Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 21 February 2012


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Der Staatspleite entronnen - und nun?
Griechenland kann der Staatspleite ein zweites Mal dank internationaler Hilfe entkommen. Die Euro-Länder haben sich im Grundsatz auf einen Rettungsplan für das hochverschuldete Land verständigt. Statt nur auf die Hälfte der Forderungen zu verzichten, haben sich nun die privaten Gläubiger und die Euro-Finanzminister nun auf einen Verzicht von 53,5 Prozent geeinigt. Als öffentlicher Gläubiger soll auch die Europäische Zentralbank (EZB) einen Beitrag zur Entschuldung Griechenlands leisten und künftige Gewinne aus ihren Beständen griechischer Staatsanleihen an die Mitgliedstaaten ausschütten. Diese können das Geld an Griechenland weitergeben. » (HB » Spiegel » Welt » WSJ » Statement der Euro-Gruppe (PDF) Doch Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hielt im » Spiegel-Interview den Plan bereits vor der Einigung für "illusionär". Das Geld werde nicht dem Land helfen, sondern nur den internationalen Banken. Man solle damit lieber den Austritt aus der Euro-Zone finanzieren. Auch die » Welt bleibt bei Ihrer Meinung: "Griechenland muss aus der Euro-Zone austreten. Statt diese Tatsache einzusehen, vergeudet die EU aber weiterhin Geld und Zeit." "Die griechische Rettung ist nicht das Ende der Story", glaubt auch das » Wall Street Journal. Die » Financial Times zitiert aus einem streng vertraulichen Dokument, das von Analysten für die sogenannte Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB Mitte Februar geschrieben wurde. Laut FT-Analyse wird deutlich, dass Griechenland in absehbarer Zukunft weitere Rettungsgelder benötigen wird. "Europas Anführer müssen einige bittere Wahrheiten akzeptieren: Portugal und Griechenland brauchen einen noch größeren Forderungsverzicht, um ihre Finanzen in Ordnung zu bringen", schreibt die Wirtschaftsagentur » Bloomberg.
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NEWS
Närrische IKB-Zahlen
Ausgerechnet am Rosenmontag, an dem im Rheinland Ausnahmezustand herrscht und Antworten auf Nachfragen illusorisch sind, hat die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB ihre Neunmonatszahlen präsentiert. Ihr Verlust hat sich fast verdreifacht. Nun setzt die IKB den Rotstift an, die Verwaltungskosten müssen runter. Rund 200 Stellen sollen wegfallen. » (Handelsblatt) "Die Abmagerungskur erinnert an Griechenland: Der Patient soll hungern, auf dass er wieder gesund wird. Geklappt hat so eine Therapie noch nie. Weder bei Staaten, noch bei Unternehmen, noch im wirklichen Leben", kommentiert das » Handelsblatt. Die » Süddeutsche Zeitung erinnert an daran, dass private Kunden von der IKB-Krise profitieren. Denn die Bank braucht Geld und zahlt derzeit für ein einjähriges Festgeld 2,7 Prozent - deutlich mehr als Wettbewerber.
Investmentbanker - Hochleistungselite oder Büroknechte?
Investmentbanker haben in den letzten sechs Jahren dreimal mehr Lohn bezogen als sie an Gewinnen generiert haben. Zu diesem Schluss kommt eine neue Untersuchung des Fachjournals Financial News, über das die Schweizer Website » Finenews berichtet. Betrachtet wurden in der Analyse die vergangenen sechs Jahre. » (Zusammenfassung der Studie (PDF) Einen anderen Aspekt des Jobs beschreibt das » Handelsblatt. Viele Investmentbanker sind "kranke, teilweise alkohol- und tablettenabhängige Büroknechte, mit stinkenden Sportklamotten und leeren Pizzakartons unter dem Schreibtisch, die sich und ihren Körper in regelmäßigen 120-Stunden-Wochen selbst zugrunde richten". Laut britischer » Financial Times haben während der Finanzkrise rund 40 000 hochbezahlte Investmentbanker ihren Job verloren. In einem Artikel beschreibt die Zeitung, was aus den bekanntesten Vertretern geworden ist.
Umfangreiche Konten-Kündigung
Die Finanzgentur des Bundes hatte von ihren Kunden aufgrund des Geldwäschegesetzes Identifikationsunterlagen verlangt. (FinanceToday berichtete) Doch viele Privatanleger sind dieser Aufforderung nicht nachgekommen. Nun hat die Agentur die Konten von insgesamt 40 000 Kunden gekündigt.
