Roberto Abraham Scaruffi

Monday, 23 April 2012


Montag, 23. April 2012
Guten Morgen Herr Scaruffi,
nach der Wahl ist vor der Wahl: Die französischen Präsidentschaftswahlen brachten keinen neuen Präsidenten, nur einen Etappensieger: François Hollande wird in 14 Tagen bei der Stichwahl gegen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy antreten. Die Frage lautet: Wer bekommt dann die Stimmen der rechtsextremen Marine Le Pen, die gestern mit 19 Prozent die eigentliche Überraschung des Abends war. Die Euro-Krise hat die politische Landschaft offenbar stärker verändert, als wir das bisher wahrhaben wollen.

Die Vorstandsgehälter in Deutschland sind überproportional gestiegen. Nach Berechnungen des Handelsblatt-Research-Centers verdient der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn mit 16,6 Millionen Euro rund 435 Prozent mehr als sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder im Jahr 2006. Siemens-Chef Peter Löscher bekommt 8,7 Millionen Euro - und damit 142 Prozent mehr als Heinrich von Pierer, ebenfalls im Jahre 2006. Für unser heutiges Schwerpunktthema haben wir die Top-10 der Gehaltsliste mit ihren Vorgängern verglichen. Soviel sei verraten: Nur zwei der Vorstandschefs verdienen weniger als ihre Vorgänger.

Anlass für unsere Berechnungen war ein vertraulichen Schreiben an die Aufsichtsratschefs der 30 Dax-Konzerne, das uns am Freitag erreichte. Darin werben Commerzbank-Aufsichtsratschef Peter Müller und Manfred Gentz, Ex-Finanzchef von Daimler und wie Müller Mitglied in der "Kommission für Gute Unternehmensführung", dafür, die Topgehälter in Deutschland freiwillig zu begrenzen. "Wir sollten uns immer wieder klarmachen", heißt es in dem Schreiben, "dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen".

Das ist ein Tabubruch, aber ein notweniger. Bisher haben sich noch nie führende Männer der Wirtschaft gegen die Bezahlung ihrer Kollegen gestellt. "Manager gegen Manager" lautet unser Titelthema. Falls Sie Ferdinand Piëch, Gerhard Cromme, Manfred Schneider oder Simone Bagel-Trah heißen, haben Sie das Schreiben des Autorenkollektivs Gentz/Müller ohnehin in ihrem Briefeingangskörbchen. Falls Sie auf einen anderen Namen hören, aber dennoch bei der Gehälterdebatte mitreden möchten, biete ich Ihnen an, Sie mit dem vertraulichen Schreiben zu versorgen. Eine kurze Mail genügt: steingart@handelsblatt.com.

Die Lufthansa muss 1,5 Milliarden Euro einsparen - und will dafür auch beim Komfort den Rotstift ansetzen. Das geht aus einem Brief von Carsten Spohr, Vorstandsmitglied der Lufthansa und Chef des Passagiergeschäfts, an die Mitarbeiter von Europas größter Airline hervor. So will die Lufthansa auf Langstreckenflügen teilweise sogar die Erste Klasse abschaffen. Dadurch könne man mehr Sitze einbauen und mehr Umsatz und Gewinn pro Flug erzielen. Unser Luftfahrtexperte Jens Koenen beschreibt in unserer heutigen Zeitung die Details.

