Roberto Abraham Scaruffi

Friday, 17 February 2012


Freitag, 17. Februar 2012
Guten Morgen,
es gibt ein Gefühl, das man in politischen Spitzenpositionen nicht gebrauchen kann: Mitleid. Wenn diese menschlich sympathische Regung einem obersten Repräsentanten zuteilwird, ist der Untergang nahe. Gestern hat die Staatsanwaltschaft in Hannover die Aufhebung der Immunität von Bundespräsident Christian Wulff beantragt. Es gebe einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Jetzt muss der Bundestag entscheiden, ob gegen Wulff strafrechtlich ermittelt werden darf. Der Präsident ist damit nicht mehr Herr seines Schicksals. Es riecht nach Rücktritt.

Der Abschied aus dem Atomzeitalter und der Einstieg in eine Energieversorgung, die vor allem auf Sonne, Wind, Erdwärme und Biogase setzt, ist ein weltweit einmaliges Experiment. So radikal hat keine Industriegesellschaft zuvor freiwillig ihre Energiebasis zur Disposition gestellt. Die neue Zeit wirft unzählige Fragen auf; 50 davon hat unser Energieteam für Sie beantwortet: Was kostet dieses historische Experiment? Wohin mit den AKWs und den Brennelementen? Steigt die Gefahr von Stromausfällen? Wie kann ich mich als Einzelner für die Energiewende engagieren? Lohnt es sich noch, eine Solaranlage auf dem Hausdach zu bauen? Bei allen, die mit ihren Fragen zum Gelingen dieses Schwerpunktthemas beigetragen haben, möchte ich mich herzlich bedanken. Die kollektive Kraftanstrengung hat sich gelohnt: Erstmals liegt eine ideologiefreie und zugleich schonungslose Bestandsaufnahme vor, die die Chancen taxiert, Risiken nicht verschweigt und die Kosten für den Einzelnen und die Wirtschaft präzise benennt.

General Motors hat gestern ein Rekordergebnis vorgelegt: 7,6 Milliarden Dollar verdiente das einstige Konkursunternehmen im Jahr 2011. Wir analysieren das "Wunder von Detroit". Es ist ein Wunder, für das die Aktionäre und die Zeichner von GM-Anleihen teuer bezahlt haben. Im Zuge des Konkursverfahrens mussten sie auf 50 Milliarden Dollar verzichten. Auch jetzt steht ihnen kein Cent Wiedergutmachung zu. In Amerika wird nun mal die Zukunft höher bewertet als die Vergangenheit. Die Hauptsache: Das Schicksal der GM-Gläubiger ist nicht ein Vorspiel für das, was den Inhabern amerikanischer Staatsanleihen erst noch blüht. Es gibt viele Wege für einen Staat, Vertrauen zu verspielen - Enteignung ist der sicherste.

Womit wir bei Griechenland wären: Dort denkt man laut darüber nach, wie man möglichst alle am Schuldenschnitt beteiligt, deren Staatsanleihen Ende März zurückgezahlt werden müssten. Nachträglich, so der Trick, würde das Parlament die Anleihebedingungen ändern. Dann würde der "freiwillige" Schuldenerlass verbindlich. Im stalinistischen Russland fasste ein derber Volksmund dieses Vorgehen so zusammen: "Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir die Fresse ein."

Die EZB riecht den Braten. Wie wir aus Kreisen der Notenbank hören, sollen rechtzeitig vorher die fraglichen Staatsanleihen gegen Papiere mit längerer Laufzeit getauscht werden. Damit wäre die EZB - so oder so - nicht mehr vom diesem Teil des Schuldenschnitts betroffen. Wer privat noch März-Anleihen besitzt, sollte der EZB folgen. Von seiner Notenbank lernen, heißt zwar in diesem Fall nicht siegen lernen. Aber so lässt sich fürs erste weiterer Schaden vermeiden.

