Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 7 February 2012


Dienstag, 07. Februar 2012
Guten Morgen,
die Stimmung gegenüber unseren Banken hat sich im Zuge der Euro-Dauerkrise verdüstert. Davon will die SPD profitieren. SPD-Chef Sigmar Gabriel lässt derzeit einen aggressiven Anti-Banken-Wahlkampf vorbereiten, die Werbeagentur Super J & K wurde angeheuert. Unter dem Slogan "Demokratie statt Bankenmacht" hat man bereits Videospots und Flugblätter produziert, in denen Bankvorstände als "Zocker" und "Kasinokapitalisten" bezeichnet werden. Gedroht wird mit höheren Steuern, höheren Eigenkapitalquoten und einer Trennung von Investmentbank und Privatkundengeschäft. Wir dokumentieren in unserer Titelgeschichte "SPD plant Wahlkampf gegen Finanzindustrie" die wichtigsten Sequenzen des Anti-Bankenfilms. Unsere Berliner Korrespondentin konnte während der Recherchen auch einen Blick in die Giftküche der SPD werfen. Ihr Eindruck: Es riecht nach Klassenkampf. Mein Eindruck: Und nach Opportunismus riecht es auch.

Der Aktienindex Dax wurde 1988 eingeführt. Seither hat es kein Jahr gegeben, in dem er so fulminant gestartet ist wie im Jahr 2012. Plus 15 Prozent seit Anfang Januar, trotz Euro-Krise und Konjunkturdelle. In diesem Jahr waren die Ängstlichen die Dummen - zumindest bisher.

Der kanadische Flugzeughersteller Bombardier hat sich beim angekündigten Angriff auf Boeing und Airbus verhoben. Jetzt wird mit großem Kaliber nachgeladen. Ein umfangreiches Abkommen mit dem chinesischen Wettbewerber Comac steht bevor. Gemeinsam will man das Duopol von Airbus und Boeing aufbrechen. Bei Airbus sollten spätestens heute die lähmenden deutsch-französischen Machtspiele der letzten Monate beendet werden. Intrigen sind das Nebengeräusch der Politik, hat Kurt Biedenkopf einmal gesagt. Jetzt aber heißt es, die Nebengeräusche abzuschalten. Die Kundschaft wartet!

Erleichterung in München und anderswo: Die großen Versicherer sind im Gegensatz zu den Banken kein Systemrisiko mehr - das stellte die Finanzaufsicht gestern amtlich fest. Im Grunde funktionieren Versicherungen seit jeher wie der Staat: Ihre Steuern heißen Prämien. Fließen die zu spärlich, werden sie erhöht. Das ist ärgerlich für uns Kunden, aber für das Weltfinanzsystem nicht riskant.

Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt heute über die Frage, ob Steuerhinterzieher härter bestraft werden müssen. Konkret geht es um einen ehemaligen Unternehmer, der Steuern in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro hinterzogen hat. Vor dem Landgericht Augsburg kam der Mann mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung davon. Und das, obwohl der BGH 2008 entschieden hatte, dass bei Steuerhinterziehung in Millionenhöhe eine Aussetzung zur Bewährung eigentlich nicht infrage kommt. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb Revision eingelegt. Der 1. Strafsenat des BGH wird nachher - so oder so - Rechtsgeschichte schreiben. Die Frage lautet: Ist Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt oder ist sie knastwürdig?

In Schönefeld testen von heute an die ersten Freiwilligen den künftigen Hauptstadtflughafen. Simuliert werden Abläufe von der Ankunft über den Check-In bis zur Sicherheitskontrolle. Nur abheben können die Probanden vom neuen Flughafen noch nicht. Er geht erst am 3. Juni in Betrieb. Insgesamt sind 600 Menschen an dem Testlauf beteiligt. Man ahnt allerdings schon: In den ersten Wochen des neuen Flughafens werden wir alle zu Versuchskaninchen - das allerdings unfreiwillig.

Das Morning Briefing erscheint ab heute in optisch aufgefrischter Form. Das ist eine gute Gelegenheit, dem kleinen, tapferen Team um Handelsblatt-Redakteur Stefan Schneider und Korrekturleser Simon Sturm zu danken, das meist schon ab 5 Uhr in der Früh aktiv ist und mir beim Erstellen dieses Briefings zur Hand geht. Für das neue Layout ist unser Online-Art Director Philipp Busse verantwortlich. Alle Beteiligten sind nicht nur mit Fleiß, sondern auch mit guter Laune bei der Sache, wofür ich Ihnen besonders dankbar bin.

Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Tag. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

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Gabor Steingart
Chefredakteur

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GEWINN SINKT
Düstere Zeiten für die UBS
Die UBS erlebt ihr nächstes Desaster: Die Quartalszahlen fallen deutlich schwächer aus als erwartet. Die größte Schweizer Bank fuhr auch im Investment-Banking einen herben Verlust ein. Es gibt aber auch positive Zeichen. Mehr...


