheit und Sicherheit."
Widerstand gegen neue Regeln
Unter den Aufsichtsbehörden in den USA wächst der Widerstand gegen ein Kernstück der Neuregulierung der Wall Street nach der Finanzkrise. Die Volcker-Regel, mit der den Banken der Wertpapierhandel auf eigene Rechnung verboten werden soll, halten nun sogar Vorstandsmitglieder der Börsenaufsicht SEC für gefährlich.
» Handelsblatt
Shortcuts aus der Finanzbranche
Bei der internationalen Großrazzia wegen Kursmanipulation am vergangenen Mittwoch (FinanceToday berichtete) wurden offenbar unter anderem die Münchner VEM Aktienbank, der Investor Verlag des Bonner Verlegers Norman Rentrop und Privaträume eines früheren Mitarbeiters des Münchner Anlegermagazins Focus Money durchsucht. » Wiwo Zustimmung vom Nationalrat: Die Schweiz will den USA künftig in Fällen von Steuerhinterziehung auch bei Gruppenanfragen Amtshilfe leisten, also bei Anfragen, die sich auf eine Gruppe von nicht einzeln identifizierten Personen bezieht. » HZ Ungarn bekämpft die Schuldenkrise dilettantisch - die Exportstärke deutscher Unternehmen ist der einzige Lichtblick. » Wiwo Die Schweizer Börse hat den Systemausfall vom 13. Januar 2012 analysiert. » Finenews Die Liechtensteiner Bank Paschke weigert sich seit drei Monaten, so jedenfalls lautet der Vorwurf ihres größten Kunden, etwa 20 Millionen Euro an Kundengeld, das ihr als Depotbank anvertraut war, freizugeben. » HB Die Pläne der US-Kontrollbehörde SEC zur Regulierung der Fondsindustrie stoßen auf Widerstand. » WSJ Die Kooperation zwischen der Raiffeisen-Gruppe und der Privatbank Vontobel ist belastet: Vontobel soll schuld sein am negativen Ergebnis der "Bauernbank". » Finenews Goldman Sachs hat in Asien zum ersten Mal seit 2008 einen Verlust gemeldet. » WSJ Eine Reihe großer europäischer Banken nutzt die billigen Kredite der Europäischen Zentralbank, um sich vor neuen Problemen ihrer Töchter in den kriselnden Euro-Staaten zu schützen. » (WSJ D » WSJ)
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FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Langeweile senkt den IQ
Dieser Text dürfte in dieser Woche in diversen Konferenzräumen von Mitarbeitern unkommentiert ausgehängt werden: Die » Financial Times Deutschland verweist auf eine Studie, nachdem wir in Gruppen weniger intelligent sind als allein. Begründung: "Wenn wir mit Menschen zusammen sind, die wir für intelligenter halten als uns selbst, dann werden wir dümmer, als wir es normalerweise sind." Die Autorin des Artikels macht sich einerseits Sorgen darüber, dass bei den Frauen, die jetzt in Vorstände und Aufsichtsräte drängten, der Intelligenzquotient abzusacken drohe, sobald sie das Sitzungszimmer beträten. Erfreut zeigt sich die Autorin dagegen darüber, dass diese Studie der Beweis dafür sei, dass man in vielen Sitzungen nur verblöde. Besonders Langeweile senke den IQ.
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Titel: Das Comeback der US-Wirtschaft
Politik: Die Frauenquote kommt. Vielleicht!
Unternehmen: Kampf um die Golf-Klasse
Finanzen: Notfallpläne für den Tag X
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INSIDER-BAROMETER - Transaktionen der Top-Manager
Insider erwarten schwächere Entwicklung
Im vergangenen Jahr fielen nach einem positiven Jahresauftakt die Kurse ab März. Angesichts der gestiegenen Kurse könnte sich das auch dieses Jahr wiederholen. Die Insider nehmen diese Entwicklung zum Teil vorweg, so ist das Insider-Barometer vergangene Woche auf 114 Punkte gefallen. Den größten Kauf gab es bei einem Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien: Bei Centrotec hat Vorstandsvorsitzender Huismann Aktien für mehrere hundert Tausend Euro gekauft - trotz der starken Subventionskürzungen in der Solarbranche. Centrotec hatte ihren Solaranteil bereits aus dem Unternehmen gegliedert - hält aber weiterhin einen substantiellen Anteil daran. Das Management hat das vergleichsweise günstige Kursniveau zu einem Positionsausbau genutzt. Die beiden größten Verkäufe gab es bei Gea (absolut gesehen) und Atoss Software (relativ gesehen). Interessant: Sowohl die Aktie von Gea als auch von Atoss notieren nahe ihren 10-Jahres-Höchstständen - also ein antizyklische Investition. Obwohl die aktuellen fundamentalen Daten der beiden Unternehmen auf eine positive Zukunft hindeuten, sollten Anleger die weiteren Entwicklungen beobachten und ggf. über Gewinnmitnahmen nachdenken.
