Roberto Abraham Scaruffi

Wednesday, 21 March 2012


Mittwoch, 21. März 2012
Guten Morgen,
"Die Russland-Connection der EnBW" ist zum zweiten Mal das Titelthema unserer Zeitung. Unsere Recherchen haben neue Details und zwei Fotos zutage gefördert, die den Russen Andrej Bykow zeigen, einen der Schattenmänner in den deutsch-russischen Beziehungen. Die Partnerschaft zwischen dem Energiekonzern EnBW und dem russischen Geschäftsmann reicht zurück bis in die Zeit von EnBW-Vorstandschef Gerhard Goll. Insgesamt flossen mindestens 131 Millionen Euro - offenbar ohne handfeste Gegenleistung. Die Lektüre sei allen Leserinnen und Lesern empfohlen, insbesondere aber den fleißigen Mitarbeitern der auf Wirtschaftskriminalität spezialisierten Staatsanwaltschaft in Mannheim.

China wächst, aber langsamer: Pessimistische Aussichten für den weltgrößten Fahrzeugmarkt haben gestern die Anleger unruhig werden lassen. Daimler-Aktien gaben vier Prozent nach, BMW-Aktien verloren fast fünf Prozent. China ist einer der wichtigsten Märkte für die deutschen Hersteller. Ohne die Chinageschäfte geht in Stuttgart, Wolfsburg und München nicht das Licht aus, aber es würde dunkler.

Die EU-Kommission reicht eine neue Klage ein, um Niedersachsens Sperrminorität bei VW zu Fall zu bringen. Diese Liebe zur Marktwirtschaft wäre lobenswert, wenn sie nicht von der EU-Kommission käme. Hier verwundert es eher, dass ausgerechnet die EU-Kommissare, zu deren Instrumentenkasten die Banken-Verstaatlichung, die Installation von Billionen-Rettungsschirmen und die Koordinierung von Wirtschaftspolitik gehören, sich so puristisch geben. Vielleicht sollte die EU-Bürokratie mit der Zurückdrängung von Staatlichkeit bei sich selbst beginnen.

Meine New Yorker Kollegen hatten - als sie zum Interview in die Zentrale von Goldman Sachs fuhren - so viel Pessimismus nicht erwartet: Trotz guter Wirtschaftsdaten rechnet Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs, nicht mit einem starken Comeback der USA. Früher galt es als unpatriotisch, so realistisch zu sein.

Es klingt verrückt, ist es aber nicht: Was wir draußen auf der Straße sehen - Gebäude, Brücken, Fabriken - ist nicht die Gegenwart. Was wir sehen, ist eine Aufnahme aus der Vergangenheit. Die schleichende Erosion dieser Vergangenheit sieht man nicht - oder erst deutlich später. So investiert der deutsche Staat - ohne dass es von den Bürgern bemerkt wird - weit weniger als die bestehende Infrastruktur bräuchte, um erhalten zu bleiben. Die Investitionsquote sinkt seit vielen, vielen Jahren. Die Wirtschaft ist alarmiert. Wir dokumentieren auf einer Sonderseite den Verschleiß von Straßen, Schulen, Brücken, öffentlichen Bauwerken und Bahnstrecken.

Das Bundeskabinett will heute die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2013 sowie den Finanzplan bis 2016 beschließen. Finanzminister Wolfgang Schäuble wird als Häuptling Gespaltene Zunge vor uns treten. Einmal mehr dürfte er die "Schuldenbremse" empfehlen. Das ist gut so. Danach aber wird er einen Nachtragshaushalt vorlegen, weil die Schulden wieder schneller steigen als von ihm geplant. Der Minister hat eben beides im Angebot: den Wunsch und die Wirklichkeit.

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst gehen heute weiter. Schwerpunkt ist diesmal Nordrhein-Westfalen. In Köln, Düsseldorf und vielen Ruhrgebietsstädten soll der öffentliche Nahverkehr den ganzen Tag weitgehend lahmgelegt werden. Kommunale Kitas, Ämter und Bäder bleiben geschlossen. Bestreikt werden auch Müllabfuhren, Theater, Sparkassen und Jobcenter.

