Roberto Abraham Scaruffi

Friday, 17 February 2012


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Schmeißen Sie das Handtuch, Herr Präsident
Die Staatsanwaltschaft Hannover hat die Aufhebung der Immunität von Bundespräsident Christian Wulff (das Foto zeigt einen Karnevalswagen) beantragt. Es gebe einen Anfangsverdacht wegen Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Damit wird zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein Ermittlungsverfahren gegen einen amtierenden Bundespräsidenten eingeleitet, meldet das » Handelsblatt. Politisch stehe der Fall Wulff wohl kurz vor dem Ende, davon geht die » Süddeutsche Zeitung aus. Es wäre der falsche Ansatz, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nun darauf setzen würde, dass die Staatsanwaltschaft Hannover über die Zukunft von Christian Wulff entscheidet, warnt die » Financial Times Deutschland. "Diese Entscheidung darf nicht juristisch fallen, sie muss politisch fallen." In einem weiteren Artikel listet die » FTD Wulffs Gönner auf, darunter der mehrere Hundert Millionen Euro schwere AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und der Talanx-Chef Wolf-Dieter Baumgartl, der sich als Gastgeber mit Toskana-Villa profiliert habe. Wenn eine Staatsanwaltschaft den Inhaber des höchsten deutschen Amtes unter die Lupe nehme, dann werde die Zurückhaltung aufhören, die bisher im politischen Berlin mit Blick auf Wulff guter Brauch gewesen sei, erwartet die » Welt. Und schimpft in einem weiteren » Kommentar, dass es Angela Merkel geschafft habe, mit Wulff einen Kandidaten auszuwählen, der nicht nur selbst überfordert sei, sondern darüber hinaus auch noch das Amt bis zur Unkenntlichkeit demoliere. Der Ex-Politiker-Berater » Michael Spreng meint, dies sei eine bittere Stunde für die Kanzlerin. Aber möglicherweise werde auch "dieser Schmutz" an ihrer "Teflonschicht" abperlen, weil sie den Wählern als moralisches Gegenbild zum unmoralischen Präsidenten erscheine. Ein Ende mit Schrecken könne Wulff nicht mehr herbeiführen, weil seine Affäre längst zu einem Schrecken ohne Ende geworden sei, schreibt die » Zeit. "Was er aber vielleicht noch tun kann, ist kapitulieren. Weil es Dinge gibt, die auf Dauer niemand ertragen kann."
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NEWS
Athen lenkt ein, Berlin bleibt hart
Die griechische Regierung hat sich nun doch damit einverstanden erklärt, Staatseinnahmen künftig zur Schuldentilgung auf ein Sperrkonto fließen zu lassen. Das erfuhr das » Handelsblatt in deutschen Regierungskreisen. Doch Athens Einlenken erfülle nach Berliner Urteil immer noch nicht alle Bedingungen für das Hilfspaket. Und dürften auch nicht den Zorn der » Bild-Zeitung dämpfen. "Wir zahlen und sie bepöbeln uns", blickt das Blatt auf die Nazi-Vergleiche. Und folgert: "Schmeißt die Griechen endlich aus dem Euro!" Dies sei der Untergang des Europas, wie wir es über Jahrzehnte hinweg gekannt haben, stellt die » Welt fest. "Plötzlich müssen wir feststellen, dass wir unser politisches und ökonomisches Schicksal an Gesellschaften gebunden haben, über die wir herzlich wenig wissen." Ein griechischer Austritt aus der Eurozone werde zu Chaos in Griechenland führen, während die externen Folgen von EU und EZB beherrscht würden, schreibt das zur Wall Street Journal-Gruppe gehörende » Blog Marketwatch. Die » Zeit findet einen Vorschlag der » Financial Times sympathisch, nach dem die EU Griechenland und Portugal pleitegehen lässt, sie jedoch in der Währungsunion hält. Um alle anderen Länder sollte eine Art Brandmauer gezogen werden. Der Widerstand der EZB gegen freiwilligen Schuldenschnitt habe es schwerer gemacht, private Kreditoren vom eigenen, freiwilligen Haircut bei der Restrukturierung griechischer Schulden zu überzeugen, meint die » Financial Times in einem weiteren Artikel. "Es ist sehr schade. Verluste zu verdecken, bringt sie nicht zum Verschwinden".
