Roberto Abraham Scaruffi

Thursday, 8 March 2012


Donnerstag, 08. März 2012
Guten Morgen,
das neue Spitzenduo der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, greift durch, noch bevor es offiziell im Amt ist. Drei neue Mitglieder werden in das oberste Führungsgremium einziehen - und die Vorstände Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti müssen gehen. Offenbar haben sich die beiden Neu-Chefs gedacht: Mit der Ausschaltung von Gegenspielern kann man nicht früh genug beginnen.

Die Entscheidung dürfte ihnen gleichwohl nicht leicht gefallen sein: Risikovorstand Bänziger kennt die vor den Augen der Öffentlichkeit (und des Aufsichtsrates) sorgsam versteckten Risikopositionen der Bank wie kein Zweiter. Der Schweizer war jahrelang der oberste Geheimnisträger der Bank. Unsere Frankfurter Finanzredaktion unter Leitung von Nicole Bastian analysiert in der heutigen Ausgabe die Lage nach dem Sturm.

Beim zweiten Schwerpunktthema geht es um den "Zwang zur Freiwilligkeit", dem die Besitzer von griechischen Staatsanleihen derzeit ausgesetzt sind. Bis heute Abend muss sich jeder entscheiden, ob er sich am "freiwilligen Schuldenschnitt" beteiligt. Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos treibt die 100 Milliarden Euro mit ruppigen Sprüchen ein: "Wer glaubt, dass er sich nicht beteiligen sollte und dann in voller Höhe entschädigt wird, der täuscht sich. Das ist das beste Angebot, denn das ist das einzig existierende Angebot." Richtig ist: Dieser Schuldenschnitt ist - so liegen die Dinge nun mal - ökonomisch geboten. Richtig ist aber auch: Das ist die größte Enteignungsaktion in Europa seit der Zwangskollektivierung in der DDR.

Nach dem jüngsten Geldregen für Europas Banken in Höhe von 530 Milliarden Euro für die Dauer von drei Jahren geht die Europäische Zentralbank (EZB) nach Überzeugung von Experten in Lauerstellung. Ökonomen rechnen bei der EZB-Ratssitzung heute in Frankfurt mit einer Zinspause. Viel Spielraum nach unten besteht bei einem Leitzins von einem Prozent ohnehin nicht.

Apple hat gestern sein neues iPad3 vorgestellt. Es rechnet schneller, der Bildschirm ist angeblich besser, das Gehäuse dicker, am Aussehen hat sich sonst nicht viel verändert. Das Beste an dem neuen Gerät ist, dass es den Preis für das iPad2 drücken dürfte. In New York begann gestern der Blow-Out-Sale für die Alt-iPads.

Henkel in Topverfassung: Der Hersteller von Klebstoff, Waschmitteln und Kosmetik, der am Morgen seine Bilanzzahlen vorlegt hat, erzielte Rekordwerte. Beim Umsatz wurde für das abgelaufene Jahr ein Wachstum von 15 Prozent auf 15,6 Milliarden Euro vermeldet. Der Unternehmensgewinn lag bei 1,28 Milliarden Euro. Damit hat Henkel 2011 eines der besten Ergebnisse seiner fast 140-jährigen Firmengeschichte erzielt. Stärkster Wachstumstreiber waren die Klebstoffe, wird es in den Presseartikeln heißen. Dabei könnte man mit Fug und Recht auch sagen: Der stärkste Wachstumstreiber war Vorstandschef Kasper Rorsted. Mit Charme und Härte hat er den Traditionskonzern wieder nach oben gebracht.

Knapp drei Wochen nach seinem Rücktritt wird Ex-Bundespräsident Christian Wulff heute in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Wenn ich die Abschiedsmusik hätte aussuchen dürfen, würde die Bundeswehr-Kapelle nachher nicht vier, sondern nur zwei Lieder spielen: den Abba-Hit "Waterloo" und danach zum Mitsummen "Hänschen Klein".

Ich wünsche Ihnen einen vergnüglichen Start in den neuen Tag. Es grüßt Sie herzlichst
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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NEUES IPAD
Apples cleverer Schachzug
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Die durchgesickerten Umbaupläne bei der Deutschen Bank tragen die Handschrift von Anshu Jain, sind sich die Medien einig. Ob die Strategie "Mehr Teamplay und weniger Silodenken" aber aufgehe, sei unklar. Mehr...
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Kapitalismusdebatte - wohin steuert die Marktwirtschaft?
Die Krise hat die Kritiker unseres Wirtschaftssystems wieder auf den Plan gerufen. Sie werfen die Frage auf: Wie kann ein lebenswerter Kapitalismus gestaltet werden?

Das Handelsblatt hat nach Antworten gesucht und zeigt mit eigenen Analysen und zahlreichen Gastbeiträgen Wege in die Zukunft auf. Das 45-seitige Spezial zeigt unterschiedliche Sichtweisen, greift das Interview mit Peter Sloterdijk auf und bündelt die Beiträge von Gabor Steingart, Nikolaus von Bomhard, James Galbraith, Kurt Biedenkopf, Sigmar Gabriel, Michael Vasilliadis, Josef Joffe und vielen anderen.