» Handelsblatt-Rubrik
MENSCHEN UND MEINUNGEN
Kampf um Grundsatzurteil
Sarah T., nach einem Autounfall schwerbehindert, zieht gegen den Versicherer Generali nun vor den Bundesgerichtshof. Sie will eine Kapitalabfindung in Höhe von 7,2 Millionen Euro - die höchste, die je von einem Unfallopfer gefordert wurde. Generali will aber keine Abschlagszahlung, sondern nur eine übliche "Rentenlösung".
» FTD
Der neue Index für Milliardäre
Carlos Slim, mexikanischer Telekom-Unternehmer, ist der reichste Mann der Welt, gefolgt von Bill Gates und Warren Buffett. Das ist das Ergebnis des neu berechneten » "Bloomberg Billionaires Index". Reichster Europäer ist Ikea-Gründer und Eigentümer Ingvar Kamprad. Sein Vermögen wird derzeit auf mehr als 40 Milliarden Dollar geschätzt. » (Süddeutsche Zeitung » Bloomberg) Die » Wiener Zeitung beschäftigt sich ebenfalls mit Ikea - allerdings mit einem ganz anderen Thema. Sie geht der Frage nach, ob bei Ikea Frankreich systematische Bespitzelungen von Kunden und Mitarbeitern stattgefunden haben.
Selbstmordgedanken eines Händlers
Asif Mohamedali, ehemaliger Händler der Credit Suisse, hat vor drei Jahren an einem einzigen Tag einen Handelsverlust in der Höhe von 25 Millionen Franken erzielt - und wurde anschließend entlassen. Nun ist er mit seiner Klage gegen die Kündigung gescheitert. Er sei gemobbt und gefeuert worden, als er seinem Boss anvertraute, er wolle sich umbringen. Doch das Gericht glaubte ihm nicht.
» Telegraph » Businessinsider
Selbstmordgedanken eines Börsengurus
Marc Faber, Ökonom, schlägt sich nun sogar mit Selbstmordgedanken herum, Anlass dafür gibt ihm die verworrene Weltlage. Ein Grund allen Übels war laut Faber die Rettung des LTCM-Fonds im Jahr 1998. Seit damals hoffen Spekulanten mit Schieflagen und entsprechender systemrelevanter Größe (oder Vernetzung) auf den "Greenspan-Put" und staatliche Hilfe im Falle des Falles. Greenspans Nachfolger sei keinen Deut besser und es gebe nun einen "Greenspan-Put mit noch höherem Strike".
» Institutional Money
Gericht arbeitet Finanzkrise auf
Geir Haard, Ex-Regierungschef von Island, ist der erste Spitzenpolitiker, der sich wegen der Finanzkrise vor Gericht verantworten muss. Er wird beschuldigt, bei der Rettung der drei größten Banken des Landes versagt zu haben. Der Politiker weist das zurück, niemand habe das Ausmaß der Krise ahnen können.
» Spiegel
Soros teure Ex-Freundin
George Soros, Star-Investor im Alter von 81 Jahren, hat Probleme mit seiner 28-jährigen Ex-Freundin Adriana Ferreyr, berichtet » Bild. Die brasilianische Serien-Schauspielerin will den berühmten Spekulanten verklagen. Sie fordert 50 Millionen Dollar Schadenersatz. Der Grund: Soros habe ihr ein Millionengeschenk vorenthalten - eine Wohnung im New Yorker Nobelstadtteil Upper East Side im Wert von 1,9 Millionen Dollar. Außerdem sei sie von ihm geschlagen worden.
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Gewerkschaft im Hort des Kapitalismus
Goldman-Sachs-Vorstandschef Lloyd Blankfein meinte einmal, man verrichte das "Werk Gottes". Was sich aber in der Tokioter Dependance mit 1300 Mitarbeitern abspielt, dürfte ihn wohl eher an eine "Hölle" erinnern: Die dortigen Mitarbeiter haben weltweit die erste Goldman-Sachs-Gewerkschaft gegründet, berichtet die » FTD. Der Grund ist einfach. Viele Angestellte haben nach dem atomaren Super-GAU im März des vergangenen Jahres nur noch einen nachvollziehbaren Wunsch: raus aus dem Land. Doch die US-Zentrale sperrt sich dagegen, also wurde eine Gewerkschaft gegründet. Mittlerweile erfolgten die ersten Kündigungen, die von Goldman-Neugewerkschaftlern ganz anders gesehen werden. Man stört sich nur an den Umständen eines drohenden Rauswurfs. Grundsätzlich seien Kündigungen "völlig okay".