Roberto Abraham Scaruffi

Wednesday, 22 February 2012


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Knauseriger Währungsfonds
Am Tag nach der Einigung über das zweite Rettungspaket für Griechenland kommen nun Details ans Licht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will nicht wie beim ersten Rettungspaket ein Drittel der Hilfsgelder übernehmen.Wieviel genau, blieb offen und soll erst in der zweiten Märzwoche entschieden werden. » (Handelsblatt » Süddeutsche Zeitung » Wall Street Journal) "Solche Knauserigkeit ist neu beim IWF", schreibt der » Spiegel. Noch vor vier Wochen hatte Christine Lagarde als Chefin des Internationalen Währungsfonds eine Botschaft für die deutsche Bundeskanzlerin im Gepäck: Angela Merkel und die anderen europäischen Regierungschefs müssten mehr Geld ausgeben, wenn sie die Krise erfolgreich bekämpfen wollten. Die privaten Gläubiger Griechenlands müssen nach Worten von Finanzminister Wolfgang Schäuble keine weiteren Einschnitte fürchten. Die Sparkassen sehen die Belastbarkeit der Gläubiger ausgereizt: Inklusive Zinseinbußen müssen die Kreditinsttute ihre Anleihen um rund 70 Prozent abschreiben, erläutert das » Manager Magazin. In welchem Umfang Privatanleger betroffen sind, steht laut » FTD aber noch nicht fest. Mutige Anleger hoffen nach wie vor auf eine vollständige Auszahlung. Führende deutsche Volkswirte haben die Einigung auf das zweite Rettungspaket für Griechenland begrüßt. "Zum ersten Mal hat die Politik in Europa sich den Realitäten der griechischen Krise gestellt und entschlossen gehandelt", sagte Oxford-Professor Clemens Fuest dem » Handelsblatt. Es werde allerdings wohl weitere Pakete geben müssen, sagt er voraus. Der Bankenverband erwartet laut ihrem Chef Michael Kemmer von den privaten Banken eine rege Teilnahme an Schuldenschnitt. » (Handelsblatt) Griechenland braucht ein politisches Rettungspaket, fordert die » Süddeutsche Zeitung. und beschreibt die Situation im Land. Dutzende Ex-Abgeordnete des Athener Parlaments fordern rückwirkende Gehaltserhöhungen. Und Finanzbeamte blockieren die Ausbildung von jungem, unbestechlichem Nachwuchs. Wer an schnelle Rettung glaubt, der macht sich etwas vor - in Athen, Brüssel oder Berlin. Athen hat nur neun Tage Zeit, um die vollständige Liste von harten Konditionen umzusetzen, erinnert die » Financial Times.
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NEWS
Die Krise der Anlegerschützer
Zum zehnten Mal gibt die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in diesem Jahr ihr "Schwarzbuch Börse" heraus. In den vergangenen Jahren präsentierte der Vorstand auf einer Pressekonferenz stolz sein Werk. Doch jetzt stehen frühere SdK-Funktionäre wegen Insiderhandels vor Gericht - und die Show fällt aus. Auf wen können sich Privatinvestoren eigentlich noch verlassen?, fragt der » Spiegel.
Schockierender Ausblick
Die Aareal Bank hat im vergangenen Jahr noch besser verdient als erwartet. Doch das Jahr 2012 geht der Immobilienfinanzierer mit deutlich gedämpften Erwartungen an - sehr zum Missfallen der Anleger.
» Handelsblatt » Börsen-Zeitung
Chinas Banken auf Europa-Kurs
Immer mehr chinesische Geldhäuser eröffnen Filialen im Ausland, beobachtet die » Welt. Mit ihrer Expansionsstrategie folgen sie anderen Branchen. Bis Otto-Normal-Kunde etwas davon hat, dürfte es noch etwas dauern: Zwar bieten die chinesischen Banken Konten und Geldanlagen an, das Privatkundengeschäft ist für sie aber nur Nebensache.
Die neuen Facebook-Millionäre
Facebook schafft eine neue Generation von Millionären. Entsprechend bauen Vermögensverwalter und Banken ihre Büros im Silicon Valley aus, schreibt der » Tagesanzeiger. Zumal die Facebook-Leute völlig anders als die Millionäre des Internetbooms vor zehn Jahren seien, die ihr Geld verprasst hatten. Die Facebook-Angestellten hätten diese Lektion begriffen und zudem die Finanzkrise von 2008 hautnah erlebt. Ihnen gehe es darum, ihren Reichtum langfristig und sinnvoll anzulegen.
Hohe Zusatzbeiträge drohen
Die gesetzliche Krankenversicherung schwimmt im Geld, aber laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey nicht mehr lange. Spätestens 2014 drohen den Kassen wieder Milliardendefizite - und den Versicherten hohe Zusatzbeiträge. Bei konservativen Annahmen durchschnittliche Zusatzbeiträge in Höhe von 15,50 Euro pro Monat.
