Roberto Abraham Scaruffi

Friday, 20 April 2012


Freitag, 20. April 2012
Guten Morgen,
"Langfristig heißt langfristig", sagte der Chef des Staatsfonds aus Abu Dhabi, als er Anfang 2009 - das war inmitten der Finanzkrise - für wenig Geld neun Prozent an dem Stuttgarter Autokonzern Daimler erwarb. Drei Jahre und eine Kursverdoppelung später will der Staatsfonds wieder aussteigen. Und wir alle haben ein wenig Arabisch gelernt: Langfristigkeit ist nur ein anderes Wort für Unzuverlässigkeit.

Für Daimler-Chef Dieter Zetsche und seinen Aufsichtsratsboss Manfred Bischoff ist die neue Lage misslich: Nun fehlt den Daimlers ihr größter Großaktionär, der sie auch gegen Übernahmen schützen sollte. Die deutsche Industrieperle ist mit 40 Milliarden Euro an der Börse relativ günstig zu haben. Amerikaner, Japaner und Chinesen sind scharf auf jene mystischen Produktionsstätten, wo einst das Automobil erfunden wurde. Unser heutiger Schwerpunkt analysiert die neue Lage. Vier Experten - darunter Professor Ferdinand Dudenhöffer und Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler - skizzieren unkonventionelle Auswege aus dem Dilemma.

Ursula Piëch wurde gestern mit überwältigender Mehrheit von der VW-Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt. Die mächtigen Fondsgesellschaften, die ihre Kandidatur tags zuvor kritisiert hatten, waren kleinlaut bis verstummt. Der mangelnde öffentliche Rückhalt mag sie gehindert haben, das große Wort zu schwingen. Auch unsere Zeitung hatte dafür geworben, Ursula Piëch, gelernte Kindererzieherin, eine Chance zu geben, ihre Lebenserfahrung und nicht vergilbte Zeugnisse zum Maßstab eines Urteils zu machen. Viele Leser und Leserinnen reagierten spontan erfreut. Eine Frau schrieb mir:

"Ich bin gelernte Erzieherin und habe in den letzten zehn Jahren zwei erfolgreiche Unternehmen aufgebaut, die 72 Menschen einen Arbeitsplatz geben. Außer Geschäftsführerin bin ich Mutter einer zweijährigen Tochter. Ich bin zwar von niemandem Berühmten die Gattin, aber dennoch Unternehmerin ohne Studium. Lange Rede, kurzer Sinn: Danke für ihr Vertrauen in kluge Köpfe und getane Arbeit statt blindem Glauben an Titel auf Papier."

In unserer Redaktion bleibt das Thema strittig. Heute tragen wir die Kontroverse für Sie zum Mitlesen in der Zeitung aus: Die Chefin unserer Finanzredaktion in Frankfurt, Nicole Bastian, kritisiert den Aufstieg der Gattin Piëch als "Erbhofmentalität". Sandra Louven, stellvertretende Leiterin des Unternehmensressorts, widerspricht: "Niemand setzt sich engagierter für die Unternehmensinteressen ein als Menschen, die Firmeneigentümer sind." Jetzt sind Sie dran. Wer sich an der Debatte beteiligen möchte, ist uns herzlich willkommen. Schreiben Sie mir: steingart@handelsblatt.com.

Die europäische Schuldenkrise und drohende globale Auswirkungen stehen von heute an auf der Tagesordnung der gemeinsamen Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. Vor dem Treffen kommen in der US-Hauptstadt auch die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) zusammen. Topthema ist die vom IWF geforderte Ausweitung seiner Kreditlinie, um Ländern außerhalb der Euro-Zone helfen zu können. Die Organisation fordert von ihren Mitgliedern mehr als 400 Milliarden Dollar an frischem Geld. Dagegen wehren sich im Vorfeld wichtige Schwellenländer wie Brasilien, Russland und China. Auch Finanzminister Schäuble sollte vor der Abreise einen Igel in sein Portmonee tun.

