Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 21 February 2012


Dienstag, 21. Februar 2012
Guten Morgen,
nach mehr als zwölf Stunden Verhandlungsmarathon gelang heute Morgen der Durchbruch: Die EU-Finanzminister haben den neuen Milliarden-Hilfskredit für Griechenland freigegeben. Die privaten Banken und Versicherungen hatten zuvor auf 53,5 Prozent ihrer Kreditforderungen verzichtet und für den Rest müssen sie eine Anleihe zeichnen, die mit drei Prozent Verzinsung das Risiko nicht abbildet. Griechenland ist damit wieder zahlungsfähig, aber gerettet ist Griechenland damit noch nicht.

Immer neue Details zur Nominierung von Joachim Gauck werden bekannt, die einen tiefen Einblick in das Wesen unseres Parteienstaates gewähren. Demnach verständigten sich die Großmeister der Taktik auf einen Präsidenten, den - und das ist der ironische Clou der Geschichte - keiner von ihnen wollte. SPD und Grüne hoben den bürgerlichen Kirchenmann aufs Schild, vor allem um die konservative Kanzlerin zu blamieren. Die FDP schloss sich dem Begehren an. Man wollte mal wieder ein Lebenszeichen senden. Und die Kanzlerin? Redete im CDU-Präsidium gegen Gauck, um ihn dann doch zu nominieren. Als einfältige Parteiliesl wollte sie nicht dastehen. Uns soll es recht sein: Gauck, für Merkel ein Betriebsunfall, ist für das Land ein Glücksfall. Er wird für alle unbequem und dem Ganzen daher nützlich sein.

Unser heutiges Schwerpunktthema erzählt die ungewöhnliche Lebensgeschichte dieses "Mannes mit Eigenschaften". Und: Auf einer Sonderseite haben wir zusammengetragen, was Gauck bisher gedacht, gesagt und geschrieben hat - über den Sozialstaat, über die Marktwirtschaft, über Thilo Sarrazin und über mutlose Politiker. Wer einen Vorgeschmack bekommen will auf das, was dem Land bevorsteht, wird hier fündig.

Unser Russland-Korrespondent Oliver Bilger meldet Bedrohliches aus Moskau. Wladimir Putin will massiv ins russische Militär investieren. In den nächsten zehn Jahren würden etwa 575 Milliarden Euro für die Modernisierung der Streitkräfte ausgegeben, kündigte der Premierminister an. Von der Aufrüstung sollen auch die Metallverarbeitung, der Maschinenbau, die Chemieindustrie und die IT-Branche profitieren. Und er selbst will von dieser Politik nationaler Stärke auch profitieren. In Kürze tritt Putin wieder als Präsidentschaftsbewerber an.

Freenet-Chef Christoph Vilanek hat sich etwas einfallen lassen. Der drittgrößte Mobilfunkanbieter des Landes sucht Neues jenseits des Kerngeschäfts und bietet demnächst Heizkostensparer an, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte. Mit Hilfe eines Steuerungsmoduls und zwei Thermostaten kann jeder Handynutzer seine Heizung hoch- und runterfahren. "Digital Lifestyle" heißt die neue Mode der Saison. Menschen wie ich, die ihr Handy für ein Telefon halten, müssen jetzt als altmodisch gelten.

Die Lufthansa hat in Frankfurt derzeit viele Flugausfälle zu beklagen. Dennoch unterstützt die Airline den Flughafenbetreiber Fraport beim Kampf gegen die Mini-Gewerkschaft der Vorfeld-Arbeiter. Deren Erfolg, so die Befürchtung, könnte sonst Schule machen. Als nächstes würden dann womöglich die Leih-Stewardessen der Lufthansa streiken - mit dem Ziel, an Bord die Selbstbedienung einzuführen.

Apropos Selbstbedienung: Deutschlands Landwirte betrachten die Energiewende als Chance, um nochmals einen Nachschlag bei den Subventionen zu verlangen. Zu Erinnerung: Für die Umsetzung der ehrgeizigen Berliner Energiepläne werden rund 3.500 Kilometer neue Leitungen erforderlich. Schon bisher kassieren die Bauern für einen Kilometer Stromleitung eine Entschädigung von rund 75.000 Euro. Zu wenig, meint jetzt die Landwirtelobby. Der moderne Bauer will die Milchkuh offenbar durch den Steuerzahler ersetzen.

