Roberto Abraham Scaruffi

Wednesday, 7 March 2012


Mittwoch, 07. März 2012
Guten Morgen,
von allen öffentlichen Amtsträgern ist derzeit keiner so einsam wie Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Dabei hat er nichts falsch gemacht. Er hängt nur einer Überzeugung an, die derzeit weltweit weniger Anhänger hinter sich versammelt als selbst das Regime in Nordkorea. Die Steinzeitkommunisten haben immerhin die Weltmacht China hinter sich. Weidmann mit seinem Beharren auf der traditionellen deutschen Stabilitätspolitik - dem Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Notenbank, dem Vorrang für die Inflationsbekämpfung und der Ablehnung der Staatsfinanzierung durch die Gelddruckmaschine - steht weltweit isoliert da. "Gegen den Rest der Welt" ist daher unsere Titelgeschichte überschrieben.

Teils offen, wie die Amerikaner und EZB-Präsident Mario Draghi, teils verdeckt wie Kanzlerin Merkel, werden Weidmanns Positionen abgelehnt. Schon seine ehemaligen Bundesbank-Kollegen Axel Weber und Jürgen Stark haben sich deshalb in den Rücktritt gestürzt. "Die EZB darf nicht zur Europäischen Zentraldruckerei werden", sagte gestern FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle in Weidmann unterstützender Absicht. Brüderle hat Recht. Aber die FDP ist keine Weltmacht. Derzeit ist sie nur ein Zwergenstaat.

Der Fiskalpakt, den Merkel gern den anderen Europäern verordnen will, scheitert womöglich schon zuhause. Die Opposition stellt Bedingungen an ihre Zustimmung in Bundestag und Bundesrat, die schwer zu erfüllen sind. Sie fordert eine EU-weite Finanztransaktionssteuer. Die wiederum lehnt die FDP kategorisch ab. Sie fürchtet, diese Steuer könnte nicht die Spekulation eindämmen, sondern den Finanzplatz Frankfurt ruinieren. Einen lachenden Dritten gibt es jetzt schon: die Banken im Finanzdistrikt von London.

Heute stellt Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, die Zahlen des Medienkonzerns ("Bild", "Welt") für das Jahr 2011 vor. Es wird erwartet, dass er erneut ein Rekordergebnis vermelden kann. Eigentlich müssten alle deutschen Verlage ihm in diesem Jahr einen Extra-Obolus überweisen. Denn Döpfner und sein Team haben fast im Alleingang und gegen allerlei Anfeindungen die neuen Urheberrechtsregeln durchgeboxt, die nun auch Google zum Zahlen verdonnern. Bisher lebte der Internetriese gut davon, die journalistischen Texte anderer Zeitungen und Webseiten kostenlos zu präsentieren. Früher hieß das Diebstahl. Heute nennt man das Transparenzkultur.

In zehn US-Bundesstaaten wurde heute Nacht der republikanische Kandidat für die Präsidentschaftswahl gewählt. Bislang galt: Wer am "Super Tuesday" abräumt, der hat die Nominierung praktisch in der Tasche. Doch dieses Mal brachte der Wahlausgang wenig Klarheit. Ex-Gouverneur Mitt Romney und Ex-Senator Rick Santorum siegten beide - der eine fünfmal, der andere dreimal - und damit keiner. Newt Gingrich konnte nur Georgia für sich entscheiden, in Alaska steht das Ergebnis noch aus. Der Wahlsieger von heute Nacht heißt daher Obama. Einen aktuellen Überblick über den Kampf der Republikaner um das Weiße Haus zeigen wir Ihnen auf unserer Infografik auf Handelsblatt Online.

Heute Abend deutscher Zeit stellt Apple ein neues Produkt in San Francisco vor. Erwartet wird die Präsentation des iPad3. Aber so genau sagt der Technologieriese das vorher nicht. Wir sollen vor Spannung zittern. Doch die wahre Vorfreude vieler Technologiefreunde gilt längst der Apple-Konkurrenz. Man kann es kaum erwarten, dass Samsung und Co. endlich mit ähnlich guten Produkten gleichziehen. Denn Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, sondern erzieht auch zur Demut. Die Apple-Manager könnten davon eine Extraportion gebrauchen.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Tagesbeginn. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

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Gabor Steingart
Chefredakteur

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US-VORWAHLEN
Und der Sieger heißt... Obama
Bei ihrem "Super Tuesday" hatten die Republikaner auf ein Ende des Bruderkampfes gehofft, doch das Gegenteil ist passiert: Beide Favoriten feierten wichtige Siege. Das Rennen geht weiter. Freuen darf sich der Präsident. Mehr...


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FÜR SIE GELESEN
Die Handelsblatt-Presseschau
Das Zahlenspiel des Welt-Bankenverbandes zu einer unkontrollierten Pleite Griechenlands schlägt hohe Wellen in den Medien. Eine Frage dabei: Warum ist die Kalkulation kurz vor der Schuldenschnitt-Deadline der privaten Gläubiger an die Öffentlichkeit gelangt? Mehr...

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Wie Sie disziplinierter werden
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Italiens Fiskus spürt eine Million Phantomhäuser auf
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Welche Aktien Sie halten sollten - welche verkaufen
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DAX-AUSBLICK
Der Dax-Aufschwung macht eine Pause
Weil der Schuldenschnitt in Griechenland zu scheitern droht, verlieren Aktien und Edelmetalle. Nur Athens Börse legt kräftig zu. Nach dem Kurseinbruch am Dienstag dürfte der Dax nun um die Marke von 6.600 Punkten kämpfen. Mehr...