Ratingagentur verteilt Kollektiv-Klatsche
Für 17 internationale Großbanken und weit mehr als 100 Institute in Europa gab es gestern Prügel von der Ratingagentur Moody's. Geldhäusern und Versicherern drohen schlechtere Note für ihre Kreditwürdigkeit. In der Finanzbranche sind u.a. die global agierenden Kreditinstitute Deutsche Bank, HSBC, Goldman Sachs, Credit Suisse und BNP Paribas betroffen » (BZ » NZZ » NYT). Laut » Bloomberg verschiebt Goldman Sachs infolge der Moody's-Klatsche den Verkauf von Samurai-Bonds, Yen-Anleihen, die von ausländischen Emittenten in Japan begeben werden. Die Investoren lasse die Downgrade-Drohung kalt, analysiert das » Wall Street Journal.
Russische Staatsbank macht Apple Konkurrenz
Laut der Zeitung » Kommersant ist die russische Sberbank, die sich mehrheitlich in staatlichem Besitz befinde, im vergangenen Jahrzehnt die zweitbeste Investitionsmöglichkeit an den Börsen weltweit gewesen. Wer im Jahr 2002 Sberbank-Aktien für 100 Dollar gekauft hätte, könnte diese Aktien nun für 3722 Dollar verkaufen. Noch profitabler seien lediglich Apple-Aktien gewesen. Den dritten Platz in dem Ranking belege ConocoPhillips, dessen Papiere bei einer Investition von 100 Dollar vor zehn Jahren nun etwa 1400 Dollar kosten würden.
Schönrechnern auf der Spur
Rechnen sich manche Banken mit ihren internen Ratingmodellen ihre Kreditrisiken schön? Der Verdacht kursiert schon lange in Fachkreisen, nun will sich nach » Handelsblatt-Informationen auch der internationale Baseler Bankenausschuss dieses Themas annehmen. Noch in diesem Jahr soll eine Arbeitsgruppe mit einer Untersuchung beginnen, die die internen Risikomodelle von Banken aus verschiedenen Ländern vergleicht.
Shortcuts aus der Finanzbranche
Die CME Group und NYSE Euronext haben Angebote zur Übernahme der Londoner Rohstoffbörse LME abgegeben. » Bloomberg » FT Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich hat 2011 seinen Nettogewinn deutlich gesteigert, trotz vieler Großschäden. » Hz Die Direktbank Comdirect hat 2011 Jahr ein Rekordergebnis erwirtschaftet, der Vorsteuergewinn wuchs um rund ein Drittel. » BZ Der Versicherer HUK-Coburg will mit einer Beitragsgarantie in der Krankenversicherung das Problem der steigenden Beiträge für ältere Kunden in den Griff bekommen. » FTD Das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweizer steht nach wie vor auf der Kippe, die Finanzminister der SPD-Länder bleiben beim "Nein". » Cash Die Lloyds Banking Group, Mutterkonzern des britischen Versicherers Clerical Medical, hat Rückstellungen in Höhe von 200 Millionen Euro gebildet, um Schadensersatzforderungen von Kunden zu decken. » Manager Magazin Die Basler Kantonalbank büßte 2011 fast 20 Prozent beim Bruttogewinn ein. » Hz
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FEEDBACK - meistgeklickter Link der vorherigen Ausgabe
Millionenjagd auf Florian Homm
Florian Homm, seit 2007 offenbar wegen erboster Investoren untergetauchter Hedge-Fonds-Manager und ehemaliger BVB-Aktionär, wird von der US-Börsenaufsicht und Josef Resch verfolgt. Der Privatermittler hat ein Kopfgeld von 1,1 Millionen Euro ausgesetzt - und sieht sich kurz vor dem Ziel.