Am Frankfurter Flughafen herrschen bizarre Zustände. Hunderte von Büroangestellten wurden in die Kunst eingeführt, ein Flugzeug zu seinem Stellplatz zu lotsen. Heute kurven Laiendarsteller mit den "Follow me"-Fahrzeugen über die Landebahnen. Denn: Die Gewerkschaft der Flugsicherung befindet sich im Ausstand. Trotz der geplanten Nothelfer wird es zu Verspätungen und zum Ausfall von Flugverbindungen kommen. So hatten wir uns das mit der allseits geforderten "Entschleunigung" des Berufslebens eigentlich nicht vorgestellt.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in Richtung Wochenende, das im Rheinland und weiten Teilen Hessens mit der gestrigen Weiberfastnacht bereits begonnen hat. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

17022012_HBTitel_neu.jpg



Gabor Steingart
Chefredakteur

Banner_bnr_01.png

17022012_Online.jpg
ATHENER SCHULDENSCHNITT
EZB wappnet sich für ein Scheitern des Griechenland-Haircuts
Die Notenbanken bereiten sich darauf vor, dass der freiwillige Schuldenschnitt für Griechenland scheitert. Sie tauschen ihre Griechenland-Anleihen in neue Schuldscheine um. Damit wären sie auf der sicheren Seite. Mehr...


presseschau02.jpg
FÜR SIE GELESEN
Die Handelsblatt Presseschau
Die internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die Zukunft Europas. Zudem findet die Financial Times Deutschland: Eine Wulff-Entscheidung muss politisch fallen. Der Komersant berichtet: Die russische Staatsbank macht Apple Konkurrenz. Mehr...

LESERFAVORITEN
1. BAUFINANZIERUNG
Tausende Häuslebauer haben sich verzockt
 Facebook
2. TALKSHOW VON ANNE WILL
"Jetzt geht das Niveau wieder voll in den Keller!"
 Facebook
3. TREUHANDKONTO
Athen gibt nach, Berlin bleibt hart
 Facebook
4. DUELL DER GELDMANAGER
Wer am meisten aus dem Geld macht
 Facebook
5. RATING IN GEFAHR
Moody's teilt aus - Bankaktien knicken ein
 Facebook
Banner_bnr_02.png
DAX-AUSBLICK
Gute Vorgaben für den Dax
Die Entscheidung zur Griechenland-Rettung rückt näher und die US-Konjunktur springt an. Gute Nachrichten für Anleger. Nicht die einzigen Neuigkeiten, die heute die Börsen beflügeln könnten. Mehr...

BÖRSE TOKIO
US-Konjunkturdaten beflügeln den Nikkei
Der Nikkei legt kräftig zu. Aktuelle US-Konjunkturdaten deuten auf eine wirtschaftliche Erholung hin - ein wichtiges Signal für japanische Exporteure. Die Aktionäre von Panasonic können sich heute besonders freuen. Mehr...

BÖRSE NEW YORK
S&P 500 erreicht Neun-Monats-Hoch
Nach einem verhaltenen Start hat es an der Wall Street deutliche Kursgewinne gegeben. Gute US-Konjunkturdaten sorgten für Erleichterung und Anleger blickten optimistisch auf die Griechenland-Rettung. Mehr...


Wallstreet01.jpg
VIDEO
Marktbericht Wall Street


Frankfurt02.jpg
VIDEO
Börse Frankfurt


Analyser-to-go.jpg
VIDEO
Analyser to go

Banner_bnr_04.png

AUFHEBUNG DER IMMUNITÄT
Staatsanwaltschaft will gegen Wulff ermitteln
Erstmalig soll gegen einen Bundespräsidenten ermittelt werden. Der Bundestag soll auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Immunität des Präsidenten aufheben. Rücktrittsforderungen werden laut. Die Regierungskoalition ist in Aufregung. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Erzeugerpreise klettern weniger stark
Experten schätzen, dass die Erzeugerpreise in Deutschland im Januar um 3,2 Prozent höher lagen als vor Jahresfrist. Im Dezember hatte der Preiszuwachs noch vier Prozent betragen. Im Vergleich zum Vormonat dürfte das Plus 0,3 Prozent betragen haben. Heute werden die aktuellen Zahlen bekanntgegeben.

Gutes Jahr für Pfeiffer Vacuum
Der Maschinenbauer, der nach der Übernahme der größeren französischen Firma Adixen Anfang vergangenen Jahres zum zweitgrößten Hersteller von Vakuumpumpen weltweit aufgestiegen ist, kann nach Einschätzung von Analysten heute über ein erfolgreiches Geschäftsjahr berichten. Sie rechnen mit einem um 40 Prozent höheren Nettogewinn. Der Umsatz dürfte zuletzt auf gut 520 Millionen Euro gestiegen sein.

trenner_anzeige.jpg
HB_4Wo_Thalia_610x165.jpg
Banner_bnr_05.png

ANGELA MERKEL UND MARIO MONTI
Eiserne Kanzlerin trifft auf selbstbewussten Dottore
Die Zeit des Wehklagens ist in Italien vorbei. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel heute nach Rom reist, trifft sie auf einen sehr selbstbewussten Premier. Mario Monti denkt nicht daran, in der Euro-Krise klein beizugeben. Mehr...