Die weltgrößte Industrieschau, die Hannover Messe, beginnt nachher. Um 9 Uhr startet Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Rundgang - begleitet wird sie vom Ministerpräsidenten des offiziellen Gastlandes China, Wen Jiabao. Jeder zehnte Aussteller stammt bereits aus China. Zum Start der Messe hat Wirtschaftsminister Philipp Rösler die chinesische Wirtschaftspolitik kritisiert: "Trotz der guten wirtschaftlichen Beziehungen sehe ich noch Verbesserungsbedarf", sagte er dem Handelsblatt. Die Regierung in Peking müsse die Handelsbeschränkungen bei Rohstoffen, auch bei Seltenen Erden, zügig abbauen, forderte Rösler. Unterstützung wird er heute vom Vorsitzenden des Asien-Pazifik-Ausschusses, Peter Löscher, bekommen. Dem Handelsblatt liegt ein Redemanuskript vor, in dem Löscher offene Rohstoffmärkte und einheitliche Regeln für die Exportfinanzierung fordert.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war fleißig. Sie hat - wie von ihr versprochen - die mehr als 80 Fragen der Handelsblatt-Leserinnen und -Leser präzise beantwortet: "Was sind Ihre drei wichtigsten Maßnahmen für die Förderung des Mittelstandes?", "Welche Unterstützung kann man Opel geben, damit Elektrofahrzeuge in Bochum gebaut werden können?", "Werden Sie für eine Reform des Urheberrechts eintreten?" Ihre Antworten finden Sie auf Handelsblatt Online - oder wenn Sie an dieser Stelle klicken.

Ich wünsche Ihnen einen gut gelaunten Start in die neue Woche. Es grüßt Sie herzlichst Ihr
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Gabor Steingart
Chefredakteur
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"Das Handelsblatt kommt"

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Hannover Messe öffnet ihre Pforten
Am Morgen startet die weltgrößte Industrieschau in Hannover. Die großen Industrieverbände von VDMA und BDI und von Bitkom bis ZVEI geben nacheinander auf Pressekonferenzen Konjunkturprognosen für das laufende Jahr ab - auch da spielt China, das diesjährige Partnerland, eine tragende Rolle. Die Tendenz dürfte sein, dass Rückgänge im ersten Halbjahr in einer stärkeren zweiten Jahreshälfte wettgemacht werden. Auch viele große Unternehmen geben Pressekonferenzen, darunter VW, Siemens und ABB.

Unternehmer reden über Familienförderung
Auf dem Unternehmenstag des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) geht es unter dem Titel "Erfolgsfaktor Familie 2012" um eine familienbewusste Arbeitszeitkultur. Die Veranstaltung mit DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann findet in Berlin statt.

Tarifkonflikt bei der Deutschen Telekom
Der Tarifkonflikt bei der Telekom Deutschland GmbH geht weiter. In Düsseldorf wird über einen neuen Abschluss für die rund 50.000 Tarifangestellten des Unternehmens verhandelt. Parallel dazu hat die Gewerkschaft Verdi 20.000 Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen. Zugleich beginnt die Schlichtung für die 16.500 Beschäftigten der Deutschen Telekom AG unter Vorsitz des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Hamburgs, Henning Voscherau.

Neues zur Lage der deutschen Wirtschaft
In Berlin stellt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) heute seine Konjunkturprognose für die Jahre 2012 und 2013 vor. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten zuletzt in ihrem Frühjahresgutachten für das laufende Jahr ein Wachstum von 0,9 Prozent und für das kommende Jahr von zwei Prozent vorhergesagt.
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TERMINE DES TAGES
Wahlen auch in den Niederlanden?
Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit der rechtspopulistischen Freiheitspartei (PVV) über einen Schuldenabbau kommt das niederländische Kabinett heute in Den Haag zu einer Krisensitzung zusammen. Dabei könnte die Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Mark Rutte vorgezogene Neuwahlen beschließen. Die Minderheitsregierung ist im Parlament auf die Unterstützung der PVV des Euro-Skeptikers Geert Wilders angewiesen. Diese verweigerte jedoch am Samstag nach wochenlangen Verhandlungen ihre Zustimmung zu den Sparmaßnahmen, mit denen das hohe Staatsdefizit abgebaut werden soll.

Eurostat veröffentlicht Defizitzahlen
Die Europäische Statistikbehörde Eurostat veröffentlicht die amtlichen Zahlen zum öffentlichen Defizit und der Verschuldung der EU-Länder im Jahr 2011. Es wird sich zeigen, wer seine Versprechen halten konnte und wer beim Sparen nachlegen muss.