Nur bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) wird nicht mehr gestreikt, sondern gestorben: In gut 100 Tagen soll die Bank zerschlagen sein. Der Stellenabbau ist so massiv wie die Bilanzverluste. Heute stellt der Vorstand das letzte Zahlenwerk der einstigen sozialdemokratischen Vorzeigeinstitution vor. Wir erleben den Anfang vom Ende der SPD-LB.

Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
21032012_HBTitel.jpg


Gabor Steingart
Chefredakteur
Banner_bnr_01.png
21032012_Online.jpg
EINSATZ NACH MORDSERIE
Elitepolizisten stellen Terrorverdächtigen in Toulouse
Nach einem schweren Schusswechsel belagert ein Sondereinsatzkommando der Polizei ein Haus in Toulouse. Der darin verschanzte Mann könnte der gesuchte Täter der jüngsten Mordserie sein - und soll zu Al-Kaida gehören. Mehr...
presseschau02.jpg
FÜR SIE GELESEN
Die Handelsblatt-Presseschau
Die Deutsche Bank kommt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Aktuell widmen sich die Medien kritisch dem Nachhaltigkeitsbericht, den Ermittlungen wegen Zinssatz-Manipulation und der Kalkulation ihrer rechtlichen Risiken durch die Bank. Mehr...
LESERFAVORITEN
1. STEUERHINTERZIEHUNG
Schwarzgeld-Schmuggler fliegen reihenweise auf
 Facebook
2. BÜRGERVERSICHERUNG
Private Krankenversicherer kämpfen ums Überleben
 Facebook
3. EDELMETALL-HANDEL
Der geheime Goldspeicher der Deutschen Bank
 Facebook
4. ZERSCHLAGENE LANDESBANK
Der bittere Abgang der WestLB
 Facebook
5. SCHULDENSCHNITT
Wette auf Griechenland-Pleite zahlt sich aus
 Facebook
Banner_bnr_02.png
DAX-AUSBLICK
Dax richtet sich auf leichte Gewinne ein
Autoaktien führten den Deutschen Aktienindex gestern in die Verlustzone. Doch ein dramatischer Einbruch war das nicht. Heute könnte es wieder aufwärts gehen. Mehr...
BÖRSE TOKIO
Schlechte Stimmung an der japanischen Börse
In Folge negativer Vorgaben der Wall Street und Gewinnmitnahmen hat die Tokioter Börse am Mittwoch schwächer tendiert. Die möglichen Auswirkungen eines geringeren Wachstums in China hat auch die Börsianer in Japan verstimmt. Mehr...
BÖRSE NEW YORK
Sorgen um Chinas Konjunktur bremsen Wall Street
Die Wall Street reagierte verschnupft auf mögliche Auswirkungen eines geringeren Wachstums in China. Nach Tagen der Rally ist Ruhe an den Markt eingekehrt. Die US-Börsen haben mit leichten Verlusten geschlossen. Mehr...
Wallstreet01.jpg
VIDEO
Marktbericht Wall Street
Frankfurt02.jpg
VIDEO
Börse Frankfurt
Analyser-to-go.jpg
VIDEO
Analyser to go
trenner_white.gif
trenner_anzeige.jpg
HB_3Mon_Steakmesserset_610x165.jpg
Banner_bnr_04.png
ÖFFENTLICHER DIENST
Zweite Warnstreikwelle trifft Nordrhein-Westfalen
Nichts geht mehr in Nordrhein-Westfalen - mit der nächsten Streikwelle im öffentlichen Dienst will die Gewerkschaft Verdi den öffentlichen Nahverkehr in NRW lahmlegen. Und Kitas sollen auch geschlossen bleiben. Mehr...
TERMINE DES TAGES
Kabinett berät Schäubles Haushaltspläne
Das Bundeskabinett will die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2013 sowie den Finanzplan bis 2016 beschließen. Demnach will Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Schulden schneller abbauen als bisher geplant. Im kommenden Jahr soll die Neuverschuldung auf 19,6 Milliarden Euro gedrückt werden - bei Gesamtausgaben von 300,7 Milliarden Euro. In diesem Jahr steigt die Nettokreditaufnahme durch die Finanzierung des künftigen Euro-Rettungsschirms ESM auf 34,8 Milliarden Euro. Wegen der ESM-Finanzspritzen ist ein Nachtragshaushalt fällig, der heute ebenfalls vom Kabinett beschlossen werden soll.