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Noch nie ist der Dax so gut ins Jahr gestartet. Die Analysten erhöhen überrascht ihre Prognosen. Sie verweisen auf die gute Konjunktur in den USA. Der wahre Grund für die Börsenrally aber ist ein anderer. Mehr...

BÖRSE TOKIO
Griechenland dämpft die Stimmung in Japan
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BÖRSE NEW YORK
Hängepartie in Europa lähmt US-Börsen
Die andauernden Verhandlungen um weitere Finanzhilfen für Griechenland haben an den Nerven der US-Anleger gezerrt. Die US-Börsen gingen mit einem leichtem Minus aus dem Handel. Zu den Verlierern gehörte Boeing. Mehr...


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Marktbericht Wall Street


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Börse Frankfurt


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Analyser to go

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Handelsblatt Business Monitor I - Ausblick auf 2012
Das Handelsblatt hat die forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH beauftragt, die Befragungen eines repräsentativen Panels von Führungskräften der Wirtschaft in Deutschland zu übernehmen. Dazu wurden forsa die Angaben von 890 Führungskräften zur Verfügung gestellt.

Die aktuellen Umfrageergebnisse liefern detaillierte Antworten auf folgende Fragen:

- Was wird aus der FDP? Droht der Partei der Weg in die Bedeutungslosigkeit?
- Spüren die Unternehmen die Auswirkungen der Euro-Krise?
- Und was wird aus Bundespräsident Wulff, sollte er zurücktreten?

Hier den aktuellen Handelsblatt Business Monitor bestellen

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TERMINE DES TAGES
Produziert die Industrie weniger?
Nachdem gestern bekannt wurde, dass die deutsche Industrie im Dezember 1,7 Prozent mehr Aufträge hereingeholt hat als im November, darf man gespannt sein, welche Zahlen heute zur Industrieproduktion im Dezember verkündet werden. Da die Märkte die Entwicklung des Auftragseingangs im Dezember unterschätzt hatten, könnte das auch für die Produktion gelten. Erwartet wird bisher jedenfalls ein Minus von 0,3 Prozent zum Vormonat. Im November hatte das Minus allerdings noch 0,6 Prozent betragen.

BGH verhandelt über Strafhöhe bei Steuerhinterziehung
Der Bundesgerichtshof verhandelt über die Frage, ob Steuerhinterzieher härter bestraft werden müssen. Es geht um einen ehemaligen Unternehmer, der die Allgemeinheit um mehr als 1,1 Millionen Euro an Steuern betrogen hatte. Das Landgericht Augsburg verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hat Revision eingelegt - sie will eine höhere Strafe. Der 1. Strafsenat des BGH muss nun entscheiden, ob eine Bewährungsstrafe noch angemessen ist.

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FLUGZEUGHERSTELLER
Bombardier und Comac attackieren EADS
Angriff auf Airbus und Boeing: Mit neuen Beziehungen zur chinesischen Luftfahrtindustrie will der kanadische Flugzeughersteller Bombardier um Marktanteile bei Jets kämpfen. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Streiks in Griechenland gegen Sparprogramm
Aus Protest gegen neue harte Sparmaßnahmen wollen die Gewerkschaften in Griechenland streiken. Ministerien und staatliche Unternehmen sowie die öffentlichen Verkehrsmittel sollen für mehrere Stunden bestreikt werden. Zu dem Streik haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände aufgerufen. Am Nachmittag wollen die griechischen Spitzenpolitiker unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Lucas Papademos entscheiden, ob sie dem harten Sparprogramm zustimmen, damit das Land das neue Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro bekommt. Andernfalls ist Griechenland Ende März pleite.

Glaxo Smithkline verdient deutlich mehr
Der Pharmakonzern Glaxo Smithkline hat nach Analystenprognosen im vergangenen Jahr mit 27,6 Milliarden Pfund drei Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Der Grund: Die Verkaufszahlen für ein sehr wichtiges Medikament gehen in den USA weiter zurück. Dafür dürften aber die Gewinne deutlich gestiegen sein: von 4,5 Milliarden Pfund im Jahr 2010 auf 8,4 Milliarden Pfund im vergangenen Jahr. 2010 hatten Sonderbelastungen zur Beilegung juristischer Auseinandersetzungen den Gewinn belastet.

Arcelor-Mittal: Unsicherer Ausblick
Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor-Mittal hat im vergangenen Jahr seinen operativen Gewinn nach Einschätzung von Experten um fast ein Fünftel auf 10,2 Milliarden Dollar erhöht. Die Bilanz ist tadellos, aber der Blick in die Zukunft unsicher. Gerade in Teilen von Europa droht der Stahlabsatz zu bröckeln, den Branchenprimus würde dies treffen. Verwunderlich ist daher, warum Vorstandschef Lakshmi Mittal nur per Telefon den Journalisten Rede und Antwort stehen will und nicht von Angesicht zu Angesicht. Die Bilanzpressekonferenz blies der Konzern mit der Begründung ab, es gebe kein ausreichendes Interesse.

