Roberto Abraham Scaruffi

Tuesday, 10 April 2012


Dienstag, 10. April 2012 vorherige Ausgabe » anmelden »
steinbrueck.jpeg
Steuerstreit: Friedensmarsch statt Kavallerie-Attacke
Zwar haben die Schweiz und Deutschland am vergangenen Donnerstag ein Steuerabkommen unterzeichnet. Das Thema steht dennoch weiter ganz oben auf der Medien-Agenda. Im Fall der gestohlenen Credit-Suisse-Daten geht die Schweizer Bundesanwaltschaft nach einem Bericht der » Neuen Zürcher Zeitung nicht nur gegen drei deutsche Steuerfahnder vor, sondern auch gegen einen deutschen Notar. Diesem werfe die Bundesanwaltschaft Geldwäscherei und Urkundenfälschung vor. In der » Sonntagszeitung verschärft der Finanzminister von Baden-Württemberg, Nils Schmid, den Ton und kündigt den Kauf weiterer Daten-CDs an. Er erlaube seinen Steuerbeamten, aktiv nach Daten von Schweizer Banken zu forschen. Der » Spiegel berichtet über den Steuerfahnder Peter B., Chef des Wuppertaler Finanzamts, den die Aktion der Schweizer Bundesanwaltschaft eher kalt zu lassen scheine. Er verhandele gerade über den Ankauf zweier neuer Datenpakete aus der Schweiz. Es wäre Zeit für einen Friedensmarsch statt einen Kriegszug, fasst » The European den Steuerstreit zusammen. Die » Welt kommentiert das geplante Veto von Grünen und SPD im Bundesrat zum Steuerabkommen. Den Populisten, die warnten, durch das Abkommen werde Steuersündern Amnestie zuteil, sei nicht an einer gangbaren Lösung des Problems gelegen. "Stattdessen geht es um eine Moralisierung der Debatte. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man vermutet, dass das bereits wahlkampftaktische Gründe hat." Die martialische "Kavallerie-Rhetorik" à la Peer Steinbrück (Fotomontage) mache zwar vielleicht Eindruck in den Landtagswahlkämpfen dieser Wochen, in der Sache helfe sie aber wenig, schimpft das » Hamburger Abendblatt . Die Schweiz zeige derzeit keine Bereitschaft zu weiteren Nachverhandlungen, die nur dazu führen würden, dass die Delinquenten noch mehr Zeit bekämen, ihre Schätze woanders zu bunkern. "I love Schäuble", applaudiert die » Zeit dem Bundesfinanzminister, der im Steuerkrieg mit Bern als Einziger die Contenance bewahre.
FK_120410.jpg
NEWS
Trommelwirbel vor Mega-IPO
Zu den Internet- und Technologieschwergewichten Apple, Google und Microsoft könnte sich bald auch Facebook an der Nasdaq gesellen. Laut » Wall Street Journal hat sich die Technologiebörse im IPO-Rennen gegen die New Yorker Börse NYSE Euronext durchgesetzt. Kaufkräftig ist Facebook auch schon vor dem Börsengang: Laut » New York Times übernimmt das Portal für rund eine Milliarde Dollar die Fotocommunity Instagram. "Dreht das Silicon Valley jetzt völlig durch?", fragt das » Handelsblatt - eine Milliarde Dollar zahle Facebook für ein Mini-Unternehmen ohne Gewinn.
Öl-Hedge-Fonds macht die Schotten dicht
Einer der prominentesten Rohstoff-Hedge-Fonds gibt auf. Die beiden Gründer Pierre Andurand und Dennis Crema haben beschlossen, den Bluegold Capital geordnet zu liquidieren, meldet das » Handelsblatt Im vergangenen Jahr lagen die beiden Star-Ölhändler mit ihren Voraussagen für den Ölmarkt zu weit daneben. Ihr Hedge-Fonds verlor 35 Prozent an Wert und die Verluste ließen das verwaltete Vermögen von zwei Milliarden auf nur noch 1,2 Milliarden Dollar schrumpfen.