TERMINE DES TAGES
Air Liquide auf Wachstumskurs
Der weltgrößte Industriegase-Hersteller strebt dank robuster Nachfrage aus den Schwellenländern auch für 2012 einen Anstieg des Nettogewinns an. Voraussetzung sei allerdings, dass es nicht zu einem schweren Wirtschaftsabschwung komme, erklärte Konzernchef Benoit Potier. Im vergangenen Jahr steigerte der Linde -Konkurrent den Nettogewinn um 9,4 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro und den Umsatz um 7,2 Prozent auf 14,46 Milliarden. Damit blieb das Unternehmen im Rahmen der Analystenschätzungen. Im vierten Quartal verlangsamte sich das Wachstum allerdings wegen einer schwächeren Nachfrage der Kunden aus der Elektro- und der Stahlindustrie.

Schlechtes Jahr für Lafarge
Eine schwächere Nachfrage und steigende Kosten haben den weltgrößten Zementhersteller im abgelaufenen Geschäftsjahr schwer belastet. Experten gehen davon aus, dass das Unternehmen, das heute seine Zahlen vorlegt, mit 695 Millionen Euro unter dem Strich 16 Prozent weniger verdient hat als im Jahr zuvor. Beim Umsatz erwarten sie ein Minus von sechs Prozent auf etwas mehr als 15 Milliarden Euro.

Britischer Konsum schwächeln
Der britische Einzelhandel bekommt die Konsumunlust der Verbraucher zu spüren. Im Januar, so schätzen Analysten, sind die Umsätze des Einzelhandels im Vergleich zum Vorjahresmonat nur um 0,5 Prozent gestiegen.

Banner_bnr_06.png

US-STEUERKOMPROMISS
Obama drängt auf rasche Abstimmung im Kongress
Die Spitzen der beiden US-Parteien haben sich auf einen Steuerkompromiss geeinigt. Heute sollen die Abgeordneten im mehrheitlich von Republikanern geführten Repräsentantenhaus dazu ihre Stimme abgeben. Mehr...

INTERNET-DIENSTLEISTER
Google-Konkurrent Baidu macht Gewinnsprung
Der chinesische Internet-Dienstleister und Google-Rivale Baidu hat im vierten Quartal Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert. Nach der Bekanntgabe der Zahlen sprang der Aktienkurs der Firma. Mehr...

CHINA
Apple verbietet Webshops den iPad-Verkauf
Laut eines Zeitungsberichts hat Apple nicht autorisierte chinesische Händler dazu aufgefordert, sein iPad2 von der Website zu nehmen. Darunter war auch die chinesische Seite von Amazon. Mehr...

RAKETENABWEHR
USA wollen Meads-System weiterentwickeln
Am Raketenabwehrsystem Meads ist unter anderem der europäische Rüstungskonzern MBDA beteiligt. US-Verteidigungsminister Leon Panetta und sein deutscher Amtskollege Thomas de Maizière besprachen, wie es mit Meads weitergeht. Mehr...

BILLIGFLIEGER
Air Australia ist in Geldnöten
Tausende Flugpassagiere von Air Australia sind gestrandet, denn der Billigflieger hat Gläubigerschutz beantragt. Das Unternehmen aus Brisbane beschäftigt 300 Mitarbeiter. Mehr...

TERMINE DES TAGES
US-Preisauftrieb schwächt sich leicht ab
Heute werden in Washington Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Januar veröffentlicht. Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate im Vorjahresvergleich bei 2,9 Prozent gelegen hat, nach drei Prozent im Monat zuvor.

Banner_bnr_07.png

17022012_Kari.jpg
WORTE DES TAGES

"Es gibt keine Probleme mit Deutschen und Deutschland in Griechenland."
Michalis Chrisochoidis,
griechischer Wirtschaftsminister

"Zwei Prozent der Beschäftigten dürfen einfach nicht ein Unternehmen erpressen."
Herbert Mai,
Fraport-Arbeitsdirektor

trenner_anzeige.jpg

iPad_fuer-Bannerwerbung.png
Handelsblatt First.
Die News-App für Entscheider

Handelsblatt First, die iPad-App für exklusive und schnelle Wirtschaftsnachrichten. Powered by FedEx.
Jetzt kostenlos testen