» Spiegel
Shortcuts aus der Finanzbranche
Die Schweizer Bank PostFinance will nach guten Geschäftszahlen auch in diesem Jahr wieder zusätzliche Mitarbeiter einstellen. » NZZ Die Banken haben am Dienstag bei der EZB mehr Geld geordert als erwartet - insgesamt 166,5 Milliarden Euro. » HB Der Boom am deutschen Wohnimmobilienmarkt beunruhigt inzwischen auch die Bundesbank. » Capital HSBC will für Bonuszahlungen eigene Aktien verkaufen. » WSJ Bank of America’s Merrill Lynch Vermögensmanagement-Einheit versucht mit attraktiven Konditionen Banker von Konkurrenten abzuwerben. » WSJ Das größte Problem der Finanzindustrie ist der zunehmende Vertrauensverlust. Zu dem Schluss kommt die jetzt herausgegebene Essay-Sammlung "Investing in Change", die zugleich Lösungsansätze liefert. » HB Die Citigroup steht vor einer milliardenschweren Abschreibung aufgrund der Abwicklung eines Investments in Morgan Stanley Smith Barney Brokerage. » WSJ
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FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Umfangreiche Konten-Kündigung
Die Finanzgentur des Bundes hatte von ihren Kunden aufgrund des Geldwäschegesetzes Identifikationsunterlagen verlangt. (FinanceToday berichtete) Doch viele Privatanleger sind dieser Aufforderung nicht nachgekommen. Nun hat die Agentur die Konten von insgesamt 40 000 Kunden gekündigt.
» FTD
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HEUTE IM HANDELSBLATT
Titel: Das kleine Börsenwunder
Politik: Die neue Achse des Feminismus: Berlin-Köln
Unternehmen: Die genormte Fabrik
Finanzen: Werften suchen Geldgeber
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MENSCHEN UND MEINUNGEN
Dodos Whirlpool-Orgien
Dominique Strauss-Kahn, Ex-IWF-Chef, wurde von der Staatsanwaltschaft Lille vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Der 63 Jahre alte sozialistische Politiker wird verdächtigt, in die sogenannte Carlton-Affäre verwickelt zu sein. In dem Luxushotel in der nordfranzösischen Großstadt organisierte ein Kreis betuchter Geschäftsleute und lokaler Honoratioren mit Hilfe eines belgischen Nachtclubbetreibers mit dem Künstlernamen "Dodo la Saumure" (Dodo, der Salzhering) regelmäßig rauschende Abende mit Prostituierten. Strauss-Kahn bestreitet nicht, dass er mehrfach an Sex-Partys teilgenommen hat. Allerdings will er nicht gewusst haben, dass es sich bei den Damen um Prostituierte handelte. » (Handelsblatt » Wall Street Journal » Welt) Die Frau von Strauss-Kahn, die Journalistin Anne Sinclair, arbeitet aktuell als Chefredakteurin der französischen Ausgabe der "Huffington Post", die gestern auf ihrer Titelseite über die Verhaftung berichtet hat. » (Financial Times)
Italienischer Patient auf dem Weg der Besserung
Mario Monti, italienischer Premier, hat es geschafft, dass sein Land aus den Negativschlagzeilen verschwunden ist. So sind die Renditen für italienische Staatspapiere in den vergangenen Wochen gesunken. Monti scheint versprechen zu wollen, wovon seine Kollegen aus den Krisenländern kaum zu träumen wagen: weitere Sparpakete auszuschließen.
» Capital
"Leute nutzen Bankgeheimnis aus"
Prinz Max von und zu Liechtenstein, Chef der Liechtensteiner Bank LGT, hat vier Jahre nach dem Aufsehen erregenden Skandal um Steuerbetrug Probleme im Zusammenhang mit dem strikten Bankgeheimnis im Fürstentum eingeräumt. Die Bank habe das Risiko unterschätzt, dass "Leute unser Bankgeheimnis ausnutzen, um Steuern zu hinterziehen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Printausgabe). Dieses "Altlasten-Problem" sei die Bank "zu wenig schnell und konsequent angegangen".
» Handelsblatt
Hedge-Fonds-Manager auf dem Holzweg
John Paulson, Hedge-Fonds-Manager, muss sich nun mit einer Klage auseinandersetzen. Der Vorwurf: Er soll vor dem Investment in das Holz-Unternehmen Sino Forest nicht die notwendige "Due Dilligence" vorgenommen haben. Der Fonds von Paulson hat 2011 50 Prozent an Wert verloren.
» NY Times
Urteil aufgehoben
Sergey Aleynikov, ehemaliger Programmierer der Bank Goldman Sachs, konnte gestern den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Das Urteil wegen Diebstahl des Codes für "High-Speed-Trading" wurde aufgehoben.
» Bloomberg
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Börse im Bann des Fußballs
Spiele bei Fußballweltmeisterschaften haben großen Einfluss auf den Börsenhandel. Das hat eine Studie der Europäischen Zentralbank dokumentiert. Während der WM-Partien in Südafrika brach beispielsweise der Börsenhandel in den jeweils gerade spielenden Ländern um die Hälfte ein. Und sogar der Spielverlauf war demnach an den Märkten ablesbar: Fiel ein Tor, ging der Handel um weitere fünf Prozent zurück. Laut Studie dürfte in erster Linie die Ablenkung der Börsen-Händler für diese Einbrüche verantwortlich sein. Angesichts dieser Ergebnisse bleibt Europas Börsenplätze noch bis Juni Zeit, sich gegen diese Entwicklung zu wappnen: Dann findet nämlich die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine statt. Und dass diese die Händler ebenso sehr in ihren Bann zu ziehen vermag wie die vergangene Fußball-WM, ist anzunehmen.
» Wiener Zeitung