Grünes Licht für Hypothekenvergleich
Ein US-Gericht hat einen Hypothekenvergleich von fünf führenden Banken mit den Bundesstaaten über 25 Milliarden Dollar genehmigt. Der Vereinbarung zufolge bezahlen die Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase, Wells Fargo und Ally Financial jeweils fünf Milliarden Dollar an 49 Bundesstaaten sowie die Regierung in Washington, um damit den Vorwurf von Verfahrensfehlern bei der Zwangsversteigerung überschuldeter Häuser auszuräumen. Dies berichtet das » Handelsblatt
Wenn die Sparkasse lockt
Dass sich Provinzpolitiker gerne für Posten bei der Sparkasse anwerben lassen, hat einen einfachen Grund: Diese Nebeneinkünfte müssen nicht abgetreten werden. Politik und Banken seien eng verflochten, schreibt die » Welt Das System schaffe eine heikle Nähe und Abhängigkeiten und zementiere den Zustand eines Sektors, in dem tief greifende Reformen als politisch nicht durchsetzbar gelten.
Sand im Getriebe
Die deutsche Derivatebranche hat ein schwieriges Jahr hinter sich: Das in Zertifikate investierte Volumen sank laut » Financial Times Deutschland nach dem Sommercrash 2011 um knapp zehn Prozent, zum anderen seien auch die Börsenumsätze im Dezember dramatisch abgesunken. Doch langsam scheine das Vertrauen zurückzukehren.
Kunde ist nicht König
Banken wollen Geld verdienen, ihre Kunden auch - trotzdem sind die Interessen häufig nicht deckungsgleich. "Banken und ihre Kunden reden oft aneinander vorbei", sagt der Bankenforscher Dominik Georgi von der Frankfurt School of Finance & Management. Der Autor einer Studie mit dem Titel "Kundennutzen von Bankprodukten" führt laut » Handelsblatt aus: "Banken tun sich teilweise schwer damit, sich am Kundennutzen zu orientieren."
Shortcuts aus der Finanzbranche
Sollte die CME Group im Bietergefecht um die London Metal Exchange unterliegen, könnte das Unternehmen aus Chicago eine eigene Futures-Börse in London aufbauen » FT Portugiesische Banken haben sich im März von der Europäischen Zentralbank so viel Geld geliehen wie noch nie » Cash Die griechische Eurobank befindet sich beim Verkauf ihrer Beteiligung an der türkischen Sparte von Kuwaits Burgan Bank auf der Zielgeraden » HB Die Nürnberger Versicherungsgruppe hat ihr Konzernergebnis nach Steuern 2011 mehr als verdoppeln können » Cash Online Die Finanzdynastie Rothschild will ihre Kontrolle über das jahrhundertealte Bankhaus ausbauen und damit dessen Unabhängigkeit sichern » HB Die Commerzbank hat mit einer Blitzüberweisung die Rettung des insolventen Backwaren-Unternehmens Müller-Brot ermöglicht » Focus Der Schweizer Franken ist vergangene Woche kurzzeitig unter die Marke von 1,20 Franken je Euro gesunken, jetzt muss sich die Schweizer Nationalbank behaupten » FTD Die Hamburger Niederlassung der Bank Julius Bär Europe wächst räumlich und personell » Finenews Die vor der Teilverstaatlichung stehende Österreichische Volksbanken AG hat im vergangenen Jahr Verluste von fast einer Milliarde Euro verbucht » HB Die Vergütung der Chefs der staatlich gestützten Firmen AIG, General Motors und Ally Financial wird 2012 eingefroren » WSJ
Neu_HB_4Wo_Amazon_630x170.jpg
FB_FT.jpg
FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Der Reichste der Reichen
Ray Dalio, US-Hedge-Fonds-Manager, hat im vergangenen Jahr fast vier Milliarden Dollar verdient und sich damit an die Spitze der verhassten Branche gesetzt. Doch hinter seinem Erfolg steckt mehr als nur clevere Zockerei.
