Roberto Abraham Scaruffi

Monday, 5 March 2012


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Weidmanns Wut und Draghis Unheil
Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann (Foto links) hat mit seinem Appell, die Forderungen zwischen den Notenbanken besser absichern zu lassen, eine kontroverse Debatte ausgelöst. Im EZB-Schattenrat habe Weidmann mit seinem Vorstoß viel Kritik geerntet, berichtet das » Handelsblatt. Der » Spiegel hat sich in der EZB-Spitze selbst umgehört, die Weidmanns Einwand als "verheerendes Signal" werte. Denn die Bundesbank räume erstmals ein, dass sie "ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone nicht ausschließt". Das » Handelsblatt selbst nimmt Weidmann in Schutz. Dass EZB-Chef Mario Draghi (rechts) mit drei Geldkanonen die Euro-Krise bekämpfe, zeige nur, dass die Euro-Retter aus der Notenbank jedes Maß verloren hätten. Auch Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn gibt Weidmann Rückendeckung. "Er hat einen verantwortlichen Standpunkt eingenommen, und ich hoffe sehr, dass die Politiker es nun auch tun", zitiert die » Süddeutsche Zeitung Sinn. Der angebliche Streit zwischen Weidmann und Mario Draghi ist nach Einschätzung der » Financial Times Deutschland nur ein Scheinmanöver, das Weidmanns geschwächte Position bei der alten Garde in Frankfurt verbessern solle. Dagegen meint das » Wall Street Journal , die Auseinandersetzung schwäche die EZB im Kampf gegen die Krise. Die EZB habe keine andere Wahl, als die Märkte mit billigem Geld zu fluten, versichert das » Wirtschaftsblatt. "Wer einen Brand löschen muss, philosophiert besser nicht über Verschwendung von Trinkwasser." » Forbes schlägt Fed-Chef Ben Bernanke und Draghi als Nobelpreisträger vor, weil die Zentralbanker eine weitere Kernschmelze verhindert hätten.
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NEWS
50 Milliarden Euro plus
Nach » Spiegel-Informationen hält die Troika ein drittes Milliarden-Rettungspaket für Griechenland für erforderlich. Es sei nach Ansicht von Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds nicht garantiert, dass sich das von der Staatspleite bedrohte Euro-Land wie geplant schon 2015 wieder selbstständig Kredite besorgen könne. Der » Spiegel berichtet außerdem, dass die Europäische Zentralbank davon ausgeht, dass sich zu wenige private Gläubiger freiwillig am Schuldenerlass für Griechenland beteiligen. Kein Wunder, dass Moody's die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf die niedrigste Stufe gesenkt hat, die die Rating-Agentur zu vergeben hat » (NZZ).
Wegen Anlegerbetrug vor dem Kadi?
Nachdem die Credit Suisse Papiere des betrügerischen Finanzdienstleisters National Century Financial Enterprises verkaufte, droht den Schweizern ein teurer Schadenersatzprozess wegen mangelhafter Beratung der Anleger. Zu den geprellten Investoren gehören Unternehmen wie Pimco und BayernLB.
» Financial Times Deutschland » Handelszeitung
Kaderschmiede und Parteienfinanzierung
Die Credit Suisse sorgt aktuell auch bei anderen Themen für Schlagzeilen. » Finenews fällt auf, dass viele CS-Mitarbeiter im Laufe der Zeit eine Führungsposition bei einer anderen Bank übernommen hätten, darunter Stephen Hester (CEO der Royal Bank of Scotland), Hans-Jörg Rudloff (Chairman von Barclays Capital) und John J. Mack (bis vor kurzem Chairman der US-Investmentbank Morgan Stanley). Die » Sonntagszeitung vermeldet, dass die CS künftig ähnlich wie die Raiffeisen-Gruppe ein Fixum (gut eine Million Franken pro Jahr) an alle Schweizer Parteien ausschüttet - ein transparentes Modell der Parteienfinanzierung.
Facebook am Haken?
Facebook will für den geplanten Börsengang offenbar weitere Banken als Berater engagieren: Neben der Credit Suisse und Citigroup habe auch die Deutsche Bank gute Karten, meldet die » Financial Times. Laut früheren Angaben sollen Morgan Stanley, Goldman Sachs sowie JP Morgan Hauptkonsortialführer beim fünf Milliarden Dollar schweren IPO sein.
AIG: Alles muss raus
Der US-Versicherer AIG verkauft einen 500 Millionen Dollar schweren Anteil an der Private-Equity-Firma Blackstone. Fast zeitgleich wird bekannt, dass sich AIG von einem Anteil am asiatischen Versicherer AIA im Wert von sechs Milliarden Dollar trennt. Gemeinsamer Nenner der Verkäufe: AIG will einen Teil der Schulden (insgesamt ursprünglich 182 Milliarden Dollar) an den Fiskus zurückzahlen
» Wall Street Journal » WSJ2
Das Einmaleins der Jongleure
Die verschiedenen Bilanzierungsstandards ernten neue Kritik. Die » Zeit verweist auf das Beispiel der Commerzbank, die je nach Methode für 2011 einen Gewinn von 638 Millionen Euro (internationale Bilanzierungsvorschriften IFRS) und Verlust von 3,6 Milliarden Euro (deutsches Handelsgesetzbuch) bilanzierte. "Schöner kann man es gar nicht zeigen, wie man mit den IFRS Bilanzpolitik machen kann", zitieren die Hamburger den Saarbrücker Wirtschaftsprofessor Karlheinz Küting. "Das passt den Jongleuren gut in den Kram."