Unser Wochenendthema ist heute dem Immobilienmarkt gewidmet. In Zeiten von Aktien-Achterbahn und den Unsicherheiten auf den Anleihemärkten scheint mir die Geldanlage in Immobilien eine attraktive Alternative. Zusammen mit dem Internetportal Immobilienscout 24 haben wir daher 15 deutsche Städte analysiert - und zwar Viertel für Viertel. Untersucht wurden das Wachstumspotenzial und das Preisniveau von Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern. Wir beginnen heute mit den Metropolen Berlin, Frankfurt und München. Bevor Sie Hunderttausende von hart verdienten Euros investieren, sollten sie zunächst Lesezeit investieren. Bei Rückfragen zu dieser wirklich außergewöhnlich tiefgründigen Datenanalyse stehen Ihnen der Chef unserer Immobilienredaktion, Reiner Reichel, und Immobilienscout-Chefresearcher Michael Kiefer gern zur Verfügung: reichel@handelsblatt.com.

Ich wünsche Ihnen ein vergnügliches und entspanntes Wochenende. Bis zum Montagmorgen verbleibe ich herzlichst Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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"Das Handelsblatt kommt"

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Euro-Krise belastet Laune der Wirtschaft
Volkswirte erwarten für die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im April einen leichten Durchhänger. Der Ifo-Geschäftsklimaindex dürfte nach fünf Anstiegen in Folge jetzt von 109,8 auf 109,4 Punkte nachgegeben haben, sagten Konjunkturexperten mehrerer Banken. Euro-Schuldenkrise und zuletzt enttäuschende Zahlen der deutschen Industrie trübten die aktuelle Lage. Das Ifo-Institut will das Ergebnis seiner jüngsten Umfrage unter 7.000 Betrieben heute veröffentlichen.

Hauptversammlung der neuen VW-Tochter MAN
Die Aktionäre des Lastwagen- und Maschinenbaukonzerns MAN kommen in München zu ihrer Hauptversammlung zusammen. Obwohl die Aufräumarbeiten für die Korruptionsaffäre den Gewinn einbrechen ließen, können sich die Anteilseigner auf eine höhere Dividende freuen. Im Zentrum steht allerdings die Frage, was Volkswagen als neuer Herr im Haus mit MAN und Scania genau vorhat.
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NACH BILANZSKANDAL
Olympus-Führung tritt geschlossen ab
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"Deepwater Horizon"-Opfer bekommen Nachzahlung
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IWF-Frühjahrstagung und G20-Finanzminister-Treffen in Washington
Heute beginnt die gemeinsame Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington. Auf der Tagesordnung stehen vor allem die europäische Schuldenkrise und drohende globale Auswirkungen. Um diese zu vermeiden und auch Ländern außerhalb der Euro-Zone helfen zu können, soll die IWF-Kreditlinie um mehr als 400 Milliarden Dollar ausgeweitet werden. Doch bereits im Vorfeld kommt es zu heftigem Gegenwind von Kanada, aber auch von den wichtigsten Schwellenländern.

General Electric tritt auf der Stelle
Eine der Ikonen der US-Wirtschaft ist nach Einschätzung von Analysten im ersten Quartal dieses Jahres nicht so recht vorangekommen. So bewegt sich der Umsatz von General Electric mit geschätzten 34,7 Milliarden Dollar auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Gleiches gilt für den Nettogewinn, für den Experten 3,43 Milliarden Dollar erwarten.

Burger kennen keine Krise
Heute berichtet der weltgrößte Bulettenbräter über den Verlauf des ersten Quartals. Analysten gehen davon aus, dass McDonald’s bei einem um sieben Prozent höheren Umsatz von gut 6,5 Milliarden Dollar mit 1,26 Milliarden Dollar unter dem Strich gut vier Prozent mehr verdient hat.
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WORTE DES TAGES

"Im Jahr 2050 kann die deutsche Stromversorgung klimaneutral sein."
Jürgen Großmann,
scheidender Chef des RWE-Konzerns

"Ich möchte dazu beitragen, den Erfolg des Unternehmens zu stärken und Ihre Interessen zu vertreten."
Ursula Piëch,
neue Aufsichtsrätin bei Volkswagen