Zieht BP an Shell vorbei?
Der britische Ölmulti BP hat möglicherweise seinen Erzrivalen Shell geschlagen - zum ersten Mal seit gut einem Jahr: Analysten zufolge hat BP im vierten Quartal 2011 einen Gewinn von 4,87 Mrd. Dollar (bereinigt um Wertveränderungen beim Ölbestand) erwirtschaftet. Shell kam im selben Zeitraum auf 4,85 Mrd. Dollar. Es waren vor allem Verluste in der Raffineriesparte, die den Shell-Quartalsgewinn niedriger ausfielen ließen als erwartet. BP hat eine kleinere Raffiniersparte als Shell, die niedrigen Margen im Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Benzin, Kerosin und anderen Heizstoffen dürften BP daher weniger zu schaffen machen. Investoren hoffen zudem, dass BP-Chef Bob Dudley eine Erhöhung der Dividende ankündigt.

Berlusconis Sex-Prozess auf dem Prüfstand der Verfassungsrichter
Silvio Berlusconis "Rubygate"-Prozess um angeblichen Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauch kommt heute auf den Prüfstand des italienischen Verfassungsgerichts. Es geht um die Frage, ob der "Fall Ruby" weiterhin vor dem Mailänder Gericht verhandelt wird - oder vor einem speziellen Ministergericht, wie es der frühere Regierungschef verlangt. Die Verfassungsrichter hatten Berlusconis - von der Abgeordnetenkammer in Rom unterstützten - Einspruch für zulässig erklärt. Hauptargument Berlusconis: Er habe als Regierungspolitiker gehandelt, als er das ehemalige Partygirl Ruby persönlich mit einem Anruf bei der Polizei vor einer Festnahme bewahrte - in der Annahme, das Mädchen sei eine Nichte des damaligen ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Das Argument nannten Mailänder Richter "lächerlich".

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WEITERE EINGRIFFE
Japan will seine Währung um jeden Preis schwächen
Der starke Yen belastet die japanische Exportwirtschaft. Schuld daran seien Spekulanten, meint Japans Finanzminister. Er kündigt an, alles zu tun, um die eigene Währung zu schwächen. Denn das liege im nationalen Interesse. Mehr...

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Wie Barack Obama Wandel definiert
Ein Mann, ein Wort: Der US-Präsident besinnt sich auf das, was er einmal versprochen hat. Schien Barack Obama zuletzt das Wohlwollen der amerikanischen Wähler verspielt zu haben, liegt er jetzt in einer Umfrage vorn. Mehr...

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Kanada liebäugelt mit China
Im Januar ist ein Pipeline-Großprojekt gescheitert, durch das kanadisches Öl zu den Raffinerien in Texas fließen sollte. Doch Kanada kann auch anders: Nun besinnt sich das Land auf neue Märkte. Ganz vorne dabei: China. Mehr...

US-BANK
Spitzen-Boni stürzen Lazard ins Minus
Nach einem Vorjahresgewinn von knapp 100 Millionen Dollar ist die US-Bank Lazard im vierten Quartal in die Verlustzone geschlittert. Verantwortlich dafür sind die europäische Schuldenkrise, aber auch hohe Bonuszahlungen. Mehr...

ANHALTENDE GEWALT
Mehrere Botschafter aus Syrien abgezogen
Angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien haben Deutschland, Großbritannien und die USA ihre Botschafter abgezogen. Während sich das Blutvergießen fortsetzt, erwägt die Arabische Liga eine weitere Beobachtermission. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Gutes Jahr für Coca-Cola
Der US-Brausehersteller, der heute über das zurückliegende Geschäftsjahr berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten seinen Umsatz um knapp fünf Prozent auf elf Milliarden Dollar gesteigert. Beim operativen Ergebnis (Ebitda) erwarten Experten sogar ein Plus von 66 Prozent auf knapp 2,8 Milliarden Dollar. Im abgelaufenen Jahr ist es Coca-Cola gelungen, gestiegene Rohstoffkosten über Preiserhöhungen auf die Kunden abzuwälzen - der Umsatz kletterte dennoch weiter. Auch in den Schwellenländern wie Indien oder Argentinien war die Nachfrage ungebrochen stark.

Walt Disney weiter auf Wachstumskurs
Der Eigner von TV-Sendern (ABC, ESPN, Super RTL), Filmstudios sowie Freizeitparks legt Zahlen für das erste Quartal seines laufenden Geschäftsjahres vor. Nach Einschätzung von Analysten hat der Konzern mit 11,2 Milliarden Dollar rund 4,5 Prozent mehr umgesetzt als ein Jahr zuvor. Beim operativen Ergebnis (Ebitda) erwarten sie ein Plus von knapp neun Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar.

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WORTE DES TAGES

"Ich hege Bewunderung für Frau Merkel. Wir sind nicht neidisch. Wir wollen Deutschland nacheifern."
Nicolas Sarkozy,
Präsident Frankreichs


"Wir erwarten, dass wir wahrscheinlich eine Buße bezahlen müssen."
Boris Collardi, Chef der Schweizer Bank Julius Bär, über eine mögliche Geldstrafe in den USA

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