» Financial Times Deutschland
Immobilienmarkt hin und zurück
Die Investoren, die mit Wetten auf den Absturz von Hypothekenpapieren viel Geld gewonnen hatten, setzen nun wieder auf eine Erholung des Immobiliengeschäfts. (FinanceToday berichtete). Der » Spiegel beschreibt diese Wandlung ausführlich.
Shortcuts aus der Finanzbranche
Die Ratingagentur Standard & Poor's warnt Japan vor einer deutlichen Herabstufung der Bonitätsnote. » (Welt) Die irische Bankenbranche schöpft Hoffnung: Die Bank of Ireland konnte die Kunden-Einlagen überraschend steigern und ihre Abhängigkeit von Finanzhilfen der Europäischen Zentralbank deutlich verringern. » (HB) "Occupy the SEC", ein Sprössling der "Occupy Wall Street"-Bewegung, hat der öffentlichen Regulierungsbehörde ein 325 Seiten umfangreiches, kritisches Dokument geschickt. » (Time)
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FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Riskanter Billionen-Betrug
Die italienische Polizei hat einen spektakulären Betrug vereitelt. Acht Männer wurden unter dem dringenden Verdacht festgenommen, mit fiktiven US-Staatsanleihen im Wert von sechs Billionen Dollar Kasse machen zu wollen. Die US-Notenbank Federal Reserve schätzt, dass unbedarfte Anleger mit Hilfe solcher falschen Anleihen bereits um insgesamt zehn Milliarden Dollar betrogen wurden.
» Süddeutsche Zeitung
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HEUTE IM HANDELSBLATT
Titel: Glückwunsch, Deutschland!
Politik: Hoffnung für Griechenland
Unternehmen: Eine Messe für Spione
Finanzen: "Die Renditeziele haben sich geändert"
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MENSCHEN UND MEINUNGEN
"Die Grenze der Belastbarkeit ist in Sicht"
Hans Reckers, Chef des Verbands Öffentlicher Banken, hält die langwierige Sanierung Griechenlands für alternativlos. Die Finanztransaktionssteuer hält er in einem » Zeit-Interview aber für falsch. Auch Barry Eichengreen, Professor für Volkswirtschaft und Politologie an der University of California in Berkeley, kritisiert die Abgabe auf Finanztransaktionen. Hinter der Finanzsteuer stecken politische, nicht wirtschaftliche Beweggründe, schreibt er einem Gastbeitrag für die » Financial Times Deutschland. Die Abgabe helfe weder bei der Euro-Rettung, noch beim Eindampfen des aufgeblähten Finanzsektors - im Gegenteil.
Neue Bescheidenheit
Christian Meissner, Leiter Global Corporate und Investment Banking Merill Lynch, meint, dass die Renditeziele der Banken sich nachhaltig verändert haben. 25 Prozent Gewinn vor Steuern und mehr, wie sie der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, lange propagiert hat, wird es nach seiner Ansicht nicht mehr geben. Er rechnet im Gespräch mit dem » Handelsblatt nur noch mit zehn bis 15 Prozent.
Banken in die Pflicht nehmen
Eveline Widmer-Schlumpf, schweizerische Finanzministerin, will die Schweizer Banken in die Pflicht nehmen. Sie sollen von ihren ausländischen Kunden eine Bestätigung verlangen, dass sie ihr Vermögen versteuern und diese Selbstdeklaration bei Verdacht auf Steuervergehen überprüfen. In Liechtenstein hätten die Banken bereits heute ähnliche Pflichten.
» NZZ
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Die absurde Menükarte der UBS
Wie rechtschaffen ist die Schweizer Großbank UBS? Der eigenen Speisekarte zufolge ist sie über jeden Zweifel daran erhaben. Ein Leser der Financial Times hat bei einem Geschäftsessen mit UBS-Vertretern einen interessanten Text auf der Rückseite der Speisekarte entdeckt. "Unser Bestreben, in allem hervorragend zu sein, und unser Bestreben, die Wünsche unserer Kunden zu verstehen und zu erfüllen, spiegelt sich auch in der kulinarischen Betreuung unserer Kunden wider", war dort unter anderem zu lesen. "Ein extremeres Beispiel dafür, wie ein Unternehmen bei dem Versuch, seine Rechtschaffenheit zu beweisen, scheitern kann, ist mir noch nicht untergekommen", lautet der Kommentar dazu.
» FTD