Roberto Abraham Scaruffi

Monday, 20 February 2012


Montag, 20. Februar 2012
Guten Morgen,
die Klügere gibt nach: Angela Merkel hat gestern Abend ihren Widerstand gegen Joachim Gauck als neues Staatsoberhaupt aufgegeben. Der 72-jährige Kirchenmann und Bürgerrechtler wird nun der elfte Präsident der Bundesrepublik. Nach den alten Regeln der Parteipolitik hätte der Kandidat von SPD und Grünen niemals eine Chance gehabt, auch die Unterstützung durch die magersüchtige FDP wäre eher ein Grund für seine Ablehnung gewesen. Aber: Merkel nutzt die Chance, sich als die große Versöhnerin zu präsentieren. SPD und Grüne dürften enttäuscht sein. Jetzt fehlt ihnen schon wieder ein Thema.

Deutschland aber darf sich glücklich schätzen. Gauck ist ein Mann mit großen Überzeugungen, bürgerlichen Überzeugungen muss man sogar sagen. Freiheit ist für ihn "das Allerwichtigste" im Zusammenleben, schreibt er in seinem neuen Buch, das heute der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Viele im Lande hätten dagegen eine geheime Verfassung im Kopf, deren erster Artikel laute: "Die Besitzstandwahrung ist unantastbar."

Gauck widerspricht auch all jenen, die Toleranz als Gleichgültigkeit gegenüber den eigenen Werten missverstehen. Er schreibt: "Ich glaube nicht, wie es in einigen Teilen meiner neuen Berliner Heimat inzwischen üblich ist, dass derjenige, dem alles egal ist, den Preis für Toleranz verdient. Gleichgültigkeit ist vielmehr ein anderer Name für Verantwortungslosigkeit."

Auch in die Kapitalismusdebatte mischt er sich mit wohltuendem Ton ein. Demokratie und Marktwirtschaft hätten Mängel, bedürften der Verbesserung: "Aber die Marktwirtschaft ist ein lernfähiges System, das Vorbildcharakter hat." Es gebe, schreibt er der SPD und den Linken ins Stammbuch, keinen Grund, eine neue Variante von Antikapitalismus in die politische Debatte einzubringen.

An einer Stelle schreibt er: "Wir wissen, dass wir besonders dann glaubwürdig sind, wenn wir uns zu erkennen geben." Gauck gibt sich zu erkennen. Er hat es in der DDR getan und tut es heute immer noch. Der Parteienstaat Bundesrepublik kann von ihm vieles erwarten - nur kein Duckmäusertum. Für ein paar Annehmlichkeiten - das ist in seinem Fall aktenkundig - ist dieser Joachim Gauck nicht zu haben. Ein von ihm geführtes Bundespräsidialamt ist weder das Vorzimmer der Kanzlerin, noch die Filiale eines Lobbyverbandes. Möge dieser unabhängige Mann nun auch ein großer Präsident werden.

Das wünscht ihm und uns Ihr


Gabor Steingart
Chefredakteur
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PROTESTE IN ATHEN
Zusammenstöße nach Sparbeschlüssen
Am Tag vor dem wohl entscheidenden Treffen der Euro-Finanzminister ebbt die Unmut über die Sparbeschlüsse in Griechenland nicht ab: Tausende haben am Sonntag friedlich demonstriert, bevor die Situation am Abend eskalierte. Mehr...
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Euro-Gruppe will über Rettungsplan für Griechenland entscheiden
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Carlsberg verdient deutlich mehr
Der dänische Braukonzern, der über das vierte Quartal 2011 berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten seinen operativen Gewinn um 65 Prozent auf umgerechnet 258 Millionen Euro gesteigert. Die deutliche Gewinnsteigerung sei vor allem dank massiver Kostensenkungen möglich geworden, so die Experten. Zudem habe der weltweit viertgrößte Bierbrauer von einer zum 1. Januar 2012 deutlich erhöhten Biersteuer in Russland profitiert. In deren Vorfeld hätten russische Handelspartner im Schlussquartal 2011 ihre Lager kräftig aufgefüllt.

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Aus Italien kommen heute neue Zahlen zur Entwicklung der Industrieaufträge. Man darf gespannt sein, ob die italienische Industrie im Januar eine Erholung verzeichnet. Im Dezember waren die Aufträge im Vorjahresvergleich um 0,7 Prozent zurückgegangen. Januar-Zahlen gibt es auch zu den Industrie-Umsätzen. Diese hatten zuletzt im Dezember im Vorjahresvergleich stagniert.
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