Roberto Abraham Scaruffi

Thursday, 23 February 2012


Donnerstag, 23. Februar 2012
Guten Morgen,
das Lieblingswort der französischen Industriedynastie Peugeot heißt nicht Automobil, sondern Unabhängigkeit. Und die steht auf dem Spiel. Derweil bei VW und Co. Rekordgewinne eingefahren werden, hat Peugeot im Jahr 2011 im Kerngeschäft nur Verluste produziert. Die wirtschaftliche Not zwingt den Autokonzern PSA Peugeot-Citroën, der von der Familie beherrscht wird, nun in eine Allianz mit dem US-Riesen General Motors. In Detroit will man so Opel sanieren, in Paris hofft man ebenfalls auf Kostenersparnis. Die Zweifel aber bleiben: Zwei Hauskatzen werden auch im Duo nicht zum Tiger.

Umweltminister Norbert Röttgen und Wirtschaftsminister Philipp Rösler haben sich auf Kürzungen bei der Einspeisevergütung für die Solarenergie verständigt, die nachher im Detail der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen. Um rund 30 Prozent soll die Förderung sinken. Die Solarlobby wird aufheulen. Der Stromkunde aber sollte den Politikern dankbar sein. Die Sonne scheint weiterhin, aber sie brennt nicht mehr automatisch ein Milliardenloch in unsere Portemonnaies.

Das Orakel von Delphi heißt in unserer Zeit Ifo-Institut und steht in München. Nachher wird es sein berühmtes Konjunkturbarometer veröffentlichen - und damit Schlussfolgerungen auf die nähere Zukunft der Wirtschaftsentwicklung zulassen. Unsere Experten rechnen mit einem Anstieg des Optimismus. Aber genau wissen kann es zu dieser frühen Morgenstunde nur der Chef des Orakels. Der hieß früher Zeus und heute Hans-Werner Sinn.

Die Griechenland-Krise hat der Commerzbank im vergangenen Jahr das Geschäft vermasselt. Deutschlands zweitgrößte Bank vermeldete eben, dass der Gewinn im Jahr 2011 um mehr als die Hälfte auf 638 Millionen Euro eingebrochen ist. Vielleicht sollte der Staat seine Beteiligung an der Commerzbank gegen Wertpapiere der Deutschen Bank tauschen. Der dortige Co-Chef spricht zwar kein Deutsch. Aber er weiß, wie man Milliarden-Gewinne erwirtschaftet.

Auch Telekom-Chef René Obermann muss heute Rede und Antwort stehen. Für das vergangene Jahr hat der Bonner Konzern heute Morgen einen deutlichen Rückgang des Gewinns vermeldet. Das Ergebnis betrug nur noch 557 Millionen Euro, im Jahr davor war es noch mehr als dreimal so hoch. Wichtiger ist aber Obermanns Zukunftsstrategie, nachdem der Verkauf des US-Mobilfunkgeschäfts an den Konkurrenten AT&T kurz vor Weihnachten scheiterte. Er muss den Anlegern Hoffnung verkaufen, auch wenn das derzeit seine knappste Ressource ist.

Nach fünf Tagen Arbeitsniederlegung in Frankfurt sind der Flughafenbetreiber Fraport und die Lotsengewerkschaft GdF an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Jetzt heißt es für beide Seiten: Tapfer sein und immer an die Passagiere denken. Oder um es mit Bertold Brecht zu sagen: Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.

Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Start in den neuen Tag. Herzlichst Ihr

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Gabor Steingart
Chefredakteur

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KONJUNKTURFLAUTE
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Allianz hält Dividende stabil
Bei der Allianz ist 2011 wie erwartet der Gewinn kräftig eingebrochen. Die positive Überraschung dabei: Die Aktionäre bekommen es doch nicht zu spüren. Europas größter Versicherer hält die Dividende konstant. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Verbessert sich das Ifo-Geschäftsklima weiter?
Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung gibt den Geschäftsklimaindex für Februar bekannt. Mit Spannung wird erwartet, ob sich die befragten Unternehmer erneut wenig beeindruckt von Euro-Schuldenkrise und schwächelnder Konjunktur in zahlreichen Exportländern zeigen. Analysten gehen davon aus, dass das wichtige Konjunkturbarometer nach drei Anstiegen in Folge ein weiteres Mal zulegen kann. Auch die Beurteilung der Lage sowie die Erwartungen dürften sich leicht verbessert haben.

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HARTER WETTBEWERB
Telekom Austria rutscht in die Verlustzone
Bei der Telekom Austria fällt der Verlust unerwartet hoch aus: Unter dem Strich steht ein 253 Millionen Euro dickes Minus - Analysten hatten nur mit einem Fehlbetrag von 216 Millionen Euro gerechnet. Mehr...

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Royal Bank of Scotland: Enttäuschung für den Steuerzahler
Wenn die quasi verstaatlichte Royal Bank of Scotland ihr Ergebnis für das vergangene Jahr vorstellen wird, droht den britischen Steuerzahlern eine weitere Enttäuschung. Analysten erwarten, dass der umstrittene Vorstandschef Stephen Hester einen Verlust von mehr als einer Milliarde Pfund präsentieren wird. Mit 45 Milliarden Pfund musste der britische Staat die Bank 2008 vor dem Untergang bewahren. Seither hat die Sanierung 38 Milliarden Pfund verschlungen, und eine Reprivatisierung liegt in weiter Ferne. In den vergangenen zwölf Monaten brach der Aktienkurs um mehr als 40 Prozent ein. Der Einstiegspreis der Regierung lag bei 50 Pence je Aktie, gestern notierten die RBS-Papiere bei etwa 27 Pence.

EU-Kommission legt Konjunkturprognose vor
Die EU-Kommission berichtet über die Konjunkturaussichten für die 27 EU-Länder. Die Prognose umfasst Zahlen zu Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation. Im Herbst war die EU-Kommission noch davon ausgegangen, dass die Wirtschaft 2012 um 0,5 Prozent zulegen wird. Für 2013 hatten die Experten 1,5 Prozent Wachstum vorhergesagt. Allerdings hatten sich die Aussichten zuletzt eingetrübt und die Wirtschaft hatte weiter an Fahrt verloren.

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Romney schubst Santorum auf den heißen Stuhl
Noch ist nicht klar, wer in den US-Wahlen gegen Barack Obama antreten soll. In einer Fernsehdebatte stritt der bisherige Favorit Mitt Romney hitzig mit dem neuen Umfrage-Anführer Rick Santorum. Mehr...

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Heftiger Gewinneinbruch bei Hewlett-Packard
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TERMINE DES TAGES
Entkommt AIG der Verlustzone?
Der ehemals weltgrößte Versicherer AIG dürfte im vierten Quartal 2011 in die Gewinnzone zurückgekehrt sein. Der 2008 von der US-Regierung vor dem Kollaps gerettete Konzern wird nach Einschätzung von Analysten einen Gewinn von 0,61 Dollar je Aktie ausweisen. Im Vorjahr belief sich der Verlust noch auf 16,20 Dollar je Aktie. Dabei profitiert der Konzern vor allem von Verlustvorträgen aus der Vergangenheit und einem Kursanstieg des Asienversicherers AIA, an dem AIG beteiligt ist. Gleichzeitig sagen die Experten auch einen drastischen Einbruch der Einnahmen von 37 Prozent voraus.

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WORTE DES TAGES

"Egal, welche Stimmungsschwankungen sich ergeben - die obersten Lagen der Pyramide bleiben immer am Platz, die bleiben immer wohlhabend."
Patrizio di Marco,
Konzernchef von Gucci

"Das sind Dinge, die passieren im Leben eines Managers nur einmal, und das ist heute."
Gerhard Roiss,
Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV, zum Gasfund vor Rumänien