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Dienstag, 10. April
2012
Guten Morgen,
angesichts wachsender Spannungen in der
Golf-Region treiben die USA mit einem finanziellen und politischen
Kraftakt die Erschließung neuer Energiereserven voran. Präsident Barack
Obama setzt - trotz Bedenken von Umweltschützern - vor allem auf heimisches
Öl. "Drill, Baby, drill", hatte ihm Sarah Palin im letzten Wahlkampf
zugerufen. Damals vergeblich. Jetzt folgt Obama ihrem Rat. Unser heutiges
Titelthema "Amerika auf dem Weg zur Ölmacht" analysiert die Folgen dieses
Strategiewechsels für die USA und die Weltwirtschaft.
Mit einem
spektakulären Jobabbau will Sony aus der Verlustzone kommen. Der
Elektronik- und Unterhaltungskonzern wird nach Angaben der japanischen
Wirtschaftszeitung "Nikkei" bis Ende des Jahres weltweit 10.000 Arbeitsplätze
streichen. Ein Sony-Sprecher lehnte zwar gestern jeden Kommentar ab. Unser
Japan-Korrespondent Martin Kölling geht aber davon aus, dass das Schweigen als
Bestätigung gewertet werden muss.
Für viele Stadtkämmerer war der
Tarifabschluss im öffentlichen Dienst ein Schock. Nicht so für die IG
Metall. Sie betrachtet die Vorlage der Gewerkschaft Verdi als Ansporn für
ihre eigene Tarifrunde in der Metallindustrie. "Verdi hat gute Arbeit
gemacht", lobte IG-Metall-Chef Berthold Huber im Interview mit dem
Handelsblatt. Das Verdi-Ergebnis wirke "zusätzlich beflügelnd". Die IG Metall
fordert in der seit März laufenden Tarifrunde für die 3,6 Millionen Metaller
6,5 Prozent mehr Geld, strengere Regeln für die Zeitarbeit und eine
unbefristete Weiterbeschäftigung von Auszubildenden. Streiks sind ab Ende April
möglich.
Audi investiert in Personal und neue Produktionsstätten,
um den Konkurrenten BMW als führenden Hersteller von Premiumautos weltweit
abzulösen. Allein in Deutschland will die VW-Tochter 2.000 Spezialisten
einstellen. Das sind 800 mehr als ursprünglich geplant, teilte Audi gestern
mit. Zudem will der Autohersteller bis zu 700 Leiharbeiter fest anstellen.
In der Deutschen Bank befürchten nicht wenige Topleute eine
Dominanz der Investmentbanker. Der künftige Co-Chef Jürgen Fitschen
versucht, sie zu besänftigen. Auf einer Führungskräfteveranstaltung in
Berlin - der sogenannten Regional Management Conference - machten er und
Privatkundenvorstand Rainer Neske deutlich, dass sie auf einer
ausgewogenen Strategie bestehen werden. Ein Teilnehmer berichtet: "Auch
Neskes Botschaft war: We can make it - aber nur als Gesamtbank."
Für alle
Privatinvestoren legt unser Aktienanalyst Ulf Sommer heute seine
Zusammenfassung der amerikanischen Bilanzsaison vor: Der Boom nach der
großen Finanz- und Wirtschaftskrise mache Amerikas Konzerne so stark wie noch
nie, schreibt er. So verdienten die 100 größten Industrie-, Handels- und
Dienstleistungsunternehmen der USA im vergangenen Jahr mehr als je zuvor. Unter
dem Strich waren es 488 Milliarden Dollar, 13,4 Prozent mehr als im Jahr
2010. Die nach Umsatz sechs größten US-Konzerne strichen 2011 einen Nettogewinn
von 130 Milliarden Dollar ein. Das ist so viel wie in Deutschland die 100
größten Firmen zusammen geschafft haben. Top-Verdiener war der Ölkonzern
Exxon mit gut 41 Milliarden Dollar, gefolgt vom Wettbewerber Chevron,
der auf knapp 27 Milliarden Dollar kam. Allein diese beiden Firmen verdienten so
viel wie alle Dax-Konzerne zusammen.
Unser Wochenend-Titel "Mein Kopf
gehört mir" sorgt für anhaltende Diskussionen. 100 Prominente aus
Verlagen und Softwarehäusern, Musiker, Schauspieler und Autoren hatten gegen
die Umsonst-Kultur im Internet und deren politische Protagonisten, die
Piratenpartei, protestiert. Auf vielfachen Wunsch unserer Leserinnen und Leser
möchte ich Ihnen die Aktion "Mein Kopf gehört mir" als PDF-Download anbieten. Übers
Wochenende kamen weitere 60 Künstler, Politiker und Hochschulprofessoren hinzu,
die für den Schutz des geistigen Eigentums auch im Digitalzeitalter plädieren.
Wer mitdiskutieren möchte, sei hiermit eingeladen: Handelsblatt Online dokumentiert
das ganze Spektrum der Meinungen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in
die Nach-Osterwoche. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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Gabor Steingart Chefredakteur
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