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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GRIECHENLAND-HILFE
Euro-Finanzminister einigen sich auf 130 Milliarden-Paket
Nach zwölfstündigen Verhandlungen haben sich die Euro-Finanzminister auf ein zweites Rettungspaket für Griechenland geeinigt. Die privaten Gläubiger und die Europäische Zentralbank mussten weitere Zugeständnisse machen. Mehr...
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Nach Einschätzung der internationalen Wirtschaftspresse ist die Einigung auf ein neues Rettungspaket erst der Anfang der tatsächlichen Arbeit. Europas Anführer müssten einige bittere Wahrheiten akzeptieren. Mehr...
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Dax könnte eine Verschnaufpause einlegen
Das Rettungspaket für Griechenland ist verabschiedet worden. Nun steht als nächstes die Marke von 7.000 Punkten an. Doch nach dem jüngsten Kursanstieg steht zunächst eine Ruhephase mit leicht sinkenden Kursen an. Mehr...
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Nikkei-Index gibt kurz vor Schluss leicht nach
Die japanischen Händler hielten den Atem an, während in Brüssel über Griechenlands Zukunft verhandelt wurde. Das hat der jüngsten Rally ein Ende gesetzt: Der Nikkei verliert leicht. Mehr...
BÖRSE NEW YORK
Wall Street blieb wegen Feiertag geschlossen
Wegen des Presidents Day fand am Montag kein Handel an der Wall Street statt.
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Marktbericht Wall Street
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Börse Frankfurt
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Analyser to go
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NEU BIS FREITAG
Streik am Frankfurter Flughafen erneut verlängert
Der Machtkampf am Frankfurter Flughafen geht in eine weitere Verlängerung: Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat den Streik zum zweiten Mal verlängert - diesmal bis Freitagnacht. Für Passagiere besteht dennoch Hoffnung. Mehr...
POSITIVE JAHRESBILANZ
Fresenius hebt die Dividende an
Fresenius ist wie auch die Tochterfirma FMC einer der stabilsten Gewinnbringer im Dax - diesen Ruf konnte der Gesundheitskonzern auch 2011 bestätigen. Und auch die Aktionäre werden daran beteiligt. Mehr...
TERMIN DES TAGES
Analysten erwarten Gewinnplus für die Aareal Bank
Heute stellt die Aareal Bank in Frankfurt ihr Jahresergebnis vor. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer dürfte 2011 deutlich mehr verdient haben als im Vorjahr. Die Bank hat die Finanzkrise weit besser überstanden als viele Konkurrenten, da sie große Risiken gemieden hat. Außerdem besitzt sie kaum Staatsanleihen. Nun profitiert sie davon, dass es immer weniger aktive Immobilienfinanzierer gibt, denn die Kreditmargen steigen.
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TERMIN DES TAGES
Das Vertrauen kehrt nur langsam zurück
Das Konsumentenvertrauen in der Euro-Zone dürfte sich im Februar verbessern - allerdings nur leicht und nur auf niedrigem Niveau: Experten gehen davon aus, dass der vorläufige Wert, der heute veröffentlicht wird, von minus 20,7 Punkten im Vormonat auf minus 20,2 Zähler steigt. Trotz des zweiten Anstiegs in Folge würde der Index noch immer unter seinem langfristigen Durchschnittswert von minus 12,7 Punkten liegen. Die Verbraucher rechnen also weiterhin mehrheitlich mit einer schwachen Wirtschaftsentwicklung.
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TV-AUSSPRACHE
Medwedew schafft es nicht, Opposition zu beruhigen
Zum ersten Mal ist Russlands Präsident Dimitri Medwedew mit Führern der Opposition zusammengetroffen. Medwedew gestand ein, das System sei "alles andere als perfekt" - doch ansonsten blieb die Aussprache an der Oberfläche. Mehr...
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Ein Interview gegen die Unterdrückung
Gegen die Regeln der chinesischen Regierung hat sich Künstler und Aktivist Ai Weiwei zur politischen Situation in China geäußert. Er beklagte die "allgegenwärtige Korruption" und die "drakonische Unterdrückung". Mehr...
BOHRUNGEN AN SEEGRENZE
USA und Mexiko rücken dank Öl-Deal zusammen
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Die Zeiten hoher Renditen sind vorbei
Bei den Banken setzt sich immer mehr die Bescheidenheit durch - zumindest im Hinblick auf die Renditeziele. Im Gespräch mit dem Handelsblatt verabschiedet sich die Bank of America von 25-Prozent-Raten. Mehr...
TERMINE DES TAGES
Analysten erwarten mehr Gewinn bei Wal-Mart
In den USA legt heute vor Börseneröffnung in New York der weltgrößte Einzelhändler, Wal-Mart, seine Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Gewinnsprung von gut acht Prozent auf 1,45 Dollar je Aktie. Marktteilnehmer erhoffen sich von den Zahlen auch Aufschluss darüber, ob der US-Verbraucher weiterhin in guter Verfassung ist.

Kraft Foods legt kräftig zu
Der Nahrungsmittelkonzern Kraft Foods ("Milka") hat im abgelaufenen Quartal seinen Gewinn steigern können. Die Experten rechnen bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen mit einem Plus von 20 Prozent auf 57 US-Cent je Aktie.
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WORTE DES TAGES

"Der Plan, Griechenland im Euro radikal zu sanieren, ist illusionär."
Hans-Werner Sinn,
Präsident des Ifo-Instituts

"Meine Tür steht ihr offen, aber sie wird erst mal Zeit brauchen, zu sich selbst zu finden."
Dirk Rossmann,
Chef der gleichnamigen Drogerie-Kette, über seine ehemalige Angestellte Bettina Wulff
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