Die gesamten redaktionellen Beiträge erhalten Sie hier für € 9,95.
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BILANZ 2011
Henkel legt Rekordzahlen vor
Henkel ist in Rekordlaune: Der Hersteller von Klebstoff, Waschmitteln und Kosmetik hat seinen Gewinn auf 1,3 Milliarden Euro gesteigert - das beste Ergebnis der fast 140-jährigen Firmengeschichte. Mehr...
GEWINN GESTEIGERT
Post-Aktionäre bekommen höhere Dividende
Die konjunkturellen Sorgen können die Deutsche Post nicht schocken: Der Bonner Konzern verdiente 2011 mehr als im Vorjahr und davon profitieren auch die Aktionäre. Zudem soll es 2012 noch besser laufen. Mehr...
TERMINE DES TAGES
Wächst die Industrie weiter?
Nachdem gestern die Daten über die Entwicklung der Industrieaufträge in Deutschland überraschend schlecht ausgefallen sind, darf man gespannt sein, wie sich die Industrieproduktion im Januar entwickelt hat. Experten rechnen mit einem Zuwachs von 1,0 Prozent gegenüber Dezember. Im Schlussmonat 2011 war die Industrieproduktion zum Vormonat um 2,9 Prozent eingebrochen.

Experten: EZB legt nach Milliardenschwemme Zinspause ein
Ökonomen rechnen bei der EZB-Ratssitzung heute in Frankfurt damit, dass die Europäische Zentralbank eine Zinspause einlegt. Angesichts der gestiegenen Preise und der zarten Erholungszeichen der Konjunktur war die Front der Ökonomen zuletzt gebröckelt, die eine weitere Senkung des Leitzinses unter das Rekordtief von 1,0 Prozent erwarten.

Ex-Präsident Wulff wird mit Großem Zapfenstreich verabschiedet
Knapp drei Wochen nach seinem Rücktritt wird Ex-Bundespräsident Christian Wulff heute in Berlin mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Teilnehmen werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und die meisten ihrer Minister. Rot-Grüne Spitzenpolitiker und Wulffs Vorgänger im höchsten Staatsamt bleiben dem Zapfenstreich aber fern. Auch Wulffs designierter Nachfolger Joachim Gauck wird fehlen.

Weitere Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst - vor allem in Bayern
Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst gehen mit Schwerpunkten in Bayern und im Raum Hannover weiter. In Hessen, Berlin, Brandenburg und Bremen sind Verdi zufolge kleinere Aktionen geplant. In Hannover sollen stillstehende Busse und Bahnen die Computermesse Cebit treffen. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt - sie halten die Verdi-Forderungen für überzogen.
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TERMINE DES TAGES
Zustimmungsfrist für griechischen Schuldenschnitt endet
Countdown in Athen: Heute um 21 Uhr MEZ endet die Frist für die Zustimmung privater Investoren zum griechischen Schuldenschnitt. Der Ausgang ist ungewiss. Das Finanzministerium in Athen, die EU-Kommission in Brüssel und auch der Internationale Bankenverband IIF hatten am Mittwoch Zuversicht verbreitet. Ob Athen zumindest in die Nähe der angestrebten Zustimmungsquote von 90 Prozent kommt, bleibt indes offen. Athen will die Ergebnisse am Freitagmorgen veröffentlichen.

Bank of England legt Leitzins neu fest
Auch die Bank of England beendet ihre Ratssitzung und entscheidet über den Leitzins. Experten rechnen - wie bei der EZB - auch hier mit keiner Änderung. Der Zins dürfte daher auf dem niedrigen Niveau von 0,5 Prozent verharren.

Air France/KLM verringert den Nettoverlust
Die französische Airline, die über den Verlauf des Jahres 2011 berichtet, hat nach Einschätzung von Analysten ihren Umsatz um 16 Prozent auf 24,4 Milliarden Euro gesteigert. Auch das operative Ergebnis (Ebitda) dürfte mit knapp 1,5 Milliarden Euro gut viermal so hoch ausfallen wie im Jahr zuvor. Unter dem Strich erwarten Analysten nach einem Minus von gut 1,5 Milliarden Euro 2010 allerdings noch immer einen Verlust von rund 580 Millionen Euro.

Carrefour: weniger Umsatz, mehr Gewinn
Beobachter gehen davon aus, dass der französische Handelsriese im zurückliegenden Geschäftsjahr mit knapp 82 Milliarden Euro rund 8,5 Prozent weniger erlöst hat als im Jahr zuvor. Allerdings dürfte Carrefour sein operatives Ergebnis (Ebitda) um 70 Prozent auf 3,88 Milliarden Euro gesteigert haben. Beim Nettogewinn rechnen Experten sogar mit 960 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie 2010.
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WIRTSCHAFT IN JAPAN
Statistiker verrechnen sich bei Konjunkturdaten
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WORTE DES TAGES

Ich gehe davon aus, dass das Angebot freiwillig oder unfreiwillig angenommen wird."
Wolfgang Kirsch,
Chef der DZ-Bank, zum Verzicht der privaten Gläubiger Griechenlands

"Es gibt Ereignisse, da bin ich ohne Einladung hingegangen. Bei diesem Ereignis gehe ich ohne Einladung auf jeden Fall nicht hin."
Rainer Brüderle,
FDP-Fraktionschef, zum Zapfenstreich für Christian Wulff