Einkaufsmanagerindex zeigt Stimmung in der Wirtschaft
Das Forschungsinstitut Markit legt seine Schätzung für den Einkaufsmanagerindex für April vor. Dieser viel beachtete Indikator gibt einen Hinweis auf die Stimmung in der europäischen Wirtschaft. Zuletzt hat er für die meisten Länder in Europa Krisensignale gesendet.

Quartalszahlen von Michelin
Der französische Reifenhersteller Michelin legt Zahlen für das erste Vierteljahr 2012 vor. 2011 hatte er seine Aktionäre mit einem Gewinnplus von 39 Prozent bei einem Umsatzzuwachs von 16 Prozent erfreut. Für das laufende Jahr hat er einen stabilen Umsatz versprochen.

Philips berichtet über Geschäft zu Jahresbeginn
2012 dürfte für Philips ein weiteres schwieriges Jahr werden. Das Wort Krise gehört bei dem niederländischen Elektronikkonzern schon zum Standardwortschatz. "Wegen der unsicheren Konjunktur in Europa und hoher Kosten für den Konzernumbau wird 2012 nicht einfach für uns", hat Konzernchef Frans van Houten bereits gewarnt. Nun wird sich zeigen, wie schwach das erste Quartal war. Für 2011 stand am Ende ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro zu Buche.
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AUTOMESSE
Deutsche Autobauer trotzen den Zweifeln an China
Die chinesische Fahrzeugmesse war vor zehn Jahren noch kaum beachtet, heute ist sie eines der wichtigsten Branchentreffen des Jahres. Auch dieses Mal rechnen die Manager mit Rekordwachstum in Asien. Mehr...
GRENZKONFLIKT
Die Rückkehr des Krieges im Sudan
Sudans Präsident Omar al-Baschir hatte dem Südsudan bereits mit Krieg gedroht. Nachdem südsudanische Truppen ein Ölfeld besetzt hatten, droht nun die Situation zu eskalieren. Hunderte südsudanesische Soldaten wurden getötet. Mehr...
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Gewaltige Explosion über Nevada und Kalifornien
Eine gewaltige Explosion hat am Sonntag viele Menschen in Teilen der US-Staaten Nevada und Kalifornien beunruhigt. Beobachter berichteten von schwankenden Häusern. Mehr...
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Katar will weltweit mehr investieren
Im laufenden Jahr will der Staat über seinen Fonds mehr als 30 Milliarden Euro im Ausland investieren. Die an deutschen Großkonzernen beteiligte Gesellschaft wird bei Investments in Europa aber vorsichtiger. Mehr...
TERMINE DES TAGES
Quartalszahlen von Texas Instruments
Der US-Halbleiterhersteller Texas Instruments war 2011 mit einer operativen Marge von fast 22 Prozent ein Vorbild an Profitabilität. Ob das auch 2012 so bleibt, darauf gibt es heute einen ersten Hinweis, wenn das Unternehmen seine Quartalszahlen vorlegt.

Europäische Zentralbanker sprechen in New York
Gleich zwei europäische Zentralbankgrößen halten Reden in der Finanzmetropole. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erklärt dem Wirtschaftsclub von New York die Perspektiven der Weltwirtschaft. Der österreichische Notenbankchef Ewald Novotny spricht ein paar Stunden später zu geldpolitischen Fragen aus europäischer Sicht.
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WORTE DES TAGES

"Trotz der guten wirtschaftlichen Beziehungen sehe ich noch Verbesserungsbedarf."
Philipp Rösler,
Bundeswirtschaftsminister, mit Blick auf den Handelspartner China

"Bei öffentlichen Finanzen heißt Sparen ja schon, dass ich Geld, das ich nicht habe, nicht ausgebe."
Rainer Brüderle,
FDP-Fraktionschef im Bundestag