Douglas steht auf Hauptversammlung Rede und Antwort
Der Handelskonzern Douglas stellt sich auf der Hauptversammlung seinen Aktionären. Nach turbulenten Wochen gibt es Erklärungsbedarf. Die Anteilseigner wollen wissen, was mit der sanierungsbedürftigen Buchtochter Thalia geschieht, und ob der Konzern möglicherweise mit Hilfe von Investoren von der Börse genommen wird.

Letzte Jahresbilanz der WestLB
Bankchef Dietrich Voigtländer stellt die Geschäftszahlen der WestLB für 2011 vor. Es ist die letzte volle Jahresbilanz der Landesbank von Nordrhein-Westfalen. Die WestLB wird bereits in gut 100 Tagen zum 30. Juni in mehrere Teile zerschlagen - eine Folge von Beihilfen. Der Bankkonzern musste in der Finanzmarktkrise mit milliardenschweren Rettungspaketen stabilisiert werden. In den Geschäftsjahren 2009 und 2010 war die Bankbilanz tiefrot. Die Verluste beliefen sich jeweils auf eine dreistellige Millionenhöhe.

Russischer Außenminister Lawrow zu Dreier-Treffen in Berlin
Die Außenminister aus Russland, Polen und Deutschland treffen sich zu Gesprächen in Berlin. Die Dreier-Begegnung soll dazu dienen, Vertrauen zu schaffen und die Zusammenarbeit auszubauen. Ein weiteres Thema der Gespräche von Außenminister Guido Westerwelle mit seinen Amtskollegen Radoslaw Sikorski aus Polen und Sergej Lawrow aus Russland soll die Entwicklung in Syrien sein.
Banner_bnr_05.png
TERMIN DES TAGES
Inditex hält Wachstumstempo hoch
Wie lange kann der spanische Weltmarktführer im Textilhandel und Inhaber der Marke Zara der Konkurrenz enteilen und konjunkturelle Hürden mühelos überwinden? Diese Frage werden sich auch heute wieder die Anleger stellen, wenn Inditex über den Verlauf des zurückliegenden Geschäftsjahres berichtet. Analysten rechnen mit einem knapp elf Prozent höheren Nettogewinn von gut 1,9 Milliarden Euro für das Ende Januar abgelaufene Geschäftsjahr. Der Umsatz dürfte beinahe ebenso stark auf knapp 13,8 Milliarden Euro gestiegen sein, und die Aktie notiert nahe ihres historischen Hochs.
Banner_bnr_06.png
NACH ANSCHLAG
Opfer von Toulouse werden in Israel bestattet
Nach den kaltblütigen Morden steht Frankreich weiter unter Schock. Die Justiz spricht von Terrorakten. Mehr...
USA
Romney zementiert Favoritenstatus mit US-Vorwahlsieg in Illinois
Für Mitt Romney sieht es immer besser aus. Er konnte auch die US-Vorwahlen in Illinois für sich entscheiden - und zeichnet sich allmählich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner ab. Mehr...
SOFTWARE-HERSTELLER
Oracle steigert Quartalsgewinn deutlich
Nach einem enttäuschenden Quartal hat der SAP-Konkurrent Oracle nun wieder die Markterwartungen übertroffen. Während die Software-Sparte wie gewohnt wächst, macht das Geschäft mit Servern jedoch Probleme. Mehr...
NUR GERINGE STRAFZÖLLE
US-Regierung enttäuscht Solarfirmen
Das amerikanische Handelsministerium verhängt nur minimale Sonderzölle gegen chinesische Solarfirmen. Die deutsche Solarworld hofft nun auf härtere Strafen für die Chinesen, die im Mai kommen sollen. Mehr...
Banner_bnr_07.png
21032012_Kari.jpg
WORTE DES TAGES

"Es kann nicht so bleiben, dass dauerhaft nur nach der Himmelsrichtung entschieden wird, wohin Gelder fließen."
Christian Lindner,
FDP-Spitzenkandidat in NRW zum Solidarpakt Ost

"Wenn die Kürzung so durchgeht, ist die gesamte Branche gezwungen, unter ihren Kosten zu verkaufen. Das halten wir nicht lange durch."
Frank Asbeck,
Solarworld-Chef