Shortcuts aus der Finanzbranche
Das Gericht der Europäischen Union hat eine Entscheidung der EU-Kommission zu Staatshilfen für die niederländische ING gekippt. » FTD Bei der WestLB bereitet man sich auf die Zerschlagung bis zur Jahresmitte vor, Bleibeprämien sollen wichtige Mitarbeiter an Bord halten. » Rheinische Post Die Bezieher und Anwartschaftsberechtigten von Pensionen der Österreichischen Notenbank müssen mindestens drei Prozent Abschlag hinnehmen. » Standard William Bryan Jennings, hochrangiger Manager bei Morgan Stanley, soll einen New Yorker Taxifahrer mit einem Messer angegriffen haben. » FT Die Bundesregierung will Verbraucher besser vor riskanten Finanzprodukten schützen, die Stiftung Warentest soll künftig im Auftrag des Staates Finanzprodukte prüfen und bewerten. » HB Die Europäische Aufsicht für Wertpapiere will sich bei Verboten von Leerverkäufen künftig über nationale Aufseher hinwegsetzen. » FTD
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FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Shortcuts aus der Finanzbranche
... Die Comdirect macht einen Kunden für einen halben Tag zum 200-fachen-Millionär - und buchte für die Stunden, die der Kunde über das Geld verfügte, 12.000 Euro Zinsen bei ihm ab. » HB ...
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MENSCHEN UND MEINUNGEN
Kurswechsel bei der Citi?
Richard D. Parsons, Ex-CEO von Time Warner und zuletzt Chairman der Citigroup, nimmt nach 16 Jahren seinen Hut. Das » Wall Street Journal geht davon aus, dass Michael E. O'Neill, Ex-Chef der Bank of Hawaii, vom Board als Nachfolger gekürt wird. Da Vikram Pandit als CEO bleibe, sei nicht mit einem grundlegenden Kurswechsel zu rechnen.
Weitere Links: » New York Times » Financial Times
Karriere bei der Mutter
Marc Heß, Postbank-Finanzvorstand, macht beim Eigentümer Deutsche Bank Karriere. Der 38-Jährige ist in gleicher Funktion vom 1. Juli an für die gesamte Privat- und Geschäftskundensparte des Konzerns zuständig. Er löst in dieser Funktion Roland Folz ab, der sich auf die regionale Verantwortung für die Finanzen in Europa, im Mittleren Osten und in Afrika konzentrieren soll.
» Handelsblatt
In Ungarn gestolpert
Peter Dieckmann und Ludwig Schott, Vorstände beim Spezialfinanzierer VR Leasing, müssen ihren Hut nehmen. Den Ausschlag gegeben hat offenbar die Tatsache, dass die Tochter von DZ Bank und WGZ Bank kürzlich tiefrote Zahlen präsentierte. Hohe Ausfallraten in Ungarn hätten die VR Leasing in die Verlustzone gedrückt, berichtet die » Börsen-Zeitung.
Adieu Aktiengeschäft
Christian Steffens, Co-Head of Global Capital Markets bei Unicredit, rechnet damit, dass sich Banken mangels Ertragskraft zunehmend vom Aktien-Research und dem klassischen Aktiengeschäft abwenden. Die Italiener hatten im November ihr westeuropäisches Research und Sales an den unabhängigen Broker Kepler Capital Markets ausgelagert, rekapituliert die » Börsen-Zeitung.
Clinton ist kein Muss
Robert Zoellick gibt im Juni sein Amt als Präsident der Weltbank auf. Arvind Subramanian, indischer Nationalökonom, spricht sich in der » Handelszeitung dafür aus, bei der Nachfolger-Suche auch abseits von Hillary Clinton Ausschau zu halten. Zu den Kandidaten des Inders gehören der brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, die nigerianische Wirtschaftszarin Ngozi Okonjo-Iweala und der ehemalige indische Software-Unternehmer Nandan Nilekani.
Abkehr von der Abgeltungsteuer
Pierin Vincenz, Raiffeisen-Chef, plädiert dafür, sich mittelfristig auf einen automatischen Informationsaustausch in Steuersachen einzustellen, statt Abgeltungsteuerabkommen abzuschließen. Nach Einschätzung der » Sonntagszeitung gewinnt Vincenz' Lager immer mehr Anhänger, allerdings wollten sich andere Topbanker bislang nicht öffentlich zu Wort melden. Dies habe primär mit den Altlasten zu tun: "Die Banken wollen Kunden, die bei ihnen noch unversteuerte Vermögen halten, Zeit verschaffen, um eine Lösung für ihre Gelder zu finden."
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Langeweile senkt den IQ
Dieser Text dürfte in dieser Woche in diversen Konferenzräumen von Mitarbeitern unkommentiert ausgehängt werden: Die » Financial Times Deutschland verweist auf eine Studie, nachdem wir in Gruppen weniger intelligent sind als allein. Begründung: "Wenn wir mit Menschen zusammen sind, die wir für intelligenter halten als uns selbst, dann werden wir dümmer, als wir es normalerweise sind." Die Autorin des Artikels macht sich einerseits Sorgen darüber, dass bei den Frauen, die jetzt in Vorstände und Aufsichtsräte drängten, der Intelligenzquotient abzusacken drohe, sobald sie das Sitzungszimmer beträten. Erfreut zeigt sich die Autorin dagegen darüber, dass diese Studie der Beweis dafür sei, dass man in vielen Sitzungen nur verblöde. Besonders Langeweile senke den IQ.