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HEUTE IM HANDELSBLATT
Titel: Das Wunder von Detroit und das Leid der Anleger
Politik: Athen und Berlin trennen Welten
Unternehmen: Der Intrigantenstadl
Finanzen: Unter Beobachtung
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MENSCHEN UND MEINUNGEN
Deutschland ist kein Selbstbedienungsladen
Rainer Brüderle, FDP-Fraktionschef, fordert von der Bundesregierung eine harte Haltung gegenüber Griechenland. "Der deutsche Staatshaushalt ist kein Selbstbedienungsladen für andere Länder, daher erwarten wir für unsere Solidarität auch belastbare Zusagen der Griechen", so Brüderle im » Handelsblatt. Die Geldgeber müssten prüfen, "ob die Hilfen auch in mehreren Tranchen ausgezahlt werden können".
Sternengreifer landet auf dem Bauch
Philip A. Falcone, CEO von Harbinger Capital Partners, vollzieht mit seinem Mobilfunk-Startup Lightsquared eine Bauchlandung. Der 49-Jährige wollte laut » Financial Times Deutschland mit einem eigenen Satelliten und Mobilfunknetz den US-Telefonriesen AT&T und Verizon Konkurrenz machen. Doch die Aufsichtsbehörde FCC stoppte den Vorstoß. Sein Nimbus als Gründer, Chef und Investor sei schwer beschädigt, so die FTD.
Pimco prescht vor
Bill Gross, prominenter Anleiheexperte bei Pimco, sorgt mit seinem Debüt als Manager eines börsennotierten Indexfonds (ETFs) für Schlagzeilen. Dieses werde ein Lackmustest für aktiv gemanagte ETFs, zitiert das » Handelsblatt den ETF-Analysten Scott Burns von Morningstar. "Wenn er erfolgreich verläuft, und davon gehe ich aus, werden andere Manager die Seitenlinie verlassen und mitspielen."
China-Experte nur noch akademisch
Stephen Roach, bislang nonexecutive Asien-Chairman bei Morgan Stanley, legt das Amt nieder, um sich vollständig einem Lehrauftrag an der Yale-Universität zu widmen. Roach gilt als einer der besten China-Kenner der Investmentbanking-Branche.
» New York Times » Financial Times
Finanz-Behörden verhaften ihren Kritiker
John Kinnucan, Technologie-Analyst, der für Citadel und SAC Capital Advisors arbeitet, ist laut » New York Times wegen des Verdachts des Insiderhandels festgenommen worden. In den vergangenen Monaten war Kinnucan einer der schärfsten Kritiker der staatlichen Offensive gegen Insiderhändler. Die hat bislang zu 60 Verurteilungen und Schuldeingeständnissen geführt. Bei Goldman Sachs steht Henry King, ebenfalls Technologie-Analyst, im Fokus ähnlicher Ermittlungen (FinanceToday berichtete gestern).
WIRTSCHAFTSBUCH DER WOCHE
Wie Sie das Beste aus Ihrem Gehirn machen
Das menschliche Gehirn ist ein Wunder - aber es stößt angesichts der modernen Arbeitswelt mit einer Flut von Emails, immer wieder störenden Telefonate, Ablenkungen. und Zeitdruck immer wieder an Grenzen. David Rock schafft hier seit Jahren Abhilfe. Er berät Unternehmen und deren Mitarbeiter und zeigt, wie man sein Gehirn mit kleinen Hilfsmitteln zu höchster Effektivität bringt und dabei noch weniger ermüdet als bisher.
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ZUGABE - worüber die Finanzwelt schmunzelt
Wulff fordert hochkarätige Moralapostel
In der » Welt nimmt Kolumnist Hans Zippert den Bundespräsidenten aufs Korn. Dieser habe sich kürzlich enttäuscht über das Niveau seiner Kritiker geäußert. Er habe das Recht auf eine Schulddiskussion auf höchstem Niveau und verlangte für die nächste Günther-Jauch-Sendung Moralapostel wie Peter Sloterdijk, statt Nullnummern wie Let's-Dance-Star Heide Simonis. Andernfalls drohte er damit, sich ab sofort nichts mehr zu schulden kommen zu lassen. Jauchs Replik: Er sei nicht erpressbar und mache eine Sendung mit Daniela Katzenberger, Dariusz Michalschewski, den Wildecker Herzbuben und Margot Käßmann.