» Spiegel
» Handelsblatt (kostenloses Probeabo)
HEUTE IM HANDELSBLATT
Titel: Amerika auf dem Weg zur Ölmacht
Politik: "Verdi hat gute Arbeit gemacht"
Unternehmen: US-Konzerne auf dem Olymp
Finanzen: Der Garantiezins wackelt
» Handelsblatt vierwöchiges Miniabo » Hier können Sie die aktuelle Ausgabe für 1,59 € direkt downloaden
MENSCHEN UND MEINUNGEN
Rainmaker verdient weniger
Anshu Jain und Jürgen Fitschen, bald Vorstandschefs der Deutschen Bank, sollen künftig etwas weniger verdienen als der scheidende Chef Josef Ackermann. Laut » Spiegel sollen beide die gleichen Bezüge erhalten, was de facto bei Jain, dem bisherigen Investmentbanking-Chef, zu Einbußen führen werde. Unter der Überschrift "Bollywood in Frankfurt" sondiert der Spiegel in der gedruckten Ausgabe außerdem den neuen Kurs der Bank unter Jain. Dass die Deutsche Bank "wieder zur Zockerbude" werde, sei unwahrscheinlich. Das Privatkundengeschäft solle neben dem Investmentbanking weiter wachsen. » Fortune erkennt in den Wachwechseln unter den Investmentbankern bei Bank of America, Deutsche Bank, Credit Suisse und UBS einen Beleg dafür, dass neue Rainmaker an der Wall Street angetreten seien. Darunter sei der 39-jährige Colin Fan, der als neuer Co-Chef das Investmentbanking der Deutschen Bank steuere.
Die Policen von Don Salvatore
Salvatore Ligresti, italienischer Unternehmer, hat mit der Fondiaria Sai einen über lange Zeit florierenden Versicherungskonzern aufgebaut. Der hat sich auch an Politikern gütlich getan. Nach Großverlusten steht nun der Verkauf an, schreibt das » Handelsblatt
Tödlicher Betrug
Wang Caipang, chinesischer Händler, soll Investoren um über zehn Millionen britische Pfund betrogen haben. Laut » Daily Mail lieh sich der 30-Jährige Geld, um u.a. in Immobilien zu investieren, zockte stattdessen aber mit Futures und im Goldgeschäft. Ein chinesisches Gericht habe Caipang zum Tode verurteilt.
Hellenische Hoffnungen
Jörg Asmussen, EZB-Direktoriumsmitglied, hat für 2014 eine wirtschaftliche Erholung im angeschlagenen Griechenland in Aussicht gestellt. Ziel sei es, das auf ausländische Geldspritzen angewiesene Land ab 2015 wieder schrittweise an den Kapitalmarkt heranzuführen. Asmussen dämpfte in der » Rheinischen Post erneut Erwartungen, dass die EZB weiterhin große Summen zu Niedrigzinsen den Banken zur Verfügung stellen könnte.
Wenn der Banker zusticht
William Bryan Jennings, ehemals hochrangiger Manager bei Morgan Stanley, soll einen New Yorker Taxifahrer mit einem Messer angegriffen haben (FinanceToday berichtete). Die » Financial Times Deutschland rekapituliert den blutigen Streit um 200 Euro. In der kommenden Woche setze das Gericht seine Anhörungen im Vorfeld der Hauptverhandlung fort.
ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Anthropologe nimmt Banker unter die Lupe
Viel ist in den vergangenen Jahren über gute und schlechte Banker geschrieben worden. Eines der besten Psychogramme hat Joris Luyendijk verfasst. Seit einem dreiviertel Jahr arbeitet Luyendijk an einer anthropologischen Feldstudie zur Londoner Finanzszene, die quasi in Echtzeit im Internet dokumentiert wird. Bezahlt wird der Anthropologe und Journalist dafür von der britischen Tageszeitung The Guardian, die seinen "» Banking Blog " auf ihrer Webseite veröffentlicht. Der niederländische Anthropologe reagiert fasziniert und abgestoßen auf seine Klientel: Eine Charaktereigenschaft seiner Gesprächspartner beeindruckt Luyendijk immer wieder besonders. "Banker jammern nicht herum." Egal wie gestresst, frustriert oder überarbeitet sie seien - "Selbstmitleid kennen sie nicht." Negativ hebt der Niederländer hervor, dass es allgegenwärtig in der Branche sei, auf die Kunden herabzublicken und sich stets zu fragen, wie man ihnen noch mehr Geld aus der Tasche ziehen könne, zitiert das » Handelsblatt