BÖRSE TOKIO
Auch in Japan sinken die Kurse weiter
In Tokio haben viele Anleger am Mittwoch bereits den Donnerstag im Sinn: Dann muss der Schuldenschnitt in Griechenland stehen. Die Skepsis an den anderen Börsen drückt auch in Asien die Aktienkurse. Mehr...

BÖRSE NEW YORK
Wall Street schließt mit größtem Tagesverlust in diesem Jahr
Die Angst vor einem Scheitern des Schuldenschnitts in Griechenland hat auch die US-Anleger nicht kalt gelassen. Nach dem Höhenflug in den vergangenen Wochen gab der Dow Jones mehr als 200 Punkte ab. Mehr...


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Marktbericht Wall Street


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Börse Frankfurt


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Analyser to go

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BILANZ 2011
Adidas legt Rekordergebnis hin
China und Nordamerika sei Dank: Adidas hat 2011 ein Rekordergebnis hingelegt. Und das in einem Jahr ohne ganz großes Sportereignis. Die Aktionäre freuen sich über eine steigende Dividende und über rosige Aussichten. Mehr...

ÖFFENTLICHER DIENST
Arbeitgeber werten Streiks als Provokation
Busse und Bahnen sind heute das Hauptziel der Warnstreiks im öffentlichen Dienst - über das zu erwartende Chaos schimpfen die Bürger. Auch die Arbeitgeberseite äußert sich erbost über die Gewerkschaften. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Zuwachs bei Industrieaufträgen schwächt sich ab
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die neuen Daten zur Auftragslage der deutschen Industrie. Experten gehen davon aus, dass die Branche im Januar nur 0,5 Prozent mehr Aufträge hereinholen konnte als im Dezember. Im Schlussmonat 2011 waren die Auftragseingänge im Vergleich zum Vormonat noch um 1,7 Prozent gestiegen. Die Exporte sind traditionell eine entscheidende Stütze der deutschen Wirtschaft.

Springer-Konzern legt Bilanz vor
Analysten erwarten ein Rekordergebnis, wenn Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, die Zahlen des Medienkonzerns ("Bild", "Welt") für das Jahr 2011 vorlegt. Im vorangegangenen Jahr erzielte Axel Springer einen Umsatz von 2,89 Milliarden Euro, unter dem Strich lag der Überschuss bei 283,2 Millionen Euro.

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TERMINE DES TAGES
Drohen Ungarn weitere Sanktionen?
Heute entscheidet die EU-Kommission über weitere rechtliche Schritte gegen Ungarn. Es geht um das im Januar eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren. Brüssel sieht unter anderem die Unabhängigkeit der Zentralbank und die Pressefreiheit in dem Land gefährdet, in dem die Rechtspartei von Ministerpräsident Viktor Orban im Parlament eine Zweidrittelmehrheit hat.

Energieunternehmen Enel: Umsatz wächst stärker als Gewinn
Der italienische Energiekonzern Enel legt seine Jahreszahlen vor. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr nach vorläufigen Schätzungen seinen Umsatz um 8,3 Prozent auf 79,5 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) hat sich nicht so deutlich erhöht. Es wuchs um 1,1 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro.

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ONLINE-MÄRKTE
Google nimmt sich iTunes vor
Von Apple lernen heißt siegen lernen: Google fasst seine bislang getrennten Online-Märkte für Musik, Bücher, Filme und Software-Apps unter einem Dach zusammen. Obendrein verdichten sich die Gerüchte um ein Google-Tablet. Mehr...

SCHRECKENSBILDER AUS SYRIEN
Kämpfe werden immer grausamer
Die Kämpfe in Syrien werden immer grausamer. Jetzt gibt es Berichte, dass Menschen die Kehle durchgeschnitten wurde - selbst Kindern. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig - und die Welt schaut zu. Mehr...

SYRIEN UND IRAN
Obama kämpft gegen Militäreinsätze
US-Präsident Barack Obama lehnt alle Forderungen nach Militäreinsätzen in Syrien und im Iran ab. Er setzt auf Diplomatie und rät seinen Herausforderern bei der Wahl, einen möglichen Krieg erst einmal durchzurechnen. Mehr...

KULTMARKE
Apple-Aktie im Visier von Zockern
Apple ist nicht nur interessant für langfristig orientierte Anleger. Das IT-Unternehmen gerät immer mehr ins Visier von Zockern, die den Aktienkurs beeinflussen. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Sinkt die Arbeitslosigkeit in den USA weiter?
Volkswirte erhoffen sich vom ADP-Beschäftigungsbericht für Februar Aufschluss über die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Erwartet wird ein Stellenplus von 205.000 nach 170.000 im Vormonat. Tritt dies ein, wäre es ein Signal, dass die Arbeitslosenquote von derzeit 8,3 Prozent weiter fallen könnte.

Apple stellt iPad3 vor
Es ist soweit: Heute Abend deutscher Zeit stellt Apple ein neues Produkt in San Francisco vor - Branchenkenner erwarten das iPad3. Die große Frage ist: Kann Apple den Hype um seinen Tablet-PC auch in Runde drei aufrechterhalten? Die Marktforscher von Gartner rechnen zwar mit einer dramatischen Absatzsteigerung des iPads auf 149 Millionen Stück im Jahr 2015. Aber auch Tablets mit Googles Betriebssystem Android und Microsofts Windows 8 sind stark.

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WORTE DES TAGES

"Ich träume davon, dass bald jeder sein eigenes Fach in der Cloud hat."
Neelie Kroes,
EU-Telekommunikations-Kommissarin, anlässlich der Computermesse Cebit

"Alles in allem sind wir mit unserer Strategie - auch und gerade unter dem Eindruck der Energiewende - auf gutem Wege."
Peter Terium,
künftiger RWE-Chef