Roberto Abraham Scaruffi

Wednesday, 22 February 2012


Mittwoch, 22. Februar 2012
Guten Morgen,
die Beobachtermission der Internationalen Atomenergiebehörde hat Iran heute Nacht ohne Resultate verlassen. Die iranische Führung blockierte den Zugang zu einer wichtigen Atomanlage. Der Westen - in diesem Fall muss man wohl sagen, die CIA - vermutet, dass hier unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie ein Atomraketenprogramm gestartet wurde. Obamas Sprecher bekräftigte am Dienstag in Washington: "Israel und die USA sind sich einig im Ziel, dass Iran nicht an Atomwaffen gelangen darf." Das ist eine unverhüllte Kriegsdrohung. Wer glaubt, Amerika sei nach den Erfahrungen im Irak, in Afghanistan und Pakistan kriegsmüde, wird sich eines anderen belehren lassen müssen. Amerika führt seine Armee mit der gleichen Selbstverständlichkeit aus wie der Deutsche seinen Haushund.

Private Anleger leben derzeit in einer fast perfekten Welt: Die Euro-Krise verliert nach der Griechenland-Rettung ihren Schrecken, die Wirtschaft in den USA und in Deutschland entwickelt sich besser als gedacht und die Notenbanken fluten die Märkte mit billigem Geld. Der Dax ist seit Jahresanfang um 18 Prozent gestiegen und hat damit alle Prognosen der Analysten übertroffen, die einen solchen Anstieg allenfalls bis zum Jahresende erwartet hatten. Unser Titelthema beschäftigt sich mit dem "Kleinen Börsenwunder" und nennt sechs handfeste Gründe, warum dieser Anstieg vermutlich weitergehen dürfte. Vielleicht wird schon heute die 7.000er-Marke beim Dax übersprungen - auch wenn die Kurse im vorbörslichen Handel im Minus gestartet sind.

Unser VW-Experte Mark Schneider hat sich mit VW-Produktionsvorstand Hubert Waltl unterhalten. Von ihm erfuhr er folgendes: Volkswagen setzt weltweit auf die Einheitsfabrik. Das bedeutet: Die VW-Fabriken in Wolfsburg und Zwickau und das VW-Werk in Ingolstadt machen den Anfang, danach sollen alle Werke weltweit so umgerüstet werden, dass sie bald wie ein Ei dem anderen gleichen. Das Prinzip der Einheitsfabrik war bisher die Domäne der Japaner. Waltl setzt darauf, dass er auf diese Art die Investitionskosten für Fabriken um ein Fünftel senken kann. Wer in unserer heutigen Zeitung Schneiders ausführlichen Bericht liest, muss zu dem Schluss kommen: In Wolfsburg sitzen nicht nur Autoexperten, sondern auch Organisationsgenies.

Gleiche Industrie, andere Lage: Mazda kämpft ums Überleben, wie unser Tokio-Korrespondent Martin Kölling berichtet. Der japanische Autohersteller steckt tief in den roten Zahlen und braucht dringend Geld für die Expansion im Ausland. Die Aktionäre sind alarmiert, die Kurse purzeln schon. Was hat Mazda falsch gemacht? Kölling nennt in seiner Analyse drei Hauptfehler, allen voran der zu hohe Produktionsanteil (70 Prozent) in Japan. Toyota kommt nur auf einen Produktionsanteil von 40 Prozent und kann so die negativen Folgen des Yen-Anstiegs besser ausgleichen. Mazda ist teuer und unsexy. Das ist das Gegenteil von einer Zauberformel.

Eiszeit in der Berliner Koalition: Die Nominierung von Joachim Gauck entzweit die schwarz-gelbe Bundesregierung. Denn der Kanzlerin wurde dieser Präsident von der FDP regelrecht aufgenötigt, wie FDP-Chef Philipp Rösler seit Sonntagabend jedermann wissen lässt. Ja, die Kanzlerin habe mit ihm geschimpft, und gebrüllt wurde auch. Aber er, den der Historiker Arnulf Baring den Chef einer Schülerlotsenpartei nennt, sei hart geblieben. Ob diese Prahlerei dem Koalitionsfrieden dient, muss bezweifelt werden. Die Psychologen haben für die Tatsache, dass manche Menschen ihre Klappe nicht halten können, ein schönes Wort parat: Sie sprechen vom "Mitteilungstriumph", der aus dem Innersten über die Lippen nach außen dränge.

Der Antritt von Gauck wird durch die parteitaktischen Umstände seiner Wahl womöglich erleichtert. Er ist, wie Jürgen Kaube im FAZ-Feuilleton heute so schön formuliert, "ohne Rückerstattungspflichten gegenüber Gönnern und erfreulich schlecht vernetzt". Trotzdem warnt der Autor das künftige Staatsoberhaupt vor Leichtsinn: "Gerade in diesem Eindruck, dass es für ihn keine Gefahren gibt, liegt die größte."

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Tag. Es grüßt Sie auf das Herzlichste Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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Zweifel an Griechen-Rettung bremsen Dax
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Einkausfmanager-Indizes signalisieren Konjunkturerholung
Hat die Euro-Zone ihre Konjunkturschwäche überwunden? Darüber gibt der Einkaufsmanager-Index für den Januar Aufschluss. Sowohl für die gesamte Euro-Zone, als auch für Deutschland erwarten die Experten leichte Anstiege der Frühindikatoren.
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ZWEI MILLIARDEN DOLLAR
UBS platziert Eigenkapital-Anleihe
Die UBS hat ihr Emissionsprogramm für eine bessere Bilanz gestartet. Mit der ersten Eigenkapital-Anleihe hat das Schweizer Institut rund zwei Milliarden Dollar eingesammelt. Mehr...
TERMINE DES TAGES
Schwacher Jahresschluss für France Telecom
Der französische Telekomriese, der heute über den Verlauf des Schlussquartals 2011 berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten bei einem praktisch unveränderten Umsatz von gut 45 Milliarden Euro unter dem Strich rund 17 Prozent weniger verdient. Der Konkurrenzkampf im Heimatmarkt macht France Telecom zu schaffen, der Jobabbau ist teuer.

Valeo legt deutlich zu
Der Autozulieferer hat nach Einschätzung von Analysten ein gutes Jahr 2011 hinter sich. Der Konzern, der über das zurückliegende Geschäftsjahr berichtet, dürfte einen rund 14 Prozent höheren Nettogewinn von 418 Millionen Euro erzielt haben. Beim Umsatz erwarten Experten rund 10,7 Milliarden Euro, ein Plus von elf Prozent zum Vorjahr.
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INTERNET-PIRATERIE
Megaupload-Gründer Kim Schmitz auf Kaution frei
Die spektakuläre Verhaftung des Deutschen hat für Aufruhr in der Netzgemeinde gesorgt - jetzt ist er auf Kaution frei. Die Auflagen: Kim Schmitz darf das Internet nicht benutzen. "Lächerlich", sagt sein Anwalt. Mehr...
GEWALT IN SYRIEN
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Während in Syrien die Gewalt weitergeht und keine diplomatische Lösung in Sicht ist, kommt eine brisante Andeutung aus dem Weißen Haus. Washington schließt eine Bewaffnung der syrischen Rebellen nicht mehr aus. Mehr...
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Johnson & Johnson präsentiert neuen CEO
Der Hersteller der Penaten- und Bebe-Pflegeprodukte präsentiert einen neuen Chef: Alex Gorsky übernimmt ein Unternehmen, das in letzter Zeit vor allem mit Rückrufen Schlagzeilen gemacht hat. Mehr...
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Amerikaner sparen beim Autokauf
In Zeiten der Unsicherheit bleiben die Amerikaner ihren Autos länger treu, haben so alte Autos wie nie zuvor - und fahren sie weniger. Was nach schlechten Nachrichten klingt, ist für einige ein gutes Geschäft. Mehr...
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Harte Zeiten für Hewlett-Packard
Der langjährige PC-Weltmarktführer berichtet heute über den Verlauf des ersten Quartals seines Geschäftsjahres. Den chinesischen Konkurrenten Lenovo dicht im Nacken und bisher ohne Antwort auf die Konkurrenz der Tablet-Computer, hat HP nach Einschätzung von Analysten mit 30,8 Milliarden Dollar fünf Prozent weniger erlöst als vor Jahresfrist. Der Nettogewinn dürfte mit rund 1,75 Milliarden Dollar sogar um ein Drittel niedriger ausfallen.

Autovermieter Hertz mit mattem Schlussquartal
Der US-Autovermieter musste nach Einschätzung von Analysten im Schlussquartal 2011 deutlich Federn lassen. Beobachter rechnen beim operativen Gewinn (Ebitda) mit einem Minus von 45 Prozent auf knapp 340 Millionen Dollar.
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WORTE DES TAGES

"In den vergangenen zwei Jahren und in dieser Nacht habe ich gelernt, dass ,Marathon’ in der Tat ein griechisches Wort ist."
Olli Rehn,
EU-Währungskommissar, nach den Verhandlungen über Griechenland

"Wir sind guten Mutes, den Verkehr in den nächsten Tagen noch besser in den Griff zu kriegen."
Herbert Mai,
Personalchef von